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Fachartikel, 26.04.2010
Unternehmenskultur
Ein Umfeld für Spitzenleistung schaffen
Mit (lahmen) Enten, also Mitarbeitern, deren Leistungspotenzial und –willen stark zu wünschen übrig lässt, gewinnt ein Unternehmen keinen Blumentopf. Gleiches gilt für Spitzenkräfte (Adler), die nicht motiviert sind. Dennoch trifft man sie Unternehmen oft zuhauf. Die zentrale Frage heißt in diesen Fällen: Warum ist das so und wo gilt es im Unternehmen anzusetzen, um die Weichen auf Erfolg zu stellen?

Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer hat sich irgendwann einmal die Frage gestellt, warum die meisten Mitarbeiter so langsam, so unfhig, so unwillig oder so unaufmerksam sind. Das fhrt dann zu Aussagen wie: "Alles muss man selbst machen", "Ich hab’s doch 3 mal erklrt, aber die tun das einfach nicht" usw. usf.

Zu einem ganz wesentlichen Teil hngt dies an der Auswahl der Mitarbeiter. Aus einer Ente macht man keinen Adler. Und jeder Mensch entscheidet letztlich selbst, ob er Ente oder Adler ist (Victor Frankls Erkenntnis im KZ: "Die letzte aller menschlichen Freiheiten ist die, in jeder gegebenenen Situation seine Einstellung selbst zu whlen.") – da ist kein Vorgesetzter dran schuld. Und wenn man versucht, eine Ente zu motivieren, bekommt man keinen Adler, sondern eine motivierte Ente. Das heit, man kommt nicht umhin, aus den vorhandenen Menschen die 12-15 Prozent der Adler, die wir hier in Deutschland haben, herauszupicken.

Hat man nun die Adler herausgepickt, dann passiert es immer noch, dass dieser Adler zur Ente mutiert, nicht seine volle Leistung bringt oder Dinge anders macht, als ihm gesagt wird (wobei letzteres oft gar nicht so verkehrt ist...)

Die Ursache dafr liegt in einem entscheidenden Missverstndnis begrndet. Dem Missverstndnis, dass Handeln auf Rationalitt beruht, also letztlich auf Anweisungen, Zielen, Konzepten, Plnen oder Prozessen basiert. Wre dem so, dann knnten alle Raucher mit einem simplen Plan aufhren zu rauchen. Oder man knnte alle Computer-Freaks nach einer kurzen Einweisung in einem Callcenter arbeiten lassen (so schwer ist das ja nicht, ein paar Nummern zu whlen und seinen Spruch aufzusagen...)

Was im Bereich des Marketing vor allem durch die Arbeit von Hans-Georg Husel mittlerweile klar ist, nmlich, dass bei Kaufentscheidungen die Emotionen die entscheidende Rolle spielen, ist in Bezug auf Mitarbeiter noch keineswegs klar - und das eine, mir bekannte Buch (Neuroleadership: Erkenntnisse der Hirnforschung fr die Fhrung von Mitarbeitern), das Gehirnforschung und Fhrung zusammenbringt, erscheint mir eher als Rechtfertigung bestimmter Fhrungskonzepte denn als wirklich innovativ und zielfhrend).

Wenn ich nun von Mitarbeiter-Emotionen rede, dann rede ich nicht von Kuschelkurs oder davon, alle gleich zu behandeln oder hnlichem Enten-Ideologie-Schwachsinn. Die Fragen sind die:

  • Wie muss sich ein Adler fhlen, damit er sich im Sinne der Firma wie ein Adler verhlt?
  • Und: Was kann man als Unternehmen tun, damit sich die Adler genau so fhlen?

Dann kommen die richtigen Handlungen praktisch automatisch und allein. Die Beantwortung dieser Fragen hat nebenbei auch noch den Vorteil, dass sich die Enten zunehmend unwohl fhlen und sich nach einer Zeit heftigen Quakens einen neuen Ententeich suchen.

Die Beantwortung der Fragen ist natrlich Arbeit! Und zwar Arbeit, die man als Unternehmer nicht naturwchsig kann, weil sie einem niemand beigebracht hat. Nhern wir uns dieser Arbeit mal ganz praktisch.

