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Franz Marc – seine Bilder als Beispiele des Expressionismus

In den nur 36 Jahren seines Lebens vollzog sich bei Franz Moritz Wilhelm Marc (1880-1916) eine künstlerische Entwicklung, wie sie bei anderen großen Malern mehrere Jahrzehnte dauert.
(PM) Berlin, 21.04.2012 - Und das, obwohl er erst 1890 berhaupt mit dem Kunststudium begann. Zu Beginn seiner Laufbahn kopierte er den von den damals anerkannten Akademien propagieren Stil des Naturalismus.1907 kam er in Paris mit dem Postimpressionismus von van Gogh und Gauguin in Berhrung und wurde schlielich einer der bekanntesten Vertreter, wenn nicht sogar der Vorreiter des Expressionismus.

Zuvor versuchte Franz Marc sich an Stilelementen des Kubismus, des Fauvismus und auch des Futurismus, ohne sich dabei jedoch gnzlich von der gegenstndlichen Darstellung zu lsen. Hier seien die bis heute bekanntesten Gemlde mit den Tierdarstellungen genannt wie Die gelbe Kuh, Der Turm der blauen Pferde oder Tierschicksale. Die ersten abstrakten Bilder von Franz Marc, etwa Kmpfende Formen, fallen in die Jahre 1913 und 1914. Marcs knstlerisches Schaffen war immens: Es sind 244 lgemlde verzeichnet, hinzu kommen fast ebenso viele Aquarelle, Zeichnungen und andere Arbeiten. Auch als Schriftsteller war er ttig, wenn seine Liebe auch stets der Malerei galt.

Hatte sich Marc in seinen Anfangsjahren noch mit dem Kopieren von Bildern aus Museen beschftigt und spter Landschaften gemalt, wandte er sich dann verstrkt Tierdarstellungen zu. Fr ihn verkrperten Tiere die ursprngliche Reinheit, die den Menschen versagt war. Sie lebten vollkommen in Einklang mit der sie umgebenden Natur – Sinnbilder eines utopischen Weltbildes. Eine solche Wiedergabe erreichte er in der Anfangszeit durch zart geschwungene Linien, die zwar Lebendigkeit ausdrckten, zugleich aber auch Ruhe und Harmonie ausstrahlten. Die spter wahrlich keineswegs naturgetreue Darstellung der Tiere geht auf Marcs Verstndnis von den Farben zurck. Die Anregung dazu stammt vermutlich von der Begegnung und spteren Freundschaft mit dem Schweizer Tiermaler Jean-Blo Niestl, der ihn von der korrekten Abbildung der Tiere hin zum Ausdruck von deren innerem Wesen brachte. Zu der eigenwilligen Interpretation gelangte Marc schlielich durch eine ganz eigene Deutung der Farben. Schon lngere Zeit war er letztlich unzufrieden mit den gestalterischen Mitteln, die sich ihm boten. Er studierte ausgiebig die Farbenlehre von Goethe wie auch die von Philipp Otto Runge und gelangte auf diese Weise zu einem ganz eigenen Farbkonzept.

Fr Marc stellte das Blau die mnnlich-herbe Komponente dar, gelbe Tne versinnbildlichten die zarte, weibliche Natur. Und diese beiden mussten gegen das schwere und brutale Rot der Materie ankmpfen. Aus diesen Sichtweisen von den drei Grundfarben lieen sich durch Mischen und Beimengen sehr ausdrucksstarke Empfindungen entwickeln. Diese Farbkonzepte entwickelte Marc jedoch noch weiter. Das Blaue Pferd I und Das Blaue Pferd II sind Gemlde, die im Jahr 1911 entstanden. Hier sollte sich das Blau als Ausdruck des tierischen Wesens manifestieren und zugleich die Loslsung von den Hindernissen und Hemmnissen auf der Erde aufzeigen. Die gelbe Kuh verdeutlicht dagegen das Weiblich-Sinnliche.

Bereits im Folgejahr, nmlich 1912, malte Franz Marc das Bild Der Tiger. Dieses Gemlde darf als der Anfang seiner kubistischen Malweise gelten. Inspiriert dazu war er durch Gemlde von Picasso und Braque, die er allerdings besonders ausdrucksstark ausformte. Diesen Malstil perfektionierte Marc in den beiden folgenden Jahren – die Gegenstnde wandten sich dem Abstrakten zu und waren in prismahnlicher Weise aufgezeigt. Auch andere, meist eckige geometrische Formen finden sich in den Bildern dieser Zeit. Bei Der Turm der blauen Pferde etwa wird diese Tendenz besonders deutlich sprbar.

Denn die Landschaft im Hintergrund besteht lediglich aus Linien, die sich indessen zu eben diesen eher abstrakten Gefgen zusammenschlieen. Und die Tierschicksale schlielich, ebenfalls von 1913, zeigen ein blauweies Reh mit hochgerecktem Kopf, dem sich Wlfe, Schweine und Pferde nhern. Diese Angreifer sind nur undeutlich als die genannten Tiere auszumachen. Dagegen drckt die umgebende Landschaft durch die extrem spitzen Formen deutlich die Bedrohung aus. Marc notierte auf der Rckseite dieses Bildes, dass unser Dasein ein groes Leid sei. Diesen Satz erluterte er wenig spter seiner Frau gegenber als Vorahnung des tatschlich kurz bevorstehenden Kriegs.
Dass Franz Marc Opfer dieses Kriegs werden sollte – er fiel 1916 bei Verdun – ist als besondere Tragik seines Lebens zu deuten. Seine Hinwendung zur Abstraktion, die in seinen letzten Bildern ganz deutlich wird, erklrte er ein Jahr vor seinem Tod so: Er habe das Tier schon immer hher geachtet als den Menschen. Allerdings sei auch dieses Wesen nach und nach immer hsslicher und widersprchlicher geworden, sodass er gar nicht umhin gekommen sei, es abstrakt und schematisch abzubilden.
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