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Deutschland kann es besser – Ulrike Fokken zeigt Wege aus der Depressionsspirale

(PM) , 29.09.2006 - Vom Jammern haben wir allmhlich die Nase voll. Welcher ehemalige konomische Superstar mchte schon dauernd im Abstiegskampf stecken und sich dann auch noch gegen die Angreifer aus Asien zur Wehr setzen? Nur Masochisten laben sich an stndiger Selbstkasteiung. Ulrike Fokken, ehemalige Redakteurin von taz und Tagesspiegel sowie zuvor Research Analyst bei der Boston Consulting Group, geht einen anderen Weg. In ihrem Buch „So geht’s Deutschland!“ diagnostiziert sie zwar, dass der deutsche Patient bettlgerig sei, doch sie offeriert zugleich eine Art Medikamentenkoffer. Denn in einigen europischen Staaten und in Kanada luft es nach Ansicht von Fokken deutlich besser als bei uns. Man mag ber manche These der Autorin streiten, einiges ist zu naiv geraten und zu blauugig, doch im Grunde lohnt sich die Lektre, die den Leser aus der lhmenden Depressionsspirale befreien soll. Eine, pardon, feministisch getnte Voreingenommenheit zeigt sich unter anderem darin, dass Fokken sozusagen aus Frauensolidaritt groe Stcke auf Angela Merkel zu halten scheint. Seit die erste Frau ins Kanzleramt eingezogen sei, herrsche ein anderes Klima. Die Vernderung an der Regierungsspitze signalisiere: „Der Aufbruch in den Aufschwung kann gelingen.“ Hier handelt es sich um den Fluch der frhzeitigen Verffentlichung, denn dieses Buch ist im Mrz 2006 auf den Markt gekommen, und damals war noch nicht allen Beobachtern klar, dass Angela Merkel mehr Unfreiheit wagen wrde. Doch diese kleinen Einwnde sollen nicht davon ablenken, dass viele beherzigenswerte Dinge zwischen zwei Buchdeckel auf rund 240 Seiten gepresst wurde. Fangen wir am Rande Europas an. Von den Iren knnen die Deutschen lernen, wie man sich im Wettbewerb behaupten kann. Aus dem agraisch geprgten Armenhaus ist innerhalb von nur 15 Jahren der „keltische Tiger“ geworden. In Zahlen: Irland ist mittlerweile eines der reichsten Lnder der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt 26 Prozent ber dem EU-Durchschnitt und sogar ber dem von Luxemburg und der Schweiz. Irlands Strke liegt bei den Dienstleistungen, vor allem in der Informationstechnologie: „Die Software- und Computergiganten Intel, Hewlett-Packard, Microsoft und Dell formten aus der Region um Dublin nach dem Vorbild des amerikanischen Silicon Valley ein Emerald Valley, benannt nach der unglaublich smaragdgrnen Landschaft.“ Aus dem katholischen Bauernvolk sei eine moderne, hoch technologisierte Dienstleistungsgesellschaft geworden. Beim EU-Beitritt 1973 arbeiteten noch 24 Prozent der Bevlkerung auf dem Feld, 20 Jahre spter waren es nur noch neun Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil bei den Dienstleistungen von 45 auf 63 Prozent. Anders als Deutschland hat Irland einfach die Phase der „schmutzigen Industrialisierung“ bersprungen. Deutschland tut sich schwerer damit, den Sprung zu schaffen von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, dass der industrielle Erfolg seit dem Kaiserreich mit den Unternehmen der Stahl- und Kohleindustrie, der Chemie- und Autokonzerne, der Werften und Textilfabriken verbunden ist. Und wer trennt sich schon leichten Herzens von dem, was ihn einst reich gemacht hat? Der Erfolg vergangener Zeiten lhmt die Deutschen. Diese Gefahr besteht bei den Iren verstndlicherweise nicht. Doch Fokken macht Mut: „Die Deutschen haben so viele politische Wechsel in ihrer jngeren Vergangenheit gemeistert, dass sie den Wandel vom Industriezeitalter in die Wissensgesellschaft ebenfalls schaffen knnen – sofern sie es nur wollen und mit dem Aufbau beginnen.“ Und was knnen sich die Deutschen von den brigen Lndern abschauen? In Finnland funktioniert das Bildungswesen besser; dies wird durch internationale Tests besttigt. Besonders verlockend erscheint, dass in Finnland die Lehrer keine Beamten sind. Unfhige Pdagogen haben daher schlechte Karten, weil sie dem Wettbewerb auf dem freien Arbeitsmarkt unterliegen. Lehrer in Finnland knnen es sich daher nicht leisten, unzufriedene und ungebildete Schler zu produzieren. Viele deutsche Lehrer halten es schon lngst nicht mehr mit preuischer Arbeitsmoral. Unter allen Berufsgruppen des ffentlichen Dienstes weisen sie den hchsten Krankenstand auf. Im Durchschnitt sind sie elf Tage im Jahr krankgeschrieben – fehlen aber tatschlich doppelt so oft. Wer unmotiviert ist, wird jedoch keinen guten Unterricht erteilen. Dass ist in Finnland anders. Dort schnuppern die zuknftigen Lehrer schon frh Schulduft, da sie vom ersten Semester als Praktikanten in einer Klasse, wo sie bestimmte Pflichtstunden unterrichten, eingesetzt werden. Schweden, so Fokken, zeige, dass man selbst ein „Volksheim“ modernisieren knne. Die Schweden htten ihr Rentensystem nicht reformiert, sondern abgeschafft und ein neues erfunden, nmlich einen Mix aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Altersvorsorge. Sptestens seit 1990 ist auch in Deutschland klar, dass die staatliche Rente nicht sicher ist. „Die umlagefinanzierte Rente als lebensstandardsicherndes Einkommen fr die breite Masse ist organisierter Selbstbetrug“, sagt der grne Finanzexperte Oswald Metzger. Doch in der Gesundheits- und Rentenpolitik stmpern die deutschen Konsens- und Stillstandspolitiker nur herum. In Schweden ist das Rentensystem zukunftsfest gemacht worden, in Deutschland ergehen sich leider auch zahlreiche Konservative und Liberale lediglich in raunender Untergangsstimmung, als ob dadurch dem deutschen Volks geholfen wre. Deutschland muss seinen eigenen Weg finden. Dazu bedarf es der Mnchhausen-Methode, so die Autorin: „Auch Deutschland mit seinen komplizierten Systemen eines hoch entwickelten Sozialstaats am Ende des Industriezeitalters kann sich selbst wieder in Schwung bringen.“ Dazu muss es sich aber am eigenen Schopf aus dem Morast ziehen. „Kein System ist in Stein gemeielt“: Mit diesen Wort schliet das Buch. Diese Botschaft ist trstlich. Man sollte sie sich jeden Tag als Losung vorlesen – zumindest so lange, wie wir noch das Gewrge der Groen Koalition ertragen mssen. Ulrike Fokken: So geht’s, Deutschland! Nachhilfe fr unsere Politiker. Knaur: Mnchen 2006. 253 S., 12,95 Euro, ISBN-13: 978-3-426-77867-8.
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