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Fachartikel, 28.03.2007
Unternehmensstrategie
Der Standort und seine Bedeutung
Ob Existenzgründung, Betriebsverlagerung oder Expansion – nicht selten entscheidet der Standort über den Misserfolg oder Erfolg eines Unternehmens. Aus diesem Grund sollte Standortentscheidungen immer eine gründliche Analyse vorausgehen.
Es ist eine Wahl, die viele Unternehmer nur einmal in ihrem Leben – bei der Grndung – treffen. Manche treffen sie auch gar nicht, weil sie als Erben entweder mit dem Firmensitz mehr oder weniger zufrieden sind, sich dort wohl oder ihren Mitarbeitern und ihrer Heimat verpflichtet fhlen. Die Standortentscheidung ist eine strategische Weichenstellung, deren Auswirkung auf den Unternehmenserfolg nicht zu unterschtzen ist.

Das gilt nicht nur fr Unternehmen, die im gnadenlosen, globalen Kosten- und Leistungswettbewerb stehen, sondern auch fr Handels- und Dienstleistungsfirmen mit lokalem oder regionalem Absatzmarkt. Hier hat die rtliche Standortqualitt, etwa die Lage des Ladenlokals, entscheidenden Einfluss auf die Absatzchancen. Eine falsche Standortentscheidung kann teuer werden, weil sie aus vertragsrechtlichen oder finanziellen Grnden hufig nur schwer zu revidieren ist.

Eine unbedachte Standortwahl kann die Existenz bedrohen. Dennoch betreiben die wenigsten Grnder eine systematische Standortanalyse, wie empirische Untersuchungen zeigen. Die meisten bercksichtigen sogar nur einen einzigen Standortfaktor. Zudem spielen persnliche Faktoren wie familire Bindung oder Heimatverbundenheit oft eine grere Rolle als wirtschaftliche Kriterien. Viele Grnder whlen den Standort eher aus dem Bauch oder nach vermeintlich gnstigen Gelegenheiten aus, zum Beispiel bei der Anmietung von Geschftsrumen.

Allerdings sind auch gestandene Unternehmer beim Aufbau neuer Standorte oder Betriebsverlagerungen nicht vor Fehlentscheidungen gefeit. Oft folgen sie einem Herdentrieb, der durch das Vorbild groer Konzerne und das ffentliche Meinungsklima entsteht, ohne genau zu analysieren, ob ein neuer Standort wirklich den individuellen Anforderungen ihres Unternehmens entspricht. Bei einem Fertigungsbetrieb zum Beispiel sind niedrige Lohn- und Lohnnebenkosten nicht der einzige Faktor in der Wirtschaftlichkeitsrechnung. Wenn sie mit geringerer Produktivitt und Qualitt erkauft werden, wenn durch weite Entfernungen zu Abnehmern oder Zulieferern hhere Logistikkosten und Lieferprobleme entstehen, wenn der Koordinationsaufwand wchst – dann bleiben die erwarteten Rentabilittsgewinne auf dem Papier.

Auch bei der Steuerbelastung, fr deutsche Mittelstndler ein besonderes Reizthema, gilt es, genau hinzuschauen. Zum Beispiel frisst in manchen Lndern, die mit niedrigen Ertragssteuerstzen glnzen, ein strenges Verrechnungspreissystem samt den Kosten, die seine Einhaltung erfordert, den Vorteil wieder auf.

Nicht in der Kostenrechnung erfasst oder direkt daraus ablesbar, aber dennoch ein wichtiger Standortfaktor ist eine ausgebaute, passende Infrastruktur – von der Verkehrsanbindung bis zur Verfgbarkeit qualifizierter Arbeitskrfte. Immer wichtiger auch die so genannten weichen Standortfaktoren: Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Einkaufsmglichkeiten und Freizeitwert, Umwelt- und Lebensqualitt sowie das Image des Standortes. Diese Aspekte entscheiden darber, ob der Standort fr kompetente und hoch motivierte Nachwuchs- und Fhrungskrfte attraktiv ist.

Zu den weichen Standortfaktoren selbst zhlen die Wirtschaftsgeografen auch das Verhalten der ffentlichen Verwaltung gegenber der Wirtschaft. Wie brokratisch oder unternehmerfreundlich, wie schnell agieren Genehmigungsbehrden und Frderinstitutionen? Nicht zu vergessen das Finanzamt, obwohl es von den meisten Unternehmern wohl als unvermeidliches bel hingenommen wird.

Dennoch kann es einen gewaltigen Unterschied machen, welches Finanzamt fr den Steuerzahler zustndig ist. So hat eine Umfrage der Zeitschrift “Capital” bei Steuerberatern ergeben, dass die Steuererklrungen von Privatpersonen im Norden Deutschlands willkrlicher geprft werden. Eine hnliche Studie ber die Behandlung von Unternehmen, die unter anderem die Bereiche Betriebsprfung, Umsatzsteuer-Sonderprfung, Kapitalertrge und Steuerfahndung, aber auch den Umgang mit sumigen Steuerschuldnern erfasste, fhrte 2005 das Magazin “Impulse” durch. Danach sind vor allem die Finanzmter in den ostdeutschen Bundeslndern – allen voran Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thringen – im Durchschnitt weniger kompetent und wirtschaftsfeindlicher. Am besten schneiden Hamburg, Bayern und Baden-Wrttemberg ab.

Experten sprechen von einem klaren Standortnachteil fr ostdeutsche Unternehmen und damit schlechteren Chancen fr Neuansiedlungen, die Arbeitspltze schaffen. Dass ein Finanzamt – wie in Sachsen geschehen – Firmen, die in strukturschwachen Regionen um ihre Existenz kmpfen, weder Fristverlngerung noch Ratenzahlung gewhrt und sogar fr 50 oder 100 Euro Konten pfndet ist kaum nach zu vollziehen. Erst recht im Hinblick auf die damit verbundenen Konsequenzen, etwa fr die Bonittsbeurteilung der Kreditinstitute oder die Schufa-Eintragung.

Gleichwohl ist es nicht ratsam, nur wegen des Finanzamts gleich das Bundesland zu wechseln – nicht nur wegen der Kosten der Betriebsumsiedlung. Denn auch innerhalb der Bundeslnder gibt es erhebliche Unterschiede. Zum Beispiel findet sich unter den 20 strengsten Finanzmtern auch eines in Hamburg, unter den 20 pragmatischsten sind drei in Berlin, das insgesamt nur einen Mittelplatz belegt.

Fazit

Die Standortwahl ist eine weit reichende Entscheidung, die sorgfltige Analyse erfordert. Neben den wirtschaftlich entscheidenden Kriterien gewinnen vor allem fr die Personalbeschaffung weiche Faktoren, insbesondere die Lebensqualitt am Standort, an Bedeutung. Zunehmend in den Blickpunkt rckt auch die Unternehmensfreundlichkeit der Finanzmter.

Stand: 23.02.2007
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