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Kolumne
Chefsache Fhrung, 03.08.2010
Loveparade-Tragödie
Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen
Die Loveparade-Tragödie zeigt einmal mehr: Verantwortungsbewusste Führung setzt ein Persönlichkeitsprofil voraus, das viele, die in Führungsämter streben, gleich ob nun in der Politik, der Wirtschaft oder anders wo in der Gesellschaft, nicht erfüllen. Das Dilemma dabei ist, dass dies zumeist er offenbar wird, wenn es zur Katastrophe oder Krise kommt.
Belmmert und in Schockstarre vereint saen die vier Beteiligten Rabe, von Schmeling, Schaller und Duisburgs Oberbrgermeister Sauerland am vergangenen Sonntag in der Pressekonferenz und verlasen mit monotoner Stimme vorgeschriebene Texte. Die Conclusio der (auch im bertragenen Sinne) „Trauershow“: Eine Tragdie ist passiert – und keiner wills gewesen sein. Auf der Technoparty Loveparade in Duisburg starben 19 Menschen, ber 500 wurden zum Teil schwer verletzt. Zwei weitere Todesflle folgten in den nchsten Tagen. Entsprechend gro sind Volkes Zorn und Unverstndnis. Die Frage „Wie nur konnte das passieren?“ mndete schnell in der Suche nach den Verantwortlichen fr das Unglck von Duisburg.

Viele Menschen waren an der Vorbereitung und Durchfhrung des Ereignisses beteiligt. Fhrend dabei: Der Ordnungsdezernent und Leiter des Krisenstabs, Wolfgang Rabe, Duisburgs stellv. Polizeiprsident, Detlef von Schmeling, der Veranstalter der Loveparade Rainer Schaller, Feuerwehrchef Uwe Zimmermann und schlielich Duisburgs Oberbrgermeister Adolf Sauerland.

Letzterer gilt vielen als der Hauptverantwortliche. Nicht, weil er vor Ort im Tunnel den Besucherstrom aktiv gelenkt hat, sondern weil er im Vorfeld groes Interesse an der Veranstaltung zeigte und nach aktuellem Kenntnisstand dafr sowohl indirekt Geld genommen, als auch grozgige (Sicherheits-)Zugestndnisse gemacht hat.

Und da zeigt sich mal wieder, was es heit, sich allen Folgen eines Jobs zu stellen. Also nicht nur der Gronkel vom Rathausbalkon, sondern auch der Verantwortliche fr schlimme Ergebnisse und Veranstaltungen zu sein.

Was hindert OB Sauerland am notwendigen, ja berflligen Rcktritt? Man knnte den Eindruck gewinnen; neben der Sorge um die juristischen Folgen nur noch die um seine persnlichen Pensions-Ansprche. Doch auch diese Folgen hat er zu tragen, denn schlielich gehren diese ebenfalls zu seinem Job. Getreu dem Motto „Gute Zeiten, schlechte Zeiten – die Ergebnisse musst du dir immer anrechnen lassen“! Und ob er strafrechtlich zu belangen ist, werden erst die noch andauernden staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen zeigen.

Klar ist aber, dass seine Mitarbeiter aktiv an der Vorbereitung der Loveparade beteiligt waren. Und die lsst er jetzt im Regen stehen indem er abstreitet, im Vorfeld diskutierte Schwierigkeiten und Sicherheitsmngel auch nur gekannt zu haben.

Betrachtet man Sauerlands Verhalten mal nur im Sinne einer verantwortlichen Fhrungskraft, dann lassen sich vier denkbare Konstellationen unterscheiden: Erstens: Er war sich ber die Diskussionen und Probleme im Vorfeld bewusst und leugnet dies heute: Dann bernimmt er nicht die Verantwortung aus seiner Funktion und Rolle als Chef – und sagt bewusst die Unwahrheit. Zweitens: Er hat es tatschlich nicht gewusst. Dann zeugt es von mangelnder Priorittensetzung, denn wie kann es sein, dass er als OB die grte Veranstaltung, die in Duisburg je stattgefunden hat, nicht zur Chefsache erklrte?
Eine andere Erklrung fr Nichtwissen kann darin liegen, dass er sich sein Umfeld nicht so organisiert hat, dass er als Chef wirklich jederzeit die notwendigen Informationen erhlt. Am Schlimmsten allerdings wre es, wenn dieser Zustand daher rhrt, dass ihn seine Mitarbeiter aus Angst vor seinen Reaktionen nicht informiert haben. Denn das wrde auf fehlendes Vertrauen zwischen ihm als Chef und seinen Mitarbeitern hindeuten.

Klar ist jedenfalls, dass ein solcher Chef seiner Aufgabe und Verantwortung nicht nachkommt und dringend abzulsen ist! Fr Duisburg und die ffentliche Diskussion ist es am Ende aber egal, ob OB Sauerland eine guter Chef ist, oder nicht – denn alle Gedankenspiele fhren nur zu einer logischen Konsequenz: Er muss die Verantwortung fr die Situation und deren Folgen bernehmen und zurcktreten. Das ist er seinen Mitarbeitern, den Brgern, der Stadt und vor allen den Opfern und ihren Angehrigen schuldig.
ZUM KOLUMNIST
ber Roland Jäger
Roland Jäger ist Unternehmensberater, Trainer, Coach und Buchautor. Nach Berufsjahren im Banken- und Finanzwesen arbeitete er im Management einer renommierten Privatbank und in einem bedeutenden Beratungsunternehmen. Seit 2002 ist er Inhaber der rj management ... mehr
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