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Pressemitteilung

Interview: Interne Zitzenversiegler sicher und erfolgreich anwenden

Mastitiserkrankungen gehören nach wie vor zu den größten Gesundheitsproblemen in der deutschen Milchviehwirtschaft.
(PM) Siegen, 04.06.2012 - Die Hauptursache fr die hohen Infektionsraten sehen Experten wie Veterinrmediziner Dr. Hans-Joachim Fritze unter anderem in einem fehlerhaften Melkmanagement, das mit einer mangelnden Hygiene einhergeht. Im folgenden Interview erklrt der erfahrene Rinderpraktiker, wie Mastitisinfektionen effektiv vorbeugt wird und wie Tierrzte und Landwirte sie erfolgreich bekmpfen knnen.

Was ist die Ursache fr das hohe Ausma an Euterentzndungen in deutschen Rinderbetrieben?

Dr. Hans-Joachim Fritze: Immer mehr Betriebe halten immer mehr Khe. Sie wollen produktiver werden und den maximalen Output generieren. Viele Landwirte vergessen aber dabei, dass bei greren Bestnden auch wesentlich mehr Einsatz erforderlich ist. Nicht selten leiden nach einer Bestandsaufstockung Milchqualitt und Gesundheit der Tiere. Dabei ist die Gleichung recht einfach: Je gesnder die Kuh, desto mehr und bessere Milch gibt sie. Genau da sehe ich in vielen Betrieben noch Nachholbedarf. Die in der Trockenstehperiode so wichtigen hygienischen Arbeitsschritte werden oftmals aus Zeitmangel oder auch Unkenntnis weggelassen. Auerdem sehen viele Landwirte das Melkmanagement noch zu statisch und nicht als dynamischen Prozess, fr den man sich stetig weiterbilden muss. In so einem Umfeld ist die Eutergesundheit der Herden gefhrdet und es knnen sich schnell Erreger ausbreiten.

Was knnen Tierrzte und Landwirte tun, um die Bestnde vor Infektionen zu schtzen?

Fritze: Die Eutergesundheit einer Milchvieherde ist von vielen Faktoren abhngig. Neben Haltung, Ftterung und Fitness der Tiere sind fr mich das Melkmanagement inklusive die Melktechnik zentrale Aspekte. Zu einem optimalen Melkmanagement gehrt weit mehr als das Melken an sich. Beispielsweise ist es wichtig, dass sich die Tiere bis eine Stunde nach dem Melken nicht hinlegen, sondern fressen. Ein ganzheitliches Melkmanagement vom ersten Subern der Zitzen ber ein grndliches Ausmelken ohne langes Blindmelken mit anschlieendem Dippen bis hin zur vollstndigen Erholung des Strichkanals ist entscheidend fr die Produktivitt der Khe – kostet aber Zeit. Werden Mastitisinfektionen festgestellt, ist es sinnvoll, zunchst den Erreger und die Resistenzlage zu bestimmen. Anschlieend erfolgt je nach Ergebnis eine effektive Behandlung. Chronisch kranke Khe sollten aussortiert werden. In Problembetrieben kann die Trockenstehphase genutzt werden, um die Eutergesundheit der Tiere zu verbessern. Dazu werden die Khe mit antibiotischen Trockenstellern und internen Zitzenversieglern behandelt.

Wie wirken interne Zitzenversiegler?

Fritze: Durch den internen Zitzenversiegler wird der krpereigene Keratin-Pfropf im Zitzenkanal imitiert und so verschlossen. Keime aus der Umgebung knnen auf diesem Weg nun nicht mehr in das Euter gelangen.Zunchst wird die Zitze grndlich desinfiziert. Wichtig dabei ist, dass die Umgebung immer mglichst steril bleibt und Sauberkeit stets gewhrleistet ist. Anschlieend instilliert man bei schwereren Fllen den antibiotischen Trockensteller – und dies mglichst weit oben in die Zitze. Aber Vorsicht: Das Antibiotikum sollte nicht in das Euter einmassiert werden. Nach einer erneuten Desinfektion greift man die Zitzenbasis mit zwei Fingern mglichst nah am Euter und biegt die Zitze zur Seite. Nun wird der Zitzenversiegler eingespritzt und der Inhalt langsam in den unteren Bereich appliziert. Abschlieend empfehle ich wieder eine grndliche Zitzendesinfektion.

Ist die Anwendung von antibiotischen Trockenstellern zwingend notwendig?

Fritze: Die Anwendung von antibiotischen Trockenstellern wird schon lnger sehr kontrovers diskutiert. Bei sogenannten Problembestnden mit hohen Zellzahlen und Mastitiden der frischmelkenden Khe mssen meiner Meinung nach antibiotische Trockensteller verwendet werden. Wird eine noch hhere Infektionsrate festgestellt, hat sich die Kombination aus Langzeitantibiotikum und internem Zitzenversiegler bewhrt. Dagegen reicht bei eutergesunden Khen der Zitzenversiegler nach meinen Erfahrungen oftmals aus.
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