Zu Enten und Adlern allgemein

Ein Adler unterscheidet sich von der Ente folgendermaen: Der Adler sucht eine Aufgabe und die sucht einen Arbeitsplatz. Klappt etwas nicht, sucht der Adler einen neuen Weg und die Ente einen neuen Schuldigen.

Nehmen wir nun in einem Gedankenexperiment verschiedene Emotionen, z.B. Sicherheit. Wer braucht Sicherheit: Der Adler oder die Ente? Die Ente! (Der Adler trgt die Sicherheit in sich). Also schaffen Sie alle unntigen Airbags ab und setzen wie Jack Welch jedes Jahr die schlechtesten 10 Prozent vor die Tr. Wer braucht herausfordernde Visionen: Der Adler oder die Ente? Der Adler! Also schaffen Sie solche und halten sie lebendig!

Wer will dauernd gekuschelt werden: Der Adler oder die Ente? Die Ente! Das ist angenehm, man hat alle Aufmerksamkeit und muss in der Zeit obendrein noch nicht mal was tun. Sagen Sie aber einem Adler, z.B. einem Goldmedaillengewinner bei der Olympiade mal, dass die Preisverleihung 3 Tage dauert. Sptestens am zweiten Tag will der wieder auf den Sportplatz und die ganze Kuschelprozedur hinter sich haben...

Wer will sich weiterentwickeln: Der Adler oder die Ente? Der Adler! Also schaffen Sie die Mglichkeit der Weiterentwicklung oder machen diese sogar verpflichtend. Wer will, dass die Bedrfnisse aller gleichermaen bercksichtigt werden: Der Adler oder die Ente? Die Ente! Also bercksichtigen Sie bei der Entwicklung Ihrer Firma vor allem die Bedrfnisse der Adler (und kommunizieren das auch!)

Das Schne an dieser allgemeinen Annherung ist, dass es so einfach geht (zumindest, wenn Sie das Entenquaken ignorieren). Fragen Sie einfach bei jeder Struktur und jedem Prozess, wer sich damit wohl fhlt. Zum Beispiel gibt es Firmen, bei denen die Mitarbeiter die halbe Woche auf Meetings sind (nicht die Manager, die sind dort 7 Tage auf Meetings...). Fhlen sich dabei die Enten oder die Adler wohl? Die Enten, weil sie dabei so schn quaken und die Adler von der Arbeit abhalten knnen. Also schaffen Sie das ab! (Wenn ein Adler eine Info braucht, dann findet er sie...)

Scheingefechte

Dann gibt es jedoch auch Fragen, die sich nicht so einfach beantworten lassen. Zum Beispiel: Wer will das Internet am Arbeitsplatz auch privat nutzen: Ente oder Adler? Die Antwort: Beide! Nur aus unterschiedlichen Grnden. Die Ente will sich die Zeit vertreiben, Kontakte mit Facebook-Freunden halten, den Urlaub buchen usw. Weil, wenn die Ente nach Hause geht, will sie ja schlielich ihre Freizeit genieen.

Beim Adler hingegen verschwimmt Beruf und Privatleben bis zu einem gewissen Grad. Wie es fr ihn selbstverstndlich ist, in seiner "Freizeit" auch etwas fr seinen Beruf zu tun, ist es umgekehrt selbstverstndlich, eben auch mal in der Arbeitszeit den Urlaub zu buchen. Summiert man die beiden Zeiten gegeneinander auf (was eigentlich ein eher problematisches Konzept ist, aber hier seine Dienste tut), dann wird ein Adler immer mehr in seiner Freizeit arbeiten als sich in seiner Arbeit um die Freizeit kmmern.

Regeln, die also eine private Nutzung des Internet am Arbeitsplatz verbieten, schrecken somit Enten und Adler gleichermaen ab. Mit anderen Worten sind solche Regeln nicht dazu geeignet, die Enten von den Adlern abzusondern und sollten deshalb gemieden werden. Vermeiden Sie diese energieraubenden Scheingefechte! Es gibt, wie oben ausgefhrt, viele andere Mglichkeiten der Trennung.

Das war die allgemeine Annherung. Gehen wir etwas ins Detail. Der Adler sucht eine Aufgabe. Die Aufgabe ist durch Weg und Ziel bestimmt. Somit bestimmen auch Weg und Ziel die Emotionen, die damit verbunden sind.

Das Ziel


Das Ziel einer Firma ist wiederum durch 2 ganz einfache Dinge bestimmt: Warum machen wir etwas und fr wen machen wir etwas? Beide Fragen haben etwas mit Grundmotiv, Vision und Strategie zu tun. Das heit, so lange Sie diese Fragen fr Ihr Unternehmen nicht beantwortet haben, knnen Sie berhaupt nicht heraus finden, wer der richtige Adler fr Sie ist.

Angenommen, Ihre Firma stellt Motoren her, einmal fr die Autoindustrie und einmal fr alternative Energiegewinnung. Fast dieselben Produkte, aber unterschiedliches Grundmotiv und unterschiedliche Zielgruppen. In beiden Fllen brauchen Sie hchst unterschiedliche Adler.

Die Grundvoraussetzung, dass sich ein Adler bei Ihnen wohlfhlt, ist, dass er sich mit Ihrem Motiv (ihrer Vision, ihrem Sinn) und Ihrer Zielgruppe identifizieren kann. Ein Hardseller, der am liebsten beinharte Einkufer unter den Tisch verhandelt, wird sich kaum wohlfhlen, wenn Ihre Kunden aus der Esoterik-Szene kommen.

Der Weg

Neben dem Ziel lst auch der Weg Emotionen aus. Dabei lassen sich die eher inneren Aspekte und die eher ueren Aspekte unterscheiden. Beginnen wir mit den inneren Aspekten und kommen noch mal zu dem Computer-Freak und dem Callcenter-Job zurck. Allgemein wird das als ein Problem der Fhigkeiten angesehen. Das halte ich fr falsch!

Es ist ein Problem der Identitt und des Selbstbilds. Ein Computer-Freak fhlt sich im Callcenter nicht unwohl, weil er es nicht kann (oft ist es ja sehr aufregend, etwas Neues zu lernen), sondern, weil er es nicht will. Im typischen Weltbild eines Programmierers schafft nmlich nur der produktive Mensch Werte und den Callcenter-Fuzzi braucht man halt notgedrungen; aber eigentlich ist die Arbeit minderwertig – und wer will schon minderwertige Arbeit machen?

Natrlich knnen Sie versuchen, dem etwas durch die Wertschtzung aller Arbeiten entgegen zu setzen, indem Sie eine entsprechende Kultur schaffen, aber nach meiner Erfahrung haben untersttzende Mechanismen (wie z.B. Rotation durch unterschiedliche Jobs) ihre klaren Grenzen. Sie mssten das Selbstbild der Menschen verndern und wenn ein Mensch sein Selbstbild nicht ndern will, knnen Sie machen, was Sie wollen...

Kommen wir jetzt zu den ueren Faktoren, die die Emotionen in Ihrem Unternehmen bestimmen. Das sind die gelebten Werte und die Storys, die im Unternehmen erzhlt werden – kurz die Kultur. Wenn’s Ihnen so geht wie mir, dann sind Sie beim Begriff "gelebte Werte" innerlich zusammen gezuckt, weil Sie das ganze Geschwafel darber nicht mehr hren knnen.

Das liegt an zwei Dingen. Einmal an den Inhalten. Meist werden Werte mit lieb, sozial etc. assoziiert. Das hat etwas mit unserem christlich-abendlndischen Background zu tun. Aber es gibt andere Wertekonzepte, wie im NLP oder in den neueren Neurowissenschaften, die keinerlei inhaltliche Vorgaben machen, welche Werte es denn nun sein sollen. Im NLP sind (im Gegensatz zu christlichen oder neueren neurowissenschaftlichen Wertekonzepten) die eigenen Werte frei whlbar und ich halte das fr absolut praktikabel und stichhaltig. So kann eine Person oder eine Firma durchaus auch die Werte Wettbewerb, Leistungsorientierung und Begeisterung als Werte fr sich festlegen und authentisch und werteorientiert sein, wenn sie sich danach verhlt.

Zum anderen geht es nicht darum, dass irgendwo an der Wand hngt, dass wir innovativ, kundenorientiert etc. sind. Es geht um die Antwort auf die Frage, wie man (mglichst automatisch und dauerhaft) dafr sorgen kann, dass sich alle wohl fhlen, wenn man kundenorientiert ist und wie man dafr sorgen kann, dass es sich schmerzhaft anfhlt, wenn man es nicht ist.

Das kann extrinsisch durch Systeme und Prozesse geschehen, z.B. indem der Kunde mit seiner Zufriedenheit auch die Hhe der Bezahlung an die Firma oder gar das individuelle Gehalt bestimmt. Oder das kann intrinsisch geschehen, indem man durch Storys im Unternehmen verankert, wie sich ein Adler verhlt und indem diese Storys von den Mitarbeitern angenommen und reproduziert werden.

Das Problem ist also oft nicht, dass keine Wertedeklaration herum hngen wrde. Das Problem ist, dass das nur ein Viertel der Arbeit ist. Die Fragen sind:

  • Was sind fr unser Grundmotiv, unsere Vision und unsere Zielgruppe die richtigen Werte?

  • Welche Reihenfolge sollten diese Werte haben?

  • Was genau meinen wir damit eigentlich? Oder anders: Welche Regeln oder Kriterien haben wir fr das Leben der Werte? Z.B. Kundenorientierung ist, wenn wir ... den Kunden von uns aus auf Probleme (und deren Lsung) hinweisen oder wenn wir auf Anfragen in der Zeit X reagieren oder wenn wir der Beziehungspflege einen hheren Wert beimessen als einem kurzfristigen Verkauf oder indem jeder Mitarbeiter mindestens X Stunden Kundenkontakt pro Monat hat etc. Erst wenn Sie solche Regeln oder Kriterien haben, knnen Sie berhaupt entscheiden, ob eine bestimmte Handlung jetzt an Ihren Werten ausgerichtet war oder nicht. Die Kriterien und Regeln holen die Werte aus dem Reich der Wolken ins Reich der Wirklichkeit.

  • Welche Mechanismen, Storys etc. werden installiert, um jede Handlung gem diesen Kriterien mit positiven und jedes Handeln entgegen diesen Kriterien mit negativen Emotionen zu verbinden. Dabei ist Ideelles oft viel effizienter als Materielles. Also Lob, Anerkennung, Feiern oder einfach das Weitererzhlen dieser neuen Geschichte, wenn jemand die Kriterien fr die Einhaltung dieses Werts erfllt oder gar bererfllt hat.

Nur durch die Schaffung solcher Mechanismen, die Emotionen erzeugen, sorgen Sie dafr, dass dauerhaft gem diesen Werten gelebt wird. Emotionen bestimmen schlielich - je nach Wissenschaftler zu 70-100 Prozent unser Handeln.

Wenn sich die Adler dann oft wohl fhlen knnen, ist das gut. Auch wenn das Ziel dieser ganzen Manahmen nicht ist, dass sich die Adler wohl fhlen. Das Ziel ist, dass die Mitarbeiter die Bedrfnisse der Kunden erfllen. Und das hngt nun einmal von den Emotionen der Mitarbeiter ab, ob und inwieweit sie diese Kundenbedrfnisse erfllen. Und das, was diese Emotionen wesentlich bestimmt und von Ihnen als Unternehmer gestaltbar ist, ist die Unternehmenskultur!

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ZUM AUTOR
ber Stefan Merath
Unternehmercoach GmbH
Stefan Merath leitet seit 1997 eigene Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitern. 2004 startete er dann zusätzlich seine Laufbahn als Coach und verkaufte schließlich sein Software-Unternehmen im Jahr 2007, um sich ganz dieser Berufung zu ...
Unternehmercoach GmbH
Tulpenbaumallee 51
79189 Bad Krozingen

+49-7633-809052-0
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