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Kaufkraft in Indien

Wie groß ist der indische Markt eigentlich?
(PM) Bochum, 24.03.2011 - Annahmen zur Gre des indischen Verbrauchermarktes sind nach den meisten Studien vllig unrealistisch. So gibt es tatschlich Studien aus durchaus namhaften Quellen, in denen von einer „kaufkrftigen Mittelschicht“ in Grenordnungen von 300 bis 400 Millionen Konsumenten gesprochen wird, und der Begriff „kaufkrftig“ wird eins zu eins gleichgesetzt mit Kaufkraft auf europischem Niveau. Diese gute Nachricht wird natrlich von Wirtschaftsverbnden und anderen Institutionen sehr gerne bernommen, einer schreibt vom anderen ab, und letztlich glaubt es dann jeder: „Der indische Markt ist unendlich gro“!

Die Realitt ist ganz anders, und das wird sehr schnell deutlich, wenn man sich mit der Frage auseinandersetzt: „Was bedeutet eigentlich „kaufkrftig“ im indischen Kontext?“ Um diese Frage beantworten zu knnen, muss man natrlich etwas ber indische Einkommensverhltnisse wissen, aber eigentlich reicht die folgende Information: Weniger als 2 % der Bevlkerung verfgen ber ein Monatseinkommen von mehr als 1.000 Euro!

Und jetzt sieht man die angeblichen „hunderte Millionen kaufkrftiger Konsumenten“ pltzlich in einem ganz anderen Licht. Diese Zahlen sind reine Utopie; zwar steigt ihre Anzahl stetig und rapide, aber bis sich eine mit Gesamt-Westeuropa vergleichbare Konsumentenschicht ergibt, wird ganz sicher noch viel Zeit vergehen. Soviel zum privaten Konsum. Aber sind diese Daten auch auf das „Business-to-Business“-Geschft, also auf Produkte wie Maschinen, Anlagen, Komponenten und andere Wirtschaftsgter zu bertragen? Ja, denn auch die Anzahl potentieller Kunden fr europische Technologie ist in vielen Branchen lngst nicht so gro, wie vielfach dargestellt.

Natrlich stimmt es, dass es in Indien fr viele Produkte hunderte oder sogar tausende Hersteller und damit potentielle Kunden fr moderne Technologien gibt. Wenn man dann aber genauer hinschaut, stellt man fest, dass jeweils nur ein sehr kleiner Teil als Kunden berhaupt infrage kommt; der grte Teil sind Klein- oder Kleinstbetriebe, technisch veraltet, finanziell schwach oder aus vielen anderen Grnden nicht attraktiv.

Das ist die schlechte Nachricht, es gibt aber auch einen ausgesprochen positiven Aspekt: So kann man sich nmlich auf die wirklich interessanten Kunden beschrnken und seinen vertrieblichen und sonstigen Aufwand entsprechend anpassen. Wenn man nicht zuflligerweise im absoluten „Billig-Massenmarkt“ unterwegs ist, kann man erfahrungsgem getrost auf 90 bis 95 % des Gesamtmarktes verzichten und sich auf die 5 bis 10 % „besten“, d.h. grten oder attraktivsten Kunden konzentrieren.

Auszug aus: Wamser, Johannes und Srken, Peter: „Wirtschaftspartner Indien – Ein Managementhandbuch“, 2. vollstndig berarbeitete Auflage 2010, Stuttgart
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