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Boxenstop im Future Hospital: Der Patient schaut nur kurz vorbei - Gesundheit als Hightech-Markt

(PM) , 08.09.2006 - Von Gunnar Sohn Kelkheim/Dsseldorf - Die Gesundheitsbranche ist mit rund 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und etwa vier Millionen Arbeitspltzen einer der grten Wirtschaftszweige Deutschlands. "Rund eine Million der Health-Care-Dienstleistungen werden in Krankenhusern erbracht und erwirtschaften dort einen Jahresumsatz von knapp 65 Milliarden Euro. Die Dienstleister in den Krankenhusern bekommen im Laufe ihres Arbeitslebens die gesamte Republik zu sehen, denn frher oder spter landen wir alle einmal im Krankenhaus. Und fr Klinikbehandlungen geht der Lwenanteil des Gesundheitsbudgets drauf: Im Jahre 2005 waren es rund 34 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen", berichtet das Zukunftsinstitut www.zukunftsinstitut.de von Matthias Horx in der neuen Studie "Gesundheitstrends 2010". Das Konzept Krankenhaus sei in die Jahre gekommen. Das groe Sterben raffte in den vergangenen Jahren vor allem ineffiziente und veraltete Huser dahin, deren Niedergang auf der Internetseite www.kliniksterben.de dokumentiert ist. Laut Analyse der Dresdner Bank www.dresdner-bank.de ist die Insolvenzquote im Gesundheitswesen deutlich hher als in anderen Branchen. Drei von zehn ffentlichen Krankenhusern sind seit 1991 geschlossen worden. In den nchsten zehn Jahren wird laut Gesundheitsexperten von Ernst & Young www.ey.com jede vierte Klinik aufgeben mssen. Die erste Welle der Strukturvernderungen ging von privaten Klinik-Betreibern aus, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu stattlicher Gre heranwuchsen. 2004 waren von den rund 2.160 Krankenhusern in Deutschland 36 Prozent in ffentlicher Hand, 38 Prozent freigemeinntzig und 26 Prozent gehrten einem privaten Trger. Auch vor den Bastionen der Forschung, den Universittskliniken, macht die Privatisierungswelle nicht Halt. Zu Beginn des Jahres 2006 bernahm die private Klinikgesellschaft Rhn-Klinikum AG das Universittsklinikum Gieen nach seiner Fusion mit der Uniklinik Marburg. Ernst & Young schtzt, dass in den nchsten Jahren die Zahl der ffentlich-rechtlichen Krankenhuser um 70 Prozent sinken wird, die der privaten Kliniken dagegen um rund 40 Prozent steigen. Die privaten Betreiber prften ihre Huser von Beginn an auf Wirtschaftlichkeit. Waren sie am Anfang noch heftiger Kritik ausgesetzt, sind die Privaten inzwischen zum Vorreiter fr die Modernisierung des Gesundheitswesens geworden. Katalysator der Entwicklung ist die neue Finanzierungsform. Seit dem 1. Januar 2004 werden die Kliniken nicht mehr wie bisher nach der so genannten Verweildauer bezahlt, das heit nach der Anzahl der Tage, die der Patient im Krankenhaus zubringt. Berechnungsgrundlage sind nun die DRGs, die so genannten Diagnosis Related Groups: Die Bezahlung erfolgt nach Art der Erkrankung des Patienten. Frher verdienten die Krankenhuser mehr Geld, wenn sie ihre Patienten mglichst lange im Haus hielten. Heute profitieren sie, wenn sie ihre Patienten mglichst schnell "durchschleusen". Deshalb wird die durchschnittliche Verweildauer von derzeit knapp neun Tagen laut Ernst & Young in zehn Jahren auf rund vier Tage sinken. Nach Prognosen des Zukunftsinstituts beschleunige dieses Szenario den Wandel der Gesundheitsbranche. "Der Patient der Zukunft schaut im Krankenhaus nur ganz kurz einmal vorbei. Diagnose und Voruntersuchung hat er bereits hinter sich, alle Ergebnisse sind in seiner elektronischen Patientenakte gespeichert. Kurz vor der Operation steht er am Klinikportal und weist sich mit seiner Gesundheitskarte aus. Man drckt ihm ein Klinik-Handy in die Hand, das ihn ber smtliche Termine informiert. So ist er rechtzeitig und ohne Wartezeit beim behandelnden Arzt. Der Arzt ruft mit einem Klick alle Daten auf seinem Tablet-PC ab. Er operiert in einem Hightech-Operationssaal, den niedergelassene rzte und Klinikrzte im Zwei-Schichten-System voll auslasten. Nach dem Eingriff verschwindet der Patient wieder nach Hause. Dort betreut ihn ein mobiler Health-Care-Dienst, telemedizinische Kontrollgerte messen automatisch alle Lebensuerungen und speisen sie per Handy online in die elektronische Patientenakte. Eine Webcam behlt den Patienten Tag und Nacht im Auge, falls eine unvorhergesehene Krise auftritt". Auch wenn das Krankenhaus der Zukunft noch in weiter Ferne sei, komme der Gesundheitssektor nach Analysen des ITK-Dienstleisters NextiraOne an einer Technologieoffensive nicht vorbei. "Alle Akteure haben das erkannt. Das belegt schon alleine die wachsende Bedeutung der Fachveranstaltung Medica Media whrend der Messe Medica www.medica.de in Dsseldorf, die in diesem Jahr vom 15. bis 18. November stattfindet. Medizinische Informationssysteme und Telemedizin sind unverzichtbare Bausteine, um mit dem wachsenden Kostendruck bei der medizinischen Versorgung fertig zu werden. Der Informations- und Datenaustausch im Gesundheitswesen verluft noch immer recht unstrukturiert: Interne Ablufe ebenso wie die zwischen Praxen und Kliniken erfolgen meist ohne klar definierte Spielregeln - was Kosten wie Arbeitsaufwand in die Hhe treibe", wei Axel Schnell, Service Director und Geschftsfhrungsmitglied von Nextiraone Deutschland www.nextiraone.de. IBM setze nach Erkenntnissen des Zukunftsinstituts bereits auf das Zeitalter des selbstbestimmten Medizinkunden und befasse sich mit mobilem Patienten-Monitoring. "Mit Hilfe von technologischen Innovationen knnen vor allem Herzkranke sowie Asthma- und Diabetespatienten ortsunabhngig berwacht werden, um auf diese Weise teure stationre Behandlungen zu vermeiden", schreibt das Zukunftsinstitut. Damit der Hightech-Markt wirklich Fahrt aufnehmen knne, mssten die Technologieanbieter die Besonderheiten des deutschen Gesundheitsmarktes besser analysieren. Denn es gehe nicht nur um Software- und Hardware, sondern auch um medizinische Kompetenz.
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