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Kolumne
Chefsache Fhrung, 22.06.2010
Französisches WM-Debakel
Wenn die Führung sich selbst demontiert
Frankreich spielt bei der WM verrückt: Ein Star pöbelt rum, die Mannschaft rebelliert und der Trainer steht machtlos daneben. Ein Chef ohne Rückendeckung und die Mannschaft ohne Führung und Ziel. Wie es kommen kann, dass eine Mannschaft nicht mehr mitspielt…
Der franzsische Fuball beklagt einen Skandal – selbst Staatsprsident Nicolas Sarkozy fhlt sich berufen den Eklat zu kommentieren. Was ist passiert? In der Pause des WM-Spiels Frankreich gegen Mexiko am 17.06. 2010 soll Strmer Nicolas Anelka gegenber dem Nationaltrainer Raymond Domenech den obsznen Ausspruch „Va te enculer, sale fils de pute“  gemacht haben, weil dieser ihn wegen seines mangelnden Engagements kritisiert hatte. Daraufhin darf er zur zweiten Halbzeit nicht mehr auflaufen, wird  suspendiert und schlielich nach Hause geschickt. Seitdem eskaliert der Konflikt zwischen Trainer und Mannschaft. Bisheriger Gipfel war die Trainingsverweigerung durch die Mannschaft am letzten Sonntag.

Im Fokus steht nun die Suche nach dem „Verrter“, der Anelkas Ausspruch der Presse zugespielt hat. Doch das geht vllig an der Sache vorbei. Die wichtigsten Fragen werden nicht geklrt: Wieso ist ein seit langem umstrittener Trainer, dessen Vertrag mit dem Ende der WM ausluft, noch fr die Mannschaft verantwortlich? Und wie kann es sein, dass die Mannschaft das Ziel „erfolgreich bei der WM 2010 in Sdafrika zu spielen“ aus den Augen verliert?

Raymond Domenech steht seit vielen Monaten in der Kritik, doch selbst nach einem frhzeitigen Ausscheiden bei der EM 2008 hielt der Verband an ihm fest. Das war der Beginn seiner Demontage und Entmachtung.

Fragt man Profifuballer erklren alle unisono, dass die Teilnahme an einer WM das Grte ist. Um wie viel wichtiger muss es dann potenziellen Siegern sein, den Cup nach Hause zu holen? Doch davon ist die franzsische Mannschaft weit entfernt: Die Spieler erklren sich mit ihrem unprofessionell handelnden Kollegen solidarisch. Damit zeigen sie nur, dass sie fhrungsbedrftig sind. Ebenso, dass sie einen Machtkampf eingehen, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen knnen: Der Trainer, die Mannschaft, die Funktionre, die Nation.

Im Grunde kompensieren die Spieler nur das mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Verbandsfunktionre. Denn die htten niemals zulassen drfen, dass ein auch durch sie selbst geschwchter Chef das Projekt Titelgewinn 2010 angeht.

Das Verhalten der Spieler ehrt sie, es ist jedoch nicht deren Job. Denn Mitarbeiter haben nicht die Wahl, ob sie ihre Aufgabe (trainieren und spielen) erfllen wollen oder nicht. Ihre Aufgabe besteht drin, erwartete Ziele zu erreichen und erwnschte Ergebnisse zu erzielen. Und nichts anderes. Die Aufgabe des Chefs besteht darin, die Mitarbeiter dazu anzuhalten. Wer das nicht akzeptiert, disqualifiziert sich selbst und sollte nach Hause gehen. Offensichtlich ist das Ziel eine gute WM zu spielen vllig aus dem Blick aller Beteiligten geraten.

Domenech hat richtig gehandelt, indem er die Aussagen seines Spielers nicht hinnimmt, denn sie sind ordinr und ungehrig. Doch verfgte er nicht mehr ber die notwendige Autoritt. Dann passiert es, dass die Mitarbeiter ihre Grenzen neu austesten und nicht trainieren wollen. Wieso nicht gleich ohne Trainer auskommen und die Mannschaft sich selbst aufstellen lassen?

Fhrungskrfte knnen eine solche Situation nur vermeiden, wenn sie die Rckendeckung ihres Chefs haben. Ebenso, wenn sie sich und die Mitarbeiter auf das verfolgte Ziel einschwren. Das ist die einzige Aufgabe.

Abzuwarten bleibt, wie das fr den deutschen Bundestrainer Jogi Lw ausgeht. Schlielich luft sein Vertrag auch zum Ende der WM aus und sein Verbleib ist bislang fraglich.
ZUM KOLUMNIST
ber Roland Jäger
Roland Jäger ist Unternehmensberater, Trainer, Coach und Buchautor. Nach Berufsjahren im Banken- und Finanzwesen arbeitete er im Management einer renommierten Privatbank und in einem bedeutenden Beratungsunternehmen. Seit 2002 ist er Inhaber der rj management ... mehr
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