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Heise-Kolumnist Sicking und die verfehlte Rehabilitierung der Hardware

(PM) , 18.09.2008 - Wohlstand von Wissens- und Dienstleistungsberufen abhngig

Hannover/Dsseldorf - In einem offenen Brief an den Venture-Capital-Unternehmer Dr. Gottfried Neuhaus reibt sich der Heise-Kolumnist Damian Sicking www.heise.de/resale/Kolumne-Rehabilitierung-der-Hardware--/artikel/114024 an einer allzu optimistischen Betrachtung des Dienstleistungssektors. Er verweist auf die Bltentrume der New Economy. Die damaligen Verheiungen vom Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft htten sich als Irrtum erwiesen. „Besteht nicht ein wesentliches Fundament unseres Wohlstands darin, dass wir Produkte (Autos, Maschinen, chemische Erzeugnisse etc.) herstellen und global vermarkten? Welche Dienstleistungen knnen wir denn statt dessen exportieren“, fragt sich Sicking und verweist auf den viel zitierten Satz „Wir knnen nicht davon leben, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden."

Fr den IT-Experten Udo Nadolski, Geschftsfhrer des Dsseldorfer Unternehmens Harvey Nash www.harveynash.com/de, ist der Sicking-Kommentar symptomatisch fr das Meinungsklima in Deutschland - mit verheerenden Folgen fr die Zukunft: „Der Dienstleistungssektor wird doch nicht von Friseuren oder Pizzabckern geprgt. Ein Blick in das Jahrbuch des Statischen Bundesamtes knnte Herrn Sicking vielleicht helfen. In Deutschland sind besonders jene Bereiche gewachsen, die Dienstleistungen fr andere Unternehmen erbringen. Der sektorale Strukturwandel vollzieht sich also nicht primr ber eine Verdrngung von Industriewaren durch Dienstleistungen, sondern durch eine Verdrngung alter Produkte durch dienstleistungsintensiver hergestellte Produkte“, kontert Nadolski.

Und auch bei der deutschen Exportbilanz sollte der Heise-Kolumnist genauer hinschauen. „Er knnte von den Statistikexperten in Wiesbaden einiges lernen. Das Verhltnis zwischen in den Exporten enthaltener inlndischer Bruttowertschpfung und importierten Vorleistungen hat sich stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. Die Fertigungstiefe in Deutschland nimmt extrem ab. Das ist leicht ablesbar an den Effekten des Exports fr die Wachstumsrate in unserem Land. Durch den Boom der Weltwirtschaft konnten wir vor vier Jahren unsere Exporte deutlich steigern, dass Inlandswachstum lag aber nur bei mageren 1,2 Prozent. Die positive auenwirtschaftliche Entwicklung bringt keine ausreichende Initialzndung fr die Binnenwirtschaft“, erlutert Nadolski.

Massenfertigung finde immer mehr im Ausland statt. Das werde sich nicht mehr ndern. „Wir mssen uns auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren, auf die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, auf die Veredelung von Produkten, auf die Verbesserung der Produktvermarktung und auf smarte Servicekonzepte. Wir mssen massiv den konomischen Wandel von der klassischen industriellen Produktion zu Dienstleistungen und Wissen sowie zur Informations- und Kommunikationstechnik vorantreiben. Wir knnen nur als Wissens- und Dienstleistungskonomie berleben“, so der Ratschlag des Harvey Nash-Geschftsfhrers. Treffend analysiert habe das der Zukunftsforscher und Kondratieff-Kenner Erik Hndeler. Konjunkturforscher Nikolai Kondratieff schrieb, dass die Mrkte von morgen durch knappe Produktionsfaktoren entstehen. In der Informationsgesellschaft von morgen werde der Wohlstand davon abhngen, wie effizient die Wissensarbeiter zusammenwirken.

Die Informationsgesellschaft sei weit mehr als die Fortsetzung der alten Industriegesellschaft mit Computern. „In den Generationen unserer Eltern und Groeltern standen die meisten Menschen noch in der Fabrik und haben geschraubt, gefrst, montiert, haben mit ihren Hnden die reale materielle Welt bearbeitet; nur ganz wenige haben geplant, organisiert, vermarktet. Dieses Verhltnis hat sich umgedreht: In einer Welt, die ihre Wissensmenge alle fnf Jahre verdoppelt, geht es nicht mehr in erster Linie um ein Mehr an Information, sondern darum, sie effizient zu verwalten, um schnell an jene Infos zu kommen, die man braucht, um ein aktuelles Problem zu lsen“, schreibt Hndeler in seinem Buch „Die Geschichte der Zukunft“ www.kondratieff.biz/seiten/buch/zukunft.htm. Knapp seien gebildete Menschen und die gewinntrchtigste Investition sei deshalb heute die Investition in Menschen. „Der Management-Berater Peter Druck hat es noch klarer formuliert: Die wirtschaftliche Prioritt der Industrielnder muss darin bestehen, die Produktivitt in den Wissens- und Dienstleistungsberufen zu erhhen. Wem das zuerst gelingt, wird das 21. Jahrhundert wirtschaftlich dominieren. Mit der Geisteshaltung von Damian Sicking wird das leider nicht gelingen“, resmiert Nadolski im Gesprch mit NeueNachricht www.ne-na.de.

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