VOLLTEXTSUCHE
Pressearchiv
NeueNachricht
Pressemitteilung

Der Wolpertinger als Wappentier der Gesundheitsreform – Mehr Geld bringt nicht automatisch mehr Gesundheit

(PM) , 18.08.2006 - Bonn/Kln – Kaninchen sind s. Vor allem kleine Mdchen knnen sich fr die putzigen Nagetiere begeistern. Doch ein Wolpertinger ist weniger s. Es handelt sich hierbei um ein gehrntes Kaninchen, das allerdings nur in der bayerischen Fabel existiert und nicht schn anzuschauen ist. Meinhard Miegel, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts fr Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) Bonn www.iwg-bonn.de, hlt die neue Gesundheitsreform fr ein solches Fabelwesen. berraschen drfe dies niemanden, denn die beiden Partner der groen Koalition htten versucht, „zwei letztlich unvereinbare Konzepte“ miteinander zu verbinden. „Dass auf diese Weise ein gehrntes Kaninchen, ein Wolpertinger, entstehen musste, interessiert demgegenber wenig“, so Miegel. Die Bevlkerung drfe sich aber nicht mit dem Motto „Nach der Reform ist vor der Reform“ abspeisen lassen. Der ehemalige Biedenkopf-Vertraute macht sich seine Gedanken darber, wie eine wirkliche Gesundheitsreform aussehen knnte. Zunchst hlt er fest, dass immer mehr Geld nicht unbedingt zu mehr Gesundheit fhrt. So lgen die Gesundheitsausgaben der Japaner, Italiener oder Spanier pro Kopf der Bevlkerung bei nur etwa zwei Drittel dessen, was in Deutschland ausgegeben werde. Trotzdem erreichten sie ein hheres Alter bei besserer Gesundheit als die Deutschen. Umgekehrt gben die US-Amerikaner annhernd doppelt so viel aus wie die Deutschen und htten dennoch eine geringere Lebenserwartung. Brger muss Verantwortung bernehmen – Kein Raubbau mehr an eigener Gesundheit Auerdem ist Miegel der Ansicht, das deutsche Gesundheitssystem leide nicht unter einem Mangel an Effizienz. Im Gegenteil: Es sei eines der effizientesten der Welt – allerdings werde es auch mit den hchsten Ansprchen konfrontiert: „Medizinischer Fortschritt fr alle, keine Wartezeiten, hchstwertige Medikamente, bestmgliche Pflege – und das alles bei einer altersbedingt immer morbideren Bevlkerung. Mit elf Prozent des BIP ist das nicht zu bezahlen.“ Wenn die Deutschen mehr Geld fr ihre Gesundheit ausgeben wollten, mssten sie sich zugleich mit kleineren Wohnungen, weniger luxurisen Autos und weniger Urlaub begngen. Miegel empfiehlt jedoch einen anderen Weg. Wenn die Brger mehr Verantwortung fr ihre eigene Gesundheit bernhmen und persnliche Lebensrisiken minimierten, msste nicht mehr Geld ins System geschossen werden. Allerdings liege es am Brger und nicht am Staat, ob er Raubbau an seiner Gesundheit treiben wolle. Fr ein „Ende der Illusionen“ spricht sich Frank Neuhaus, Leiter der Unternehmenskommunikation der DKV Deutsche Krankenversicherung AG www.dkv.de, aus. „Das deutsche Gesundheitssystem kostet jhrlich mehr als 240 Milliarden Euro und ist damit das drittteuerste der Welt“, erlutert Neuhaus. Nur die USA und die Schweiz gben pro Kopf mehr Geld fr Gesundheit aus. In dem von der WHO jedes Jahr verffentlichten Vergleich nationaler Gesundheitssysteme habe Deutschland im Jahr 2005 Platz drei bei den Kosten, aber nur Platz 25 in Sachen Zufriedenheit und Effizienz des Gesundheitssystems eingenommen. Der demographische Wandel fhre ein umlagefinanziertes Krankenversicherungssystem ad absurdum. Dies sei nicht mehr tragfhig fr die Zukunft: „ber 17 Prozent der Deutschen sind lter als 65 Jahre. Diese Gruppe verursacht ber 40 Prozent aller Gesundheitskosten. 2050 wird es rund zehn Millionen Alte mehr geben und – das wei man schon jetzt – rund 16 Millionen Junge weniger.