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Walderhaltung durch Pflanzenschutz: Hilferuf ist bei Politik angekommen

Rund 150 Waldbesitzer demonstrierten lautstark, um einen Hilferuf an die Politik zu richten. Der Hintergrund: Die behördliche Blockade des Pflanzenschutzes öffnet der Waldvernichtung durch Schadinsekten im Zuge des Klimawandels Tür und Tor.
(PM) Magdeburg, 19.09.2014 - Mit einem pragmatischen Forderungskatalog der Waldbesitzer und der grundstzlichen Bereitschaft zur Soforthilfe auf Seiten der Politik endete die Protestveranstaltung „Walderhaltung durch Pflanzenschutz“ am 17. September in Gardelegen (Sachsen-Anhalt). Die acht Punkte, die Franz Prinz zu Salm-Salm als Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt zur Abwendung einer Schdlingskatastrophe in den Kiefern- und Eichenwldern Deutschlands dringend anmahnte, wurden von etwa 150 Waldbauern, Vertretern weiterer Landesverbnde sowie vom Dachverband AGDW – Die Waldeigentmer entschlossen unterstrichen.

Im Kern geht es um drei Hauptforderungen:

1. Die Zustndigkeit fr die Fragen von Forstschutz durch Pflanzenschutz und insbesondere fr den Einsatz von Luftfahrzeugen ist zum Jahreswechsel auf die Bundeslnder zu bertragen. Diese entscheiden zuknftig auf der Basis der Gutachten der zustndigen, sach- und ortskundigen Forstfachbehrde.

2. Der Einsatz effektiver Mittel zum Pflanzenschutz im Wald muss auch knftig regulr mit Bodengerten und Luftfahrzeugen mglich sein, um akut gefhrdete Wlder vor dem Absterben zu retten. Dazu mssen die geeigneten biologischen und chemischen Mittel und Verfahren grundstzlich sichergestellt und zeitnah genehmigt werden.

3. Realittsferne Auflagen jenseits von EU-Regelungen, wie die Beschrnkung des Pflanzenschutzes auf hchstens 50 Prozent eines von Schadinsekten und/oder Pilzen befallenen Waldgebietes, darf es nicht lnger geben. Eine sachlich ignorante, fachlich unbegrndete und teilweise rechtsmissbruchliche Blockadehaltung von Bundesbehrden muss berwunden werden.

Seine Solidaritt mit den vom Wald lebenden Familien bekundete Dr. Hermann Onko Aeikens, Landwirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt: „Wir knnen es nicht zulassen, dass unser Wald von diesen Schdlingen kahl gemacht wird.“ Er begrte den „konstruktiven Vorschlag“, Kompetenzen von der Bundesebene, wo Entscheidungstrger nicht immer die notwendige fachliche Gesamtschau besen, auf die Landesebene und Behrden vor Ort zu verlagern.

Fr die manches Mal fachfremde Sicht namentlich des Umweltbundesamtes (UBA) fhrte Dr. Ralf Petercord, Leiter der Sektion Waldschutz im Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten, konkrete Beispiele an. Er verurteilte auerdem die Art und Weise, wie Naturschutzverbnde aus dem Thema Pflanzenschutz Kapital schlgen, etwa indem sie PR-Fotos mit Kindern whrend der Giftausbringung initiieren. An die Forstleute adressierte er den Vorwurf, lange Zeit viel zu wenig ber das Problem aufgeklrt zu haben.

Petra Crone, forstpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagte: „Wir brauchen eine Vielfalt an Pflanzenschutzmitteln, um auch im Wald Ertrge zu sichern und die Vielfalt von Flora und Fauna zu garantieren.“ Angesichts des Klimawandels und der Bedrohung durch invasive Arten rief sie die Industrie dazu auf, „mehr fr den Forstbereich zu tun“ und entsprechend mehr zu forschen, zu entwickeln und anzubieten.

Alois Gerig, Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss fr Ernhrung und Landwirtschaft und Berichterstatter fr Wald und Forstwirtschaft, sprach sich fr praktikable Regelungen aus und fr ein Ende des „Behrden-Hickhacks“: „In den betroffenen Waldgebieten wird auf dramatische Weise deutlich, dass die Nicht-Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu greren Schden fhren kann als ihre Anwendung.“

Fr die Linksfraktion stellte Katrin Kunert fest, dass man sich „in Bezug auf den Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren immer wieder fr eine praxisnahe Zulassung und Applikation unterschiedlicher Wirkstoffe eingesetzt“ habe. Sie mutmate, dass die politischen Positionen „in der Sache nicht weit auseinanderliegen und deshalb zeitig etwas gehen muss“.

Alle drei Mitglieder des Bundestages befrworteten schnellstmgliche Runde-Tisch-Gesprche. „Je eher desto besser“, unterstrich Ministerialdirigent Dr. Axel Heider vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). Sein Haus habe angesichts des Unmuts der Betroffenen, der unbefriedigenden 50-Prozent-Auflage und der Dimension eines „entschdigungspflichtigen enteignungsgleichen Eingriffs“ (Art. 14, Abs. 3 Grundgesetz) bereits Projektmittel fr koordinierende Manahmen reserviert und verfolge das Problem nun mit Nachdruck, um mit der Einrichtung einer Koordinierungsstelle noch 2014 zu handfesten Lsungen zu kommen.
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