VOLLTEXTSUCHE
Fachartikel, 10.05.2011
Erfolgsmentalität
Was Manager von Spitzensportlern lernen können
Vieles aus dem Spitzensport ist auf die Wirtschaft und das Arbeitsleben übertragbar. So gilt in beiden Welten unter anderem: Ohne Ziel- und Leistungsorientierung, kein Erfolg!

Im letzten Winter hat die Biathletin Magdalena Neuner drei Medaillen in drei Rennen gewonnen. Ist dies ein Erfolg? Ja, ohne Zweifel. Waren alle drei Medaillen aus Gold? Nein. Beginnt der Erfolg nur da, wo jemand immer den ersten Platz belegt? Nicht ganz: Es kommt auf das Ziel an.

In der Einleitung wurde bereits angedeutet, wo Erfolg anfngt und endet: Erfolg ist abhngig vom angestrebten Ziel. Erfolg ist keine absolute Gre: Erst das tatschliche Erreichen eines festgelegten Zieles macht den Erfolg aus. So beschreiben ihn Martens und Kuhl: „Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele.“[1]

Hier fehlt allerdings noch eine Referenzgre. Wenn jemand den Marathon in 4,5 Stunden luft, mag dies fr ihn und fr den Freundeskreis ein Erfolg sein, weil er/sie den Marathon zu Ende gebracht hat. Fr Leistungssportler wre diese Zeit indiskutabel. D.h. Erfolg bedarf einer objektiven Messgre, eines Referenzpunktes. Die Wahl der Referenzgre kann sehr individuell sein und sie beschreibt gewissermaen Eigenschaften einer Persnlichkeit: den Siegeswillen und die Leistungsorientierung.

Der Siegertyp setzt die Messlatte bewusst hoch. Er orientiert sich am Sieg: am Platz eins. Er will partout diesen Platz erringen.  Wer kein Siegertyp ist, orientiert sich meistens am letzten Platz, den er nicht haben will. Er ist zufrieden, sofern er nicht den letzten Platz belegt. Mehr will er nicht. Das reicht ihm. Das ist sein Erfolg. Reicht uns dieser Erfolg? Ganz klar nein!

2. Einflussfaktoren des Erfolges

Welche Faktoren begnstigen den Erfolg? Damit beschftigen sich zahlreiche Coaches. Allein in XING gibt es ber 600 Berater, die sich dem Thema verschrieben haben. Jeder hat seine eigenen Methoden.

Ende 2009 entstand eine Studie ber die Einflussfaktoren der Arbeitsproduktivitt [2]. Mehrere der dort analysierten Faktoren lassen sich auf das Thema Erfolg bertragen. Nachfolgend werden einige dieser Faktoren wie z.B. Siegeswillen, Pflichterfllung, Locker bleiben nher beleuchtet.

Gute Unternehmer und Sportler haben klare Ziele und sie verfolgen diese konsequent. Andere Menschen haben vielleicht Ziele, aber sie sind nicht bereit, sich auf diese zu fokussieren. Als erster Faktor sei der Siegeswille erwhnt. Ohne Siegeswillen, ohne Siegesgewissheit kein Erfolg. Oder glauben Sie, dass ein Tennisspieler ein enges Match gewinnt, obwohl er eigentlich nicht gewinnen wollte? Was einen Sportler, einen Manager auszeichnet ist u.a. der Siegeswille. So sind Siegertypen: Sie wollen siegen und das motiviert sie. Und nur so gewinnen sie auch. Der Siegeswille gibt die Richtung vor. Er zieht den Siegertyp buchstblich zum Erfolg hin. So knnen Sie eine Besprechung, ein Meeting angehen. Wenn Sie siegen wollen, dann wollen Sie den Auftrag vom Kunden zu Ihrem Preis haben; dann wollen Sie, dass der Mitarbeiter X nach China geht usw. Sie gehen siegesgewiss an die Themen heran. Sie sprhen Siegesgewissheit und der Gegner, d.h. der Gesprchspartner wird Ihren Vorschlag mit groer Wahrscheinlichkeit annehmen.

Vom „alten Preuen“ her ist die Pflichterfllung her bekannt. Auch heute ist Pflichterfllung notwendig. Erfinder betonen immer, dass neben dem Talent auch Flei notwendig ist. Sportler trainieren gnadenlos, bis Trnen flieen. Pflichterfllung liefert die Basis fr den Erfolg: „Conditio sine qua, non.“ Sie ist eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung. Pflichterfllung darf jedoch das „Locker bleiben“ nicht blockieren.

„Der Mann, der klug und fleiig ist, eignet sich fr hohe Stabsverwaltung; der Mann, der klug und faul ist, eignet sich fr die wichtigsten Kommandos, er hat die Nerven, mit allen Situationen fertig zu werden“, Kurt von Hammerstein-Equord.

Beien Sie sich nicht am Plan fest, bleiben Sie locker. Vor lauter Pflichterfllung knnten Sie das Ziel aus den Augen verlieren, das „Drum-Herum“ nicht mehr sehen. Daher bleiben Sie locker. Behalten Sie den berblick! Locker bleiben bedeutet auch Ziele anstreben, die Sie „locker“ erreichen knnen. Wenn Sie sich „bernehmen“, d.h. Ziele anstreben, die Sie nicht erreichen knnen, dann helfen all diese positiven Faktoren nicht mehr.

Sei hier ein Vergleich aus dem Automobilumfeld gestattet: Fr jedes Auto gibt es eine maximale Kurvengeschwindigkeit. Mehr geht rein physikalisch nicht. Wenn das Auto diese Geschwindigkeit berschreitet, dann fliegt es aus der Kurve raus. Dies gilt auch fr Ihre Ziele. Nehmen Sie sich anspruchsvolle Ziele, die von Ihnen Anspannung und Anstrengung verlangen. Bleiben Sie dabei locker. Das ist die Kunst: Anstrengung und „locker bleiben“ gehren zusammen!

„Arbeit war fr Albert Einstein selbstverstndlich, aber nur wenn sie die Freiheit des Spielens zulie“, Rolf Brckner

Oben haben wurde das Thema Siegeswillen erwhnt. Dieser fhrt zwangslufig zur Anstrengung d.h. zur Bereitschaft, sich zu verausgaben. Siegertypen sind in der Lage, frs Ziel alles zu geben! Das ist ein klares Merkmal. Siegertypen knnen ihr Knnen im entscheidenden Moment abrufen. Z.B. bei den „Bigpoints“ im Tennis.

„Nobody is perfect“. Jeder hat Defizite, sogar groe Defizite. Dies ist kein Problem, solange man diese kennt und meidet. Erfolgreiche Menschen haben groe Defizite. Nur diese Menschen kennen diese Defizite genau und meiden diese konsequent. Zurzeit luft im Kino ein Film ber einen Stotterer, der das richtige Sprechen gelