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Rohstoffquelle Handy - die Deutschen sitzen auf 1,66 Tonnen Gold

80 Millionen Althandys schlummern ungenutzt in den Schubladen unserer Haushalte. Das Umweltbundesamt beziffert ihren reinen Materialwert auf 83 Millionen Euro. „Dieser Bestand ist ein Schatz“, sagt der Ingenieur für Chemietechnik Ralph Marmann.
(PM) Unna, 01.11.2013 - In wenigen Wochen wird ein Groteil der jhrlich 35 Millionen in Deutschland verkauften Handys hbsch verpackt unterm Christbaum liegen. Das alte Mobiltelefon verschwindet dann meist in den Schubladen unserer Haushalte, in denen schon jetzt 80 Millionen Altgertes ungenutzt oder defekt schlummern. „Dieser Bestand ist ein wahrer Schatz“, sagt der Unnaer Ingenieur fr Chemietechnik Ralph Marmann. Das Umweltbundesamt beziffert den reinen Materialwert ungenutzter Althandys in Summe auf rund 83 Millionen Euro, Tablet-PCs und Laptops gar nicht mitgerechnet.

„Unabhngig von Alter und Zustand ist das Handy eine einzige Rohstoffquelle“, sagt Marmann und deutet auf sein Mobiltelefon, das nur wenige Monate alt ist. Im Schnitt tauscht jeder Deutsche sein Handy nach 18 – 24 Monaten gegen ein neues Modell aus. Ausgediente oder defekte Mobiltelefone aber besitzen am Ende ihrer Lebensdauer immer noch einen hohen Materialwert. Ein durchschnittliches Handy besteht zu 28 Prozent aus Metallen. Darunter sind wertvolle Edelmetalle wie Gold, das die Hersteller wegen seiner physikalischen Eigenschaften verbauen. „Gold ist ein sehr guter Leiter, der nicht korrodiert und zum Beispiel in den Platinen, den Kontaktbuchsen der Antennen und Akkus verarbeitet ist“, erklrt Ralph Marmann.

Nimmt man alle Gerte zusammen, sitzen die Bundesbrger auf 1,66 Tonnen Gold, 15 Tonnen Silber und 644 Tonnen Kupfer – Tendenz steigend. Diese gewaltigen Mengen leicht recycelbarer Edelmetalle wie Gold, Silber und Palladium fehlen daher der Wertschpfungskette und mssen unter erheblichem Aufwand geschrft oder abgebaut werden. Die grten Rohstoff-Vorkommen der Erde liegen meist in Entwicklungslndern, wo sie zum Teil unter menschenunwrdigen Zustnden und ohne Rcksicht auf die Umwelt gewonnen werden. Dabei entstehen Schadstoffe, die die Lebensgrundlage unzhliger Menschen bedingungslos zerstren und ganze Landstriche auf lange Zeit belasten.

Tatschlich werden heute deutlich weniger als 25 Prozent der ausgedienten Telefone wiederverwertet und gelangen zurck in einen nachhaltigen Recyclingkreislauf. Daher wirbt der Unnaer Entsorgungsspezialist Ralph Marmann dafr, ausgediente Fernsprecher in den rtlichen Sammelstellen oder beim Fachhndler abzugeben und fachgerecht entsorgen zu lassen. „Urban mining“ ist das Schlagwort - Rohstoffgewinnung in der Stadt. „Wir sind heute in der Lage, rund 80 Prozent eines Handys vollstndig zu recyceln“, sagt Ralph Marmann. „Ein wichtiger Nebeneffekt der Rohstoffgewinnung ist der Umweltschutz. Im Gert enthaltene Schwermetalle und Schadstoffe werden fachgerecht entsorgt und landen nicht ber den Hausmll auf den Deponien oder in der Schlacken der Mllfen.“

Die Kreislaufwirtschaft ist die Passion und das Geschft des Unnaers, dessen Firma Secundo GmbH mit dem handelt, was frher weggeworfen wurde. Insgesamt 35.000 Tonnen verschiedenster Materialien hat die Secundo GmbH im vergangenen Jahr an Abnehmer in ganz Europa vermittelt und dafr gesorgt, dass aus Abfall wieder Rohstoffe werden konnten. Darunter sind Stoffe, die auf den ersten Blick gar nicht so wertvoll erscheinen: Filterkuchen, Siebfraktionen, Mllverbrennungsschrotte, MBA-Schrott, Produktions- und Sortierreste, Aschen, Schlacken oder Filterstube – in fast jedem „Abfall“ stecken noch wertvolle Rohstoffe.
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