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Ghostwriter sind Gespenster

Genau wie über Gespenster erzählt man sich die unglaublichsten Geschichten über sie.
(PM) Lhne, 23.02.2013 - Genau wie Gespenster bekommt man auch Ghostwriter nur selten zu Gesicht. Zumindest gilt das fr Journalisten. Nur zu gerne wrde man doch eine Geschichte ber einen Ghostwriter schreiben und der vorher schon feststehende Story mit Fakten eines auskunftsfreundlichen Ghostwriters Glaubwrdigkeit verleihen. Das Problem ist nur, dass inzwischen so ziemlich jeder Ghostwriter verstanden hat, dass ein Journalist weniger an einer objektiven Berichterstattung und mehr an einer "Bad News"-Geschichte interessiert ist, denn nur das ist eine gute Schlagzeile. Wer gruselt sich schon ber eine Geschichte von netten Gespenstern?

Der investigative Journalist steht jetzt vor einem Dilemma. Geschichten ber Ghostwriter und ihre Kunden versprechen Nervenkitzel und Gnsehaut, hnlich wie gute Gespenstergeschichten, fundierte Informationen hat er aber keine. Was also soll er tun?

Es gibt zwei klassische Lsungsanstze, die immer wieder zum Einsatz kommen, besser wird das Ergebnis dadurch aber seit Jahren auch nicht.

Zum einen wird versucht Hrensagen und im Internet recherchiertes Halbwissen scheinbar logisch zu einer einigermaen plausiblen Story auszubauen, immer in der Gewissheit, dass der Leser vermutlich noch viel weniger wei und ganz sicher auch noch kein Geist gesehen hat. Das Ergebnis dieses Journalismus konnte man am 16.11.2012 im Deutschlandfunk (unglubig) hren. Dort wurde aus dem Ghostwriter(nischen)markt gleich ein Industriezweig mit mehreren Hundert Millionen Umsatz gemacht. Da kann jemand auch gleich behaupten, in jeder leeren Einwegflasche steckt ein Flaschengeist!

Zum anderen bemht man den redseligen Ghostwriter. Mit ihm verhlt es sich wie mit einem echten Gespenst, im Zweifelsfall hat es keiner mehr gesehen, es kann von niemandem mehr befragt werden und lichtscheu ist es ohnehin. Also sind der Phantasie fr schaurige Gespenstergeschichten keine Grenzen mehr gesetzt.

Genau wie in der Geister-Zwischenwelt der Fliegende Hollnder sehr beliebt ist, ist es bei den Berichten ber Ghostwriting der Schreiberling, der eigentlich keine Ahnung von dem hat, was er da macht, der aber wie am Flieband Doktorarbeiten fr reiche Dnnbrettbohrer produziert.

Schon vor Jahrzehnten spukte dann auch ein Mittelschulabsolvent durch das ffentlich-rechtliche Fernsehen. Er hatte kein Abitur und auch noch nie eine einzige Vorlesung besucht, sich aber selbst das Schreiben von Doktorarbeiten beigebracht, ein Autodidakt eben. Der Fachbereich spielte fr ihn keine Rolle, er konnte sich in alles Einlesen und auch alles Schreiben. Das sei wie ein Handwerk erlernbar.

Wurde dieser Ghostwriter aber in der realen Welt jemals gesehen? So oft wie der Fliegende Hollnder!

Und ebenso wenig wie der Geist des Fliegenden Hollnders aus dem Gespensterwelt verschwindet, so stirbt der ahnungslose Ghostwriter aus.

Zwei Gespenster oder zweimal das gleiche Gespenst, wer wei das schon so genau, wurden dann auch am 08.02.2013 bei der FAZ und am 13.02.2013 bei Spiegel-online gesichtet. Zum Glck gerade noch rechtzeitig um auf den bereits abgefahrenen Zug um die Doktorarbeit von Annette Schavan aufzuspringen. Besonders passend ist auch, dass sich diese mitteilungsbedrftigen Ghostwriter immer genau dann bei den Redaktionen melden, wenn es zu den wirklich interessanten Themen rund um Guttenberg, Koch-Mehrin, Schavan & Co. etwas zu berichten gibt.

Ein Ghostwriter, zur Abwechslung einmal ein promovierter Akademiker, aber ansonsten wieder ahnungslos wie immer, schrieb mutmalich schon zu DM-Zeiten fr eine erfahrene und heute noch ttige und erfolgreiche Ghostwriting-Agentur aus Nordrhein-Westfalen. Soweit – so gut! An dieser Stelle endet dann aber auch schon jeder mgliche Bezug zur Realitt.

Eine 200 seitige Doktorarbeit in BWL in vier Wochen, vier Doktorarbeiten pro Jahr zu x-beliebigen Themen von dem gleichen akademischen Ghostwriter?

Ist das realistisch? So realistisch wie der Fliegende Hollnder!

Das sich in wenigen Monaten realistischer Weise keine Doktorarbeit aus dem Boden stampfen lsst, soll hier erst gar nicht weiter thematisiert werden. Niemals wrde eine erfahrene Ghostwriting-Agentur fachfremde Akademiker einsetzen. Was soll denn dabei rauskommen? Das Ergebnis wre im besten Fall unbrauchbar!
Eine Dissertation lsst sich nicht sinnlos zusammenkopieren und keiner merkt das. Selbst Guttenberg hat nicht sinnlos kopiert und in seiner juristischen Doktorarbeit pltzlich ein Kapitel ber das Losgrenverfahren von Crosten und Wagner oder die mesomeren Grenzstrukturen von aromatischen Kohlenwasserstoffen eingefgt.

Welcher Schluss lsst sich nun fr einen wirklich erfahrenen und erfolgreichen Ghostwriter ziehen?

Eher erfolgt der nchste Urlaub auf dem Fliegenden Hollnder als das ein Journalist einmal einen sachlich fundierten Artikel zum Thema Ghostwriting verfasst.
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