“ Auerdem sthnten viele rzte in Deutschland ber einen immer grer werdenden brokratischen Aufwand, sinkende Einkommen, intransparente Bezahlungssysteme und demotivierende Arbeitsbedingungen. Ordnungspolitik statt berregulierung Neuhaus hlt nichts davon, immer mehr Geld in das bestehende System zu pumpen. Nach Jahrzehnten der berregulierung sollte sich die Politik seiner Meinung nach auf die Bereitstellung von Ordnungsregeln konzentrieren, die das Gesundheitssystem zukunftsfhig machen. „Ordnungspolitisch sinnvoll und gleichzeitig gerecht ist die Trennung von Versicherungsaufgaben und gesellschaftspolitischer Umverteilung. Fr die Umverteilung gibt es das Steuertransfersystem. Fr die soziale Absicherung gibt es Versicherungen“, so der DKV-Kommunikationschef. Denn nicht nur Experten, auch der „gesunde Menschenverstand“ sagt: Je lnger man damit wartet, die Krankenversicherung schrittweise auf mehr Kapitaldeckung umzustellen, desto teurer wird es. Wie ein derartiger schrittweiser Umstieg realisiert werden kann, dazu haben die privaten Krankenversicherer (PKV) konkrete Vorschlge gemacht: So hat die PKV beispielsweise angeboten, jeden freiwillig gesetzlich Krankenversicherten ohne Risikoprfung in einen Basistarif zu bernehmen und gleichzeitig die Politik aufgefordert, die Versicherungspflichtgrenze abzusenken, um mehr Menschen die Mglichkeit zu geben, selber fr die steigenden Gesundheitskosten im Alter vorzusorgen. Mehr Kostentransparenz fhrt zu mehr Kostendisziplin „Mehr Kostentransparenz fhrt zu mehr Kostendisziplin“: Davon ist Neuhaus berzeugt. Denn im Gegensatz zu einem Privatpatienten wisse kein Kassenpatient, was seine Behandlung kostet. Zur Erschlieung von Effizienzreserven mssten Krankenversicherer die Mglichkeit erhalten, Einzelvertrge mit Leistungserbringern abzuschlieen. Denn es sei nicht einzusehen, warum gegenwrtig rzte nach Quantitt und nicht nach Qualitt bezahlt werden. Die zur Zeit bei der ambulanten Versorgung geltenden Gebhrensysteme belohnten rzte, die mglichst viele Einzelfalleistungen erbrchten, die Qualitt spiele bis jetzt keine Rolle bei der Honorierung, obwohl durch eine effizientere Behandlung Kosten eingespart werden knnten und Patienten schneller wieder gesund wrden. „Was wir brauchen, ist ein Gesundheitssystem, in dem der Staat nicht alles bestimmt, sondern in der Eigeninitiative und Eigenverantwortung gefrdert werden“, resmiert Neuhaus. Die logischen Antworten auf die Frage „Was tun?“ knnten folgendermaen aussehen: Ein sukzessiver Einstieg in mehr kapitalgedeckte Krankenversicherungen sei ntig. Statt einer staatlichen „Einheitskasse“ msse es einen marktwirtschaftlich organisierten Preis-Leistungswettbewerb zwischen den Krankenversicherungsunternehmen geben. „Es bleibt dann immer noch genug Spielraum fr den steuerfinanzierten Staat, sich um diejenigen zu kmmern, die sich nicht mehr selber helfen knnen. Das sind aber nicht 90 Prozent der Bevlkerung, sondern zum Glck viel weniger“, wei Neuhaus. Politik entmndigt die Brger Der Gesundheitsexperte Michael Sander, Geschftsfhrer der TCP Terra Consulting Partners GmbH www.terraconsult.de in Lindau und Vorstandsmitglied des CareHelix Instituts fr Management und Dialog im Gesundheitswesen (CIM) www.carehelix-institut.de in Hamburg, ist ebenfalls der Meinung, dass an mehr Selbstverantwortung der Brger kein Weg vorbei fhre. „Fr die neue Volkskrankheit bergewicht sind die meistern der Erkrankten selbst verantwortlich“, sagt Sander. „Wer Schokolade statt pfel ist und Fuball schaut statt Sport zu treiben, der muss fr die Folgen dieser Entscheidungen auch die Konsequenzen tragen. Nur ein Gesundheitssystem, das auf diesem uerst simplen Zusammenhang in seiner Architektur aufbaut, wird langfristig stabil sein. Dann kann man auch mit den demographisch bedingten Mehrausgaben und mit sozialem Ausgleich zurecht kommen.“ Ohne das Anerkennen von Verursacherprinzip und Selbstverantwortung werde es kein funktionsfhiges und finanzierbares Gesundheitssystem geben. Schade sei nur, dass kein Politiker dies ffentlich fordern werde, denn das hiee, die eigenen Whler in die Pflicht zu nehmen: „Insofern entmndigt die Politik am Beispiel des Umgangs mit der Gesundheitsreform ihre Brger.“
DRUCKEN| VERSENDEN | RSS-FEED |
SOCIAL WEB
PRESSEFACH
NeueNachricht
Ettighofferstr. 26a
53123 Bonn
zum Pressefach
Anzeige
PRESSEARCHIV
Anzeige
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG