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Fachartikel, 08.08.2009
Steuerprüfung
Wann die Gefahr einer Betriebsprüfung stark ansteigt
Betriebsprüfung? Die meisten Selbstständigen zucken bei diesem Wort nur mit den Schultern: „Das passiert mir doch nicht. Geprüft werden doch nur die Großen!“ Auf den ersten Blick, scheint die Statistik eine solche sorglose Einstellung zu unterstützen. Gerade aber jene, für die eine Betriebsprüfung unangenehme Folgen haben könnte, sollten sich auf die Gesetze der Wahrscheinlichkeit nicht allzu sehr verlassen.

Das Bundesfinanzministerium hat krzlich eine neue Statistik zu Betriebsprfungen verffentlicht: Rein statistisch gesehen ist es danach unwahrscheinlich, dass Sie von einer Betriebsprfung betroffen sind. In 2007 (dem Jahr, fr das die Zahlen nun vorgelegt wurden) haben die Finanzmter nur 115.645 Klein- und Kleinstbetriebe berprft. Bei einer Gesamtzahl von 7.462.613 Betrieben dieser Grenordnung ergibt das die statistische Wahrscheinlichkeit, dass Sie nur rund alle 64 Jahre von einer Betriebsprfung heimgesucht werden. Zwei wichtige Punkte aber werden dabei hufig bersehen: Was wenn man das Finanzamt, ohne es zu wollen, selbst auf den Plan ruft – und was, wenn das, was unwahrscheinlich ist, dann dennoch eintritt?

Bei Aufflligkeiten steigt die Wahrscheinlichkeit dramatisch an

Die 64 Jahre sind nur eine Durchschnittszahl. Werden Sie auf irgendeine Art steuerlich auffllig, steigt die Wahrscheinlichkeit eines ungebetenen Besuchs vom Finanzamt dramatisch an. Eine Betriebsprfung ist zum Beispiel dann wahrscheinlich, wenn einer oder gar mehrere Punkte auf Sie zutreffen:

  • Ihre Steuererklrung ist nicht plausibel: Besonders misstrauisch wird das Finanzamt, wenn Ihre Steuererklrung und besonders die Angaben in Ihrem ER-Formular offensichtliche Ungereimtheiten enthalten, z. B. wenn Sie andauernde Verluste ausweisen oder einen deutlich niedrigeren Gewinn als vergleichbare Unternehmen erwirtschaftet haben.
  • Ihre Verhltnisse sind unbersichtlich: z. B. nicht eindeutige Besitzverhltnisse, verschachtelte Gesellschaftskonstruktionen oder mehrere Umstrukturierungen innerhalb eines Jahres. Auch eine Betriebsbergabe (z. B. an Ihre Kinder) kann Grund fr eine Betriebsprfung sein.
  • Eine frhere Prfung fhrte zu erheblichen Steuernachzahlungen: Wiegen Sie sich nicht in Sicherheit, wenn der Steuerprfer gerade erst in Ihrer Firma war. Gerade wenn der Finanzbeamte fndig wurde und Sie Steuern nachzahlen mussten, ist die Wahrscheinlichkeit gro, dass das Finanzamt bald wieder eine so genannte Anschlussprfung ansetzt.
  • Sie haben hohe Vorsteuer-berschsse geltend gemacht: Machen Sie hohe Vorsteuer-berschsse geltend (bekommen also nach Ihren Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder -Erklrungen immer wieder Geld vom Finanzamt zurck), so mssen Sie mit einer Umsatzsteuer-Sonderprfung rechnen. Hierbei prft der Finanzbeamte, ob Sie tatschlich ordentliche Rechnungen vorlegen knnen, die die entsprechenden Umsatzsteuersummen ausweisen.
  • Stark schwankende Gewinne: Wenn Ihre Gewinne von Jahr zu Jahr stark schwanken, glaubt das Finanzamt schnell, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
  • Unbegrndetes Herabsetzen der Vorauszahlungen: Lassen Sie Ihre Vorauszahlung nur dann herabsetzen, wenn echte Grnde dafr sprechen. Stellen Sie Ihre Zahlen schlechter dar, als sie tatschlich sind, drohen ernsthafte Konsequenzen: Die falschen Angaben knnen als versuchte Steuerhinterziehung gewertet werden! Dann werden Hinterziehungszinsen fllig, und Sie knnen ziemlich sicher sein, dass sich das Finanzamt ab sofort genauer mit Ihnen und Ihren Zahlen beschftigt.
  • Sehr geringe Einnahmen: Die erklrten Einnahmen/Entnahmen reichen kaum zur Deckung Ihres tglichen Lebensbedarfs.
  • Einlagen: Es werden regelmig Einlagen gettigt, deren Herkunft ungeklrt ist. Das Finanzamt will dann schnell berprfen, ob es sich eventuell um Schwarzgeld handelt.
Und nicht zuletzt
  • Grere Anschaffungen oder Verkufe im Immobilienbereich
  • Pacht-, Miet- oder Arbeitsvertrge mit nahen Angehrigen werden neu abgeschlossen oder verndert.
  • Permanent versptete Zahlungen der Steuern.
Tipp: Halten Sie sich penibel an alle Fristen fr Ihre Voranmeldungen, Steuererklrungen und Zahlungen ans Finanzamt. Richten Sie – wenn Sie sicher sind, dass Ihr Konto immer ber ausreichende Deckung verfgt – eine Abbuchungserlaubnis fr die flligen Zahlungen ein.

Wenn es Sie trifft, wird es empfindlich teuer

Eine weitere Zahl aus der oben genannten Statistik: Infolge der 115.645 Prfungen haben die Finanzmter rund 1,3 Mrd. € nachtrglich an Steuern von Klein- und Kleinstbetrieben kassiert. Bei jeder Prfung werden also durchschnittlich rund 11.200 € an Steuernachzahlungen fllig. Das heit: Wenn Sie doch von einer Betriebsprfung betroffen sind, dann wird es empfindlich teuer. Dafr gibt es einen Grund:

Bereits heute werden  70 Prozent aller Betriebsprfungen digital durchgefhrt. Das heit: Der Prfer vom Finanzamt steht mit dem Laptop vor Ihrer Tr und analysiert mit speziellen Programmen Ihre Buchhaltung, Spesenabrechnungen, elektronische Fahrten- und Kassenbcher … Fehler oder Unstimmigkeiten, die zu hohen Nachzahlungen fhren knnen, sind so viel schneller und sicherer aufgesprt.

Von der Finanzverwaltung werden die Prfer dazu gedrngt, in mglichst naher Zukunft alle Prfungen digital durchzufhren – damit mehr Unternehmen in krzerer Zeit geprft werden knnen.

Worauf die Prfer besonders achten

Es gibt einige Punkte, auf die Betriebsprfer mit ihren Programmen bei der digitalen Betriebsprfung besonders achten, weil hier besonders hufig Fehler passieren und am schnellsten „lukrative“ Nachzahlungen zu erwirtschaften sind. Hier die wichtigsten 4 Punkte:

  1. berprfung der Kasse: Gibt es Fehlbetrge in der Kasse? Wenn Sie diese nicht aufklren knnen, erhht das Finanzamt Ihren Gewinn entsprechend.
  2. Kleinbetragsrechnungen: Hier spielt der Prfer die Vorteile der elektronischen Prfung aus: Mit wenigen Klicks findet er alle Zahlungen, bei denen die Kleinbetragsgrenze von 150 € knapp berschritten ist. Ab dieser Grenze mssen Rechnungen die umfangreichen Pflichtangaben tragen. Der Prfer lsst sich von Ihnen alle Belege zeigen und streicht die Vorsteuer fr alle Belege, die nicht korrekt sind.
  3. Vergleich von Angebot und Rechnung: Der Prfer schaut sich an, ob die Betrge auf Angeboten denen der spteren Rechnung entsprechen. Ist der Rechnungsbetrag deutlich niedriger, vermutet er Schwarzarbeit und wird sich die ganze Sache genauer ansehen.
  4. Mini-Jobber: Wenn Sie Daten Ihrer Mitarbeiter elektronisch erfassen und verwalten, hat der Prfer auch Zugriff darauf. Er schaut sich dann als Erstes Ihre Mini-Jobber an – z.  B.: Wird der Lohn von zwei 400-€-Krften auf das gleiche Konto berwiesen?
Achten Sie deshalb darauf, dass Ihre Steuerunterlagen in diesen vier Punkten schlssig, lckenlos und korrekt sind. Dann verliert auch die unterschtzte Gefahr einer Betriebsprfung fr Sie den Schrecken.
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