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News, 17.03.2006
Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2006
Umfrage Creditreform
Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die knapp 3.600 von Creditreform befragten Handwerksbetriebe deutlich besser als noch im letzten Jahr.
29,1 Prozent vergaben die Noten sehr gut und gut – im Frhjahr 2005 waren es lediglich 20,4 Prozent. Und nur noch 13,4 Prozent urteilen mit mangelhaft oder ungengend – das entspricht einem Rckgang um 6,6 Prozentpunkte. Der Saldo aus positiven und negativen Einschtzungen verbesserte sich damit von 0,4 Prozent im letzten Frhjahr auf aktuell 15,7 Prozent.

Auch die Umsatzsituation verzeichnet eine klare Verbesserung, allerdings nicht so deutlich wie die Geschftslage. Mehr als jedes vierte Unternehmen (25,8 Prozent) konnte seinen Umsatz innerhalb des letzten Jahres steigern. Im Frhjahr 2005 waren es nur 20,8 Prozent, die Umsatzsteigerungen verbuchen konnten. Noch immer berwiegt aber die Zahl der Handwerksunternehmen, die Umsatzeinbuen verkraften mssen, auch wenn der Anteil im Jahresverlauf von 35,0 Prozent auf jetzt 27,5 Prozent fiel. Die Saldenkennziffer aus Umsatzsteigerungen und -rckgngen liegt mit minus 1,7 Prozent deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (minus 14,2 Prozent).

Probleme zwischen Kosten und Preisen

Aufgrund der anziehenden Preise fr Energie und im Grohandel verbuchten 66,1 Prozent (Vorjahr: 68,1 Prozent) der Unternehmen steigende Bezugspreise. Diese konnten jedoch nur 15,6 Prozent der Handwerker an ihre Kunden weitergeben. Im letzten Jahr waren es noch 18,0 Prozent der Befragten, die ihre Angebotspreise angehoben haben. Allerdings waren nur noch 19,5 Prozent der Unternehmen gezwungen, ihre Angebotspreise zu senken, was einem Rckgang von 5,5 Prozentpunkten im Jahresverlauf entspricht.

Die Personalsituation im deutschen Handwerk hat sich im Verlauf des letzten Jahres zwar verbessert, befindet sich aber nach wie vor im roten Bereich: 18,6 Prozent der Befragten haben ihren Personalbestand aufgestockt (Vorjahr: 14,6 Prozent) und 28,7 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen. Im Frhjahr 2005 waren es noch 35,0 Prozent. Der Saldo der Personalsituation verbesserte sich von minus 20,4 Prozent im letzten Frhjahr auf aktuell minus 10,1 Prozent. Positiv anzumerken ist die deutliche Verbesserung der Personalsituation in Ostdeutschland: 16,6 Prozent der dortigen Unternehmer konnten ihren Personalbestand aufstocken, was einer Zunahme um 5,9 Prozentpunkten entspricht, und nur noch 30,5 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen – 9,5 Prozentpunkte wenigerals 2005.


Zukunft in hellerem Licht

Die Umsatzerwartungen im deutschen Handwerk sind von Optimismus geprgt: 26,1 Prozent der Befragten rechnen im kommenden halben Jahr mit Umsatzsteigerungen, das sind 7,3 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Mit Umsatzrckgngen rechnen noch 15,8 Prozent der Unternehmer – ein deutlicher Rckgang um 10,8 Prozentpunkte (Vorjahr: 26,6 Prozent). Die Saldenkennziffer der Umsatzerwartungen liegt aktuell bei 10,3 Prozent und damit so hoch wie in den letzten neun Jahren nicht – selbst im Boomjahr 2000 schaffte es der Saldo nur auf 7,8 Prozent.

Auch die knftige Preisgestaltung zeigt nach oben: 27,5 Prozent der Handwerker wollen ihre Angebotspreise anheben (Vorjahr: 23,2 Prozent), und nur noch 12,5 Prozent werden sie senken – ein Rckgang um 7,2 Prozentpunkte. Die Gewinnerwartungen im Handwerk sind Anfang 2006 zuversichtlich, fr eine positive Saldenentwicklung reicht es indes noch nicht. 22,4 Prozent rechnen mit steigenden Ertrgen (Vorjahr: 17,2 Prozent), und 23,4 Prozent befrchten Rckgnge – 9,5 Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. Der Saldo der Ertragserwartungen steigt von minus 15,7 Prozent im letzten Frhjahr auf aktuell minus 1,0 Prozent.


Mitarbeiter werden gebraucht

Jedes zehnte befragte Unternehmen (10,9 Prozent) aus dem Handwerk plant die Erweiterung seines Personalbestandes, was einem Zuwachs von 2,4 Prozentpunkten entspricht. Nur noch 15,8 Prozent wollen sich von Mitarbeitern trennen – im letzten Frhjahr waren es noch 23,5 Pro- zent. Auch die Investitionsbereitschaft im Handwerk verbucht leichte Zuwchse: Konnten im letzten Frhjahr nur 44,4 Prozent Investitionen ttigen, sind es aktuell 2,5 Prozentpunkte mehr. Erfreulich ist insbesondere, dass die konjunktursensiblen Erweiterungsinvestitionen zugelegt haben: Wollten im Frhjahr 2005 noch 34,8 Prozent in die Erweiterung ihres Betriebes investieren, sind es aktuell 35,8 Prozent. Die notwendigen Ersatzinvestitionen nahmen indes leicht um 1,8 Prozentpunkte auf jetzt 64,8 Prozent ab. Rationalisieren wollen 23,0 Prozent der Unternehmer (Vorjahr: 26,0 Prozent). Auch das Investitionsvolumen steigt bei mehr Betrieben als noch vor einem Jahr an: 42,0 Prozent wollen knftig mehr investieren (Vorjahr: 39,1 Prozent), und nur noch 9,6 Prozent planen, ihr Investitionsvolumen zu verringern (Vorjahr: 16,0 Prozent).
34,2 Prozent der Handwerker vergeben gute Noten an ihre Kunden, wenn es um das Zahlungsverhalten geht (Vorjahr: 26,7 Prozent), und nur noch 9,5 Prozent urteilen mit mangelhaft oder ungengend (Vorjahr: 12,2 Prozent). Die Dauer der Zahlungseingnge hat sich indes nicht auffallend verbessert: Immer noch erhalten 78,6 Prozent der Befragten ihr Geld innerhalb eines Monats, und 0,8 Prozent lassen mehr als drei Monate verstreichen, ehe sie offene Forderungen begleichen (Vorjahr: 0,7 Prozent).


Insolvenzen im Handwerk rcklufig

Forderungsverluste gehren zum Unternehmensalltag, werden aber zum Problem, wenn sie mehr als ein Prozent vom Umsatz ausmachen. Dies trifft auf 21,2 Prozent der befragten Handwerksunternehmen zu, die im vergangenen Jahr Forderungsausflle in der beschriebenen Grenordnung aufzufangen hatten und entspricht einem Rckgang von 3,9 Prozentpunkten. Am meisten unter hohen Forderungsausfllen zu leiden haben die Betriebe aus dem Bau- und Ausbaugewerk: 28,2 Prozent der Betroffenen dieser Branche mussten Forderungsverluste von mehr als einem Prozent im Verhltnis zum Umsatz hinnehmen. Immerhin sank der Anteil im Jahresverlauf um 2,5 Prozentpunkte.

Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk nahm im Jahr 2005 leicht um 2,2 Prozent oder 100 betroffene Betriebe ab und wird fr das Gesamtjahr mit 4.500 beziffert. Damit zeigt sich, dass der Rckgang der Insolvenzen im Handwerk langsamer voranschreitet als im Gesamtdurchschnitt aller Branchen – in Deutschland insgesamt war ein Rckgang der Unternehmensinsolvenzen um 3,5 Prozent auf insgesamt 37.900 betroffene Betriebe zu verzeichnen. Parallel zur Abnahme der Insolvenzen sanken auch die Forderungsverluste wegen Kundeninsolvenzen der befragten Handwerksbetriebe. Hatten im letzten Jahr noch 51,9 Prozent der Unternehmen Forderungsverluste hinzunehmen, weil ein Kunde Konkurs anmeldete, sind es aktuell nur noch 44,9 Prozent.

Die Eigenkapitalquoten im Handwerk sind nach wie vor drftig: Nur 13,9 Prozent verfgen ber eine ausreichende Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent im Verhltnis zur Bilanzsumme (Vorjahr: 14,0 Prozent), und 38,4 Prozent (Vorjahr: 39,2 Prozent) sind mit weniger als zehn Prozent haftendem Eigenkapital ausgestattet und damit unterkapitalisiert.


Hhere Mehrwertsteuer ist Gift

Welche Manahmen halten die Unternehmen zur Strkung des Handwerks fr geeignet, und was sind die Hauptursa chen der Schwarzarbeit? 34,2 Prozent der Befragten gaben an, die Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes knnte fr mehr Stabilitt im Handwerk sorgen. Die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen im Haushalt befrworten 32,8 Prozent. Eine Abschaffung der Gewerbesteuer ist dagegen nur fr 14,8 Prozent der Befragten geeignet zur Konsolidierung des Handwerks, und den Erlass der Erbschaftssteuer bei Weiterfhrung des Betriebes sieht noch nicht einmal jedes zehnte Unternehmen (9,4 Prozent) als zweckmig an. Mehr als die Hlfte (57,8 Prozent) der Handwerksunternehmen in Deutschland hlt zu hohe Lohnnebenkosten fr die Hauptursache der Schwarzarbeit. Nur 26,0 Prozent machen eine zu hohe Steuerbelastung als Hauptgrund aus und 15,3 Prozent halten die Arbeitsschutzregeln in Deutschland fr zu brokratisch und damit urschlich fr das hohe Aufkommen an Schwarzarbeit.
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