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Neue Studie zu Fonds-Jahresberichten: Die Doktorarbeiten der Finanzkommunikation

Eine aktuelle Studie zur Verständlichkeit von Fonds-Jahresberichten zeigt: Um diese Dokumente zu verstehen, braucht man einen Doktortitel oder muss Finanz-Experte sein.
(PM) Ulm, 06.06.2011 - Fachchinesisch, hochkomplexe Satzkonstruktionen, Anglizismen und passive Zielgruppenansprache machen Fonds-Jahresberichte fr Laien kaum zugnglich. Die Untersuchung stammt aus der Studien-Reihe „Die Sprache der Banken“ und wurde vom Communication Lab in Zusammenarbeit mit der Universitt Hohenheim durchgefhrt.

Die Ergebnisse der Studie kommen zu einem eindeutigen Urteil: Fonds-Jahresberichte sind sehr schwer bis gar nicht verstndlich – zumindest fr Laien und Personen mit geringer Bildung. Durch-schnittlich erreichen die Jahresberichte den Schwierigkeitsgrad einer Dissertation.

„Viele Anleger knnen sich nur sehr schwer beziehungsweise berhaupt nicht anhand der Jahresberichte informieren. Obwohl der Jahresbericht ein wichtiges Instrument fr den Anleger sein knnte, verschenken die Fonds-Anbieter hier die Mglichkeit, ihre Anleger einfach, klar und verstndlich zu informieren.“ Zu diesem Schluss kommt Oliver Haug, Leiter der Studie.

Insgesamt wurden 25 Jahresberichte global anlegender Fonds von fhrenden Anlagegesellschaften untersucht. Die Verstndlichkeit der Fonds-Jahresberichte wurde mit dem TextLab-Verfahren analysiert und bewertet. Dies ist ein computergesttztes Analyseverfahren, bei dem Texte auf bis zu 70 fr die Verstndlichkeit relevante Faktoren untersucht werden knnen.

Als Schlssel-Indikator fr die Verstndlichkeit dient der Hohenheimer Verstndlichkeits-Index. Dieser von der Universitt Hohenheim entwickelte Index bewertet die Verstndlichkeit auf einer Skala von 0 bis 20. Je hher der erreichte Wert, desto leichter verstndlich ist der Text einzustufen.

„Die Fonds-Jahresberichte erreichen auf dem Hohenheimer Verstndlichkeits-Index einen durchschnittlichen Wert von nur 3,7 Punkten. Das ist ein alarmierendes Ergebnis und signalisiert dringenden Handlungsbedarf“, erklrt Dr. Anikar Haseloff, Geschftsfhrer des Communication Lab.

Eine sehr hufige Barriere fr die Verstndlichkeit ist die Verwendung langer und verschachtelter Stze. Durchschnittlich erreichen die Fonds-Jahresberichte eine Satzlnge von 20,7 Wrtern pro Satz. 41 Prozent der Stze sind als zu lang zu bewerten (mehr als 20 Wrtern). Mit 53 Prozent zu langen Stzen liegt Franklin Templeton am unteren Ende der Rangliste. Angefhrt wird das Ranking von Veritas mit „nur“ 30 Prozent langen Stzen. Der lngste Satz stammt von der DWS und kommt auf stolze 123 Wrter. Auch der Anteil an Schachtelstzen ist in vielen Dokumenten zu hoch. Durchschnittlich haben 18 Prozent der Stze 3 und mehr Satzteile. Die Skala verluft hier von 0,43 Prozent (Carmignac Gestion) bis 27,94 Prozent (Franklin Templeton).

Als weitere Barriere fr die Verstndlichkeit lsst sich die Verwendung komplexer und abstrakter Wrter anfhren. Hierzu zhlen Wortkomposita (zusammengesetzte Wrter), komplexe Fremdwrter, Fachbegriffe und abstrakte Substantive. So kommt kaum einer der Fonds-Jahresberichte beim Anteil an langen Wrtern (12 und mehr Buchstaben) unter die 10 Prozent-Marke. Ausnahme ist PNB Paribas mit 9,34 Prozent. Begriffe wie „rechnungslegungsrelevant“ (Sarasin), „Unternehmensfhrungsstandards“ (AXA) oder „Zentralverwaltungsvergtung“ (Allianz) sind nicht nur schwer zu lesen, sondern oft auch schwer zu verstehen.

Auch die Verwendung von Anglizismen ist keine Seltenheit. Zwar kommen die Jahresberichte durchschnittlich auf lediglich 2 Prozent Anglizismen, dennoch sollten mglichst keine Anglizismen verwendet werden. Begriffe wie „Private Placement“ (Goldmann Sachs), „Outperformance“ (AXA) oder „Market Maker“ (BlackRock) sind fr Laien nicht zu verstehen und schlimmstenfalls sogar missverstndlich. Spitzenreiter beim Einsatz von Anglizismen ist BlackRock mit einem Anglizismen-Anteil von 3,4 Prozent.

Die Studie zeigt aber auch, dass es anders geht. Der Fonds-Jahresbericht der Anlagegesellschaft Carmignac Gestion berrascht mit beraus positiven Ergebnissen in fast allen Kategorien. Mit einem Wert von 12,17 auf dem Hohenheimer Verstndlichkeits-Index kann dieser Jahresbericht im Groen und Ganzen als verstndlich eingestuft werden.
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