VOLLTEXTSUCHE
Pressearchiv
Bley und Schwarzmann AG - VordenkerMedien
Pressemitteilung

Vollgas oder Bremsmanöver: Die Kräfte der Krise nutzen

(PM) , 19.11.2008 - von Vordenker Oliver W. Schwarzmann

Die Finanzkrise hat uns fest im Griff. Seit dem Platzen der US-Immobilienblase und der darauf folgenden Bankenpleite fahren die Aktienkurse Achterbahn. Neben der Kritik an der Gier und dem Ruf nach Regulierung geht die Angst um, dass die Krise auf die Realwirtschaft durchschlagen knnte.
Wird sie das tun?
Meine Antwort: Sie hat es schon. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Als erstes nutzt die Automobilindustrie die Gelegenheit, eine Produktionspause einzulegen, um ihre schon seit Lngerem aufgestauten Lagerkapazitten nicht noch weiter zu belasten.
Doch ist die Finanzkrise das eigentliche Problem des Automobilmarktes? Nein. Eine falsche Modell- und Vermarktungspolitik sei hier als Ursache benannt. Es war bereits in Vergangenheit abzusehen, dass die hohe Motorisierungsquote hierzulande in eine totale Marktsttigung fhrt. Abgesehen von der allseits bekannten Energieproblematik und der Unsicherheit des kologischen Fortgangs der Branche inklusive daraus resultierender, steuerlicher Konsequenzen fr Anbieter und Kunden. Hinzu kommt ein mrderischer Preiskampf – ein weiteres Zeichen fr ein schwchelnden Markt. Und Rabatte sind zudem kein Indiz fr zukunftsweisende, innovative Qualitt, sondern offenbaren sich als Signum fr die herrschende Vermarktungs-Ohnmacht auf Basis mangelnder Ideen. Krisen sind eben auch Vergrerungsglser, die einen verschlafenen Strukturwandel oder monotone Vertriebsstrategien entlarven und bis zur Schmerzgrenze vergrern. Und sie zeigen auch das Fehlen von neuen Perspektiven – die eigentliche Ursache fr Unsicherheit.
Freilich, das alles geht zu Lasten der Automobilzulieferer, ob von Zndkerzen oder von Anzeigenkampagnen. An sich sind diese Betriebe recht innovativ, sofern man sie lsst und nicht mit berladenen Rationalisierungszwngen belegt. Aber auch diese Firmen sollten sich fragen, ob eine zu spezialisierte Fokussierung in einer sich schnell verndernden Welt noch uptodate ist.

Wie steht es nun aber um die Banken? Sie werden sich in Zukunft die Gunst ihrer Anlagekunden in einer Weise verdienen mssen, wie sie es noch nicht gekannt haben. Glaubwrdigkeit und Vertrauen sind in einem uerst schwierigen Umfeld neu herzustellen. Der Nimbus des kompetenten Bankers ist vorerst dahin, das Image des serisen Kapitalhters zerstrt. Das werden nicht nur die Banken, sondern alle Finanzdienstleister spren – sie werden mehr denn je in ihre Vermarktungsfhigkeiten investieren mssen.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat Recht, wenn er nicht unter den staatlichen Rettungsschirm springen will – eine solche Aktion hinterlsst in der Welt der Hochfinanz einen Makel. Diese Mrkte ticken eben so, das muss man wissen. Die Regierung htte also gut daran getan, alle Banken in irgendeiner Form an der Aktion zu beteiligen. Eine Zwei-Klassen-Finanzlandschaft wre eine Spaltung der Branche und wrde berdies den ohnehin angeschlagenen Banken vollends den Garaus machen.
Wre letzteres aber wirklich so dramatisch? Ich habe noch die Klage vieler Experten im Ohr, die vor Jahren ertnte und uns darauf aufmerksam machte, wir seien „overbanked“.

Es gibt aber nicht nur Verlierer, sondern auch Sieger in einer Krise. Allen voran ist hier die Bundesregierung zu nennen. Mit dem Finanzfiasko lutete sie ihren groen Auftritt ein. Finanzminister Peer Steinbrck (SPD) blht als Krisenmanager geradezu auf, endlich kommt dem Staat, Pardon – der Regierung, die ntige Aufmerksamkeit zu. Die Fhrungsriege zeigt sich stark und einig und gibt sich weltmnnisch, nchstes Highlight auf der Agenda: der globale Finanzmarktgipfel.
So sind sie eben, die Krisen – was fr die einen Image-Auftrieb heit, bedeutet fr die anderen ein PR-Desaster.
Deshalb wird jetzt aus dem Vollen geschpft: Konjunkturprogramme sind ja an sich keine schlechte Idee, wenn sie denn mehr Netto in den Geldbeutel bringen und in den Ausbau notwendiger Infrastruktur flieen und dabei beispielsweise das erfolgreiche Modell der Private-Public-Partnerships strken. Billige Kredite und Subventionen in gesttigte Mrkte zu pumpen, ist allerdings vergebliche Liebesmhe. Es kommt letztlich nur zu erneuten Verzerrungen.

Weitere Gewinner dieser Krise sind Unternehmer, die einen khlen Kopf bewahren, geschickt investieren, mutig neue Innovationen angehen und ihre Marktstellung ausbauen. Nie ist der Markt hellhriger und aufnahmefhiger, als in der Krise. Was paradox klingt, lsst sich belegen – die grten Firmen der Welt wurden meist zu Krisenzeiten gegrndet.
Tja, in der Krise kommt es eben auf Kreativitt an.
Ebenfalls zu den Gewinnern zhle ich Spekulanten, die frher oder spter auf Shoppingtour gehen werden. Auch die Medien profitieren – bad news sind eben good news.
Und nicht zuletzt knnte der Konsument als absoluter Sieger aus dieser Krise hervorgehen, wenn er denn weiterhin unbekmmert einkauft. Damit macht er Umsatz, splt Geld in die Kassen und zeigt den ngstlich gewordenen Managern, was antizyklisches Verhalten bedeutet.

Ein wenig Sorgen mache ich mir allerdings schon – und zwar um Mittelstand und Kleinbetriebe. Sie stehen am Ende der Nahrungs- bzw. Umsatzkette, setzen ihre volle Zeit, dazu eigenes Geld und persnliches Risiko oftmals noch Familienmitglieder ein, um die Geschfte am Laufen zu halten. Sie verdienen keine Millionen, gehen bei Fehlern schnell Pleite und mssen dann die Zeche alleine bezahlen. Fr diese Unternehmensgattung wird es schwierig, an neue Auftrge und Kredite zu kommen. Sie kriegen auch keine direkte Hilfe vom Staat – sie sind zwar Arbeitsplatzbeschaffer und Steuerzahler, aber eben nicht „systemrelevant“.
Ihre Chance ist ihr eigenes Engagement.

Insgesamt sehe ich positive Ergebnisse, die aus der Krise hervorzutreten vermgen – neue Vermarktungsfhigkeiten, wirklich innovative Produkte, mehr Servicebereitschaft, weniger Arroganz und ein greres Zukunftsvertrauen. Inklusive einem marktseitigen wie unternehmerischen Werte- und Kulturwandel in Richtung Ethik und kologie wren das doch wahre Schtze, gehoben aus der Tiefe der Krise. Kommen aber Schuldzuweisungen, Misstrauen, Regulierungen und Subventionen ans Tageslicht, bahnt sich die nchste Krise an.

Was ist Wirtschaft?
Wirtschaft ist der permanente Versuch, unsere Trume und die anderer zu verwirklichen.
Oder etwa nicht?
Stellen wir doch einmal unsere mentalen Krfte ber die konomischen Mechanismen – das Resultat wrde uns sicherlich berraschen.
Menschen und Kapital haben nmlich eines gemeinsam: Beide folgen Visionen.
Zeit, welche zu entwickeln.

Publikationen zum Thema finden Sie im Internet unter
www.vordenker-welt.de

Vortrge / Meetings zum Thema finden Sie im Internet unter
www.vordenker-welt.de
DRUCKEN| VERSENDEN | RSS-FEED |
SOCIAL WEB
PRESSEFACH
Bley und Schwarzmann AG - VordenkerMedien
Im Raisger 29
71336 Waiblingen
zum Pressefach
Anzeige
PRESSEARCHIV
Anzeige
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG