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NeueNachricht fragt: Kippt die Demokratie? – Nach dem Philip Marlowe-Prinzip der Resignation trotzen

(PM) , 15.09.2006 - Bonn – Die Unzufriedenheit mit dem politischen System in der Bundesrepublik wird immer grer. Die Groe Koalition fhrt zu groem Verdruss. Bei den Whlern macht sich der Eindruck breit, sie htten nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera. „Alles in allem leben wir doch in stabilen Verhltnissen. Auerdem war der Sommer schn. Kein Grund zur Panik also. Manchmal kommen aber auch dem hartgesottenen Verteidiger unseres Gemeinwesens Zweifel. Es mag mein subjektiver Eindruck sein, doch in Gesprchen erlebe ich, dass die Menschen zusehends ratloser werden. Das hat viel mit der derzeitigen Konstellation der Groen Koalition zu tun. Erst wollte Angela Merkel mit uns mehr Freiheit wagen, jetzt drfen wir unsere Zukunft nicht verbrauchen. Ich habe den Eindruck, dass die gesamte Regierung schon so verbraucht aussieht wie Helmut Kohl nach 16 Jahren der Regentschaft – noch nicht aussah“, schreibt Ansgar Lange in der Herbstausgabe der Zeitschrift NeueNachricht www.neue-nachricht.de. Was solle man denn davon halten, wenn Arbeitsminister Franz Mntefering die Menschen belehre, es sei ungerecht, die Parteien an dem zu messen, was sie vor der Wahl versprochen htten? „Ich bin deshalb so enttuscht, weil ich wie ‚Mnte’ aus dem Sauerland komme und dort gemeinhin gilt, was man sagt. Man stelle sich mal vor, ein Ehemann wrde zu seiner Gattin sagen: ‚Natrlich habe ich Dir vor der Ehe lebenslange Treue geschworen. Aber es ist total gemein von Dir, mich jetzt daran zu erinnern. Ich htte Dich doch sonst nie an den Traualtar bekommen, wenn ich Dir gesagt htte, dass ich Dich noch in der Hochzeitsnacht betrge.’ Ein schiefer Vergleich? Wohl kaum, schauen Sie sich nur die Diskussion ber die Erhhung der Mehrwertsteuer und die krank machende Debatte ber die Gesundheitsreform an“, fhrt der Bonner Publizist fort. Lange verweist auf das jngst erschienene Buch „Sozialstaat am Scheideweg“ von Detlef Grieswelle. „Demokratie und soziale Marktwirtschaft sind bei uns in Deutschland siamesische Zwillinge“, schreibt der Autor in seinem Schlusswort. Und er warnt: „Diese Meinung, die von Demokraten betriebene Politik sei generell in hohem Grade unfhig, kann unter der Voraussetzung sich weiter entwickelnder Enttuschungen und ngste zu grundlegender Demokratiefeindlichkeit fhren.“ Krisen-, Niedergangs- und Katastrophenmetaphern bestimmen heute den intellektuellen Diskurs unter Schriftstellern, Wissenschaftlern und Journalisten. Und diese Stimmung ist lngst in der Bevlkerung angekommen. „Ich kenne das aus meinem Bekanntenkreis. Ich bin 1971 geboren. Der Begriff von der ‚Generation Praktikum’ trifft den Alltag viel besser als die schnselige Langweilprosa eines Florian Illies und seiner ‚Generation Golf’. Die alte Gewissheit, dass es die Jungen mal besser haben als die lteren, ist geschwunden. Trotz guter Studienabschlsse, Sprachkenntnisse und Auslandsaufenthalte schleppt sich ein groer Teil dieser prekren Generation der um die 30-Jhrigen von Praktikum zu Praktikum“, meint der Chefredakteur der NeuenNachricht. Beim Zahnarzt ertrage man das Bohren, weil man wisse: Nachher wird es besser. Diese Glaube sei in der Politik dahin. „Die intellektuellen Kritiker sind bei aller Hoffnung in der Mehrheit der Meinung, die Chancen, dass das politische Fhrungspersonal die notwendigen Reformen durchsetzen wrde, seien begrenzt, parteipolitische Orientierung mit dem Ziel des Wahlerfolges dominiere ber staatsmnnisches Haltung und Bereitschaft zu Wahlrisiken“, so Grieswelle. Alle sind unsicher: Rentner, Arbeitnehmer, mittelstndische Selbstndige, jungen Menschen. Eine aktuelle Umfrage von McKinsey belegt: Nur 60 Prozent der Deutschen sind zufrieden mit ihrem Leben in Deutschland. Gar nicht so wenige gehen nach Australien, in die USA, nach sterreich oder in die Schweiz. Lange hlt Resignation aber fr die vllig falsche Reaktion: „Doch da knnen wir nicht alle hin. Wer sich vllig von der Gesellschaft und von der Politik abwendet, der bekommt auch weiterhin nur diesen Mist serviert. Verfahren wir doch nach dem Philip Marlowe-Prinzip. Diese Romanfigur von Raymond Chandler ist ein harter Hund, doch auch ein Melancholiker und Moralist. Er kmpft mutig weiter in einer durch und durch korrupten Welt und steht immer wieder auf. Nur wer seinen Job gut macht und sich nach seinen Mglichkeiten einmischt – politisch, in Vereinen, publizistisch, als Unternehmer etc. -, der kann etwas dagegen tun, dass ‚unsere Zukunft verbraucht’ wird. Letztlich hngt alles von Personen ab, und so haben wir auch keine Krise der Demokratie, sondern eine Krise des politischen Personals. Charismatische Figuren wie Benedikt XVI. zeigen doch, dass eine einzelne Person viel bewegen kann. Mge der Herr ein Benedetto-Gen unters politische Volk mischen.“ Das Magazin NeueNachricht erscheint vierteljhrlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter: 0228 – 620 44 75 oder E-Mail: baerbel.goddon@sohn.de. Redaktionen erhalten Besprechungsexemplare kostenlos.
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