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Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein GmbH
Pressemitteilung

Mit TSSE in der Pflege durchstarten

(PM) Kiel, 19.07.2010 - Fr einen Dienstagvormittag ist es erstaunlich ruhig auf der Station 64 im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumnster. „Im Moment ist gerade Visite“, erklrt Klaus-Dieter Hinrichsen. Zeit fr ihn, kurz durchzuatmen und einen Kaffee zu trinken. „Aber glauben Sie mir, das ist nicht immer so“, bemerkt er zwischen zwei Schlucken. Kompetent und gelassen berichtet Hinrichsen von seiner Arbeit, obwohl er erst seit wenigen Monaten auf der psychiatrischen Station beschftigt ist. Er zeigt auf den modernen Neubau gegenber, in den sie bald umziehen werden, und sagt stolz: „Hier zu arbeiten ist schon mehr als nur ein Job fr mich.“

Zur Pflege gekommen ist Hinrichsen ber Umwege. Der gebrtige Kieler arbeitet in einem Sanitrgrohandel, bis er 2005 arbeitslos wird. Ganz bewusst entscheidet er sich dann, die Branche zu wechseln: „Ich hatte vorher nie mit der Pflege zu tun. Aber ich wollte in diesem Bereich neu starten, weil ich wusste, hier werden Arbeitskrfte gebraucht,“ erklrt er. Um sich das ntige Wissen anzueignen, besucht er einen Pflegehelferkurs und macht ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung. Zwei Jahre kann er dort in einem Minijob arbeiten, geht mit den Patienten am See spazieren, liest ihnen aus der Zeitung vor und spielt mit ihnen „Mensch rgere dich nicht“.

In Deutschland sind rund 2,3 Millionen Menschen pflegebedrftig, jeder Dritte von ihnen lebt in einer entsprechenden Einrichtung. Dort sollen sie nicht einfach nur schlafen, essen und medizinisch betreut werden, sondern sich auch sinnvoll beschftigen, einen normalen Alltag haben. Seit 2008 stehen deshalb zustzliche Mittel fr die Betreuung zur Verfgung, von denen Betreuungskrfte nach 87b SGB XI eingestellt werden knnen. Sie begleiten die Pflegebedrftigen im Alltag, haben Zeit fr Gesprche und geben ihnen Sicherheit und Orientierung. Die entsprechende Qualifikation dafr ermglicht unter anderem das Projekt Trainingscenter Senioren Service Express (kurz: TSSE) der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Hier lernen die Teilnehmer alles rund um den Umgang und die Beschftigung mit lteren Menschen.

Als Hinrichsen sich 2008 erneut auf Jobsuche begeben muss, hrt er von TSSE. Er entscheidet sich, es noch einmal in der Pflege zu versuchen und nimmt ab Mrz 2009 am Projekt teil. In Rendsburg stehen fr ihn fnf Monate lang Grundkenntnissen aus der Pflege, ein Erste-Hilfe-Kurs, Hauswirtschaft sowie seniorengerechte Ernhrung auf dem Programm.

Whrend des Trainings wird Birgit Schmidt, eine freie Dozentin, die hauptberuflich am Friedrich-Ebert-Krankenhaus arbeitet, auf ihn aufmerksam. Sie fragt, ob er sich nicht vorstellen knnte, in der Klinik anzufangen. Nur fnf Tage nach dem Bewerbungsgesprch kann Hinrichsen den Vertrag fr eine befristetet Stelle unterschreiben. „Ich musste keine Bewerbung verschicken, sondern wurde direkt abgeworben“, lacht der heute 54-jhrige. Aber er war nicht einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern hat die Dozentin mit Engagement und Ehrgeiz berzeugt. Projektleiter Bjrn Geertz von der Wirtschaftsakademie erinnert sich: „Er fiel in der Gruppe positiv auf und hat so auch die anderen Teilnehmer immer wieder angespornt.“

Seit August 2009 arbeitet der Wahl-Owschlager jetzt auf der psychiatrischer Station des Krankenhauses. Es ist kein einfaches Umfeld, denn Patienten die hier betreut werden, leiden hufig unter Drogen- oder Alkoholproblemen. Hinrichsen kommt mit seiner ruhigen aber bestimmten Art gut bei ihnen an. „In meinem Job ist Menschenkenntnis gefragt, aber die Chemie muss auch stimmen,“ erklrt er. Da er keine umfassende medizinische Ausbildung hat, fallen dem ehemaligen Verkufer die Fachbegriffe anfangs schwer. Mit einem medizinischen Wrterbuch, der Hilfe seiner Kollegen und viel Ehrgeiz erarbeitet er sich fehlendes Wissen: „Mich interessiert einfach alles rund um die Betreuung und Pflege, deshalb setze ich mich dann auch mit den Themen auseinander und frage, wenn ich etwas nicht verstehe,“ so Hinrichsen. Aber er fragt nicht nur bei der Theorie nach, sondern versucht auch praktisch zu erfahren, wie sich die pflegebedrftigen Patienten fhlen: „Whrend eines TSSE-Seminars habe ich mich einmal fixieren lassen, so dass ich mich im Bett nicht mehr bewegen konnte. Das war zwar nicht sonderlich angenehm, aber eine wichtige Erfahrung.“

Qualifizierte Pfleger und Betreuer werden auch weiterhin gebraucht, denn in den nchsten zehn Jahren wird sich die Zahl der Pflegebedrftigen voraussichtlich verdoppeln, wie die derzeitigen Prognosen zeigen. Eine entsprechende Weiterbildung zu Betreuungskrften wie durch das Projekt TSSE bietet insbesondere Arbeitsuchenden eine neue Perspektive und ermglicht ihnen so den Weg zurck in den Job. Auch Hinrichsen muss sich um seine berufliche Zukunft inzwischen keine Sorgen mehr machen. Mit den Worten „So schnell lassen wir dich nicht wieder gehen!“ wurde ihm am Friedrich-Ebert-Krankenhaus ein unbefristeter Vertrag angeboten.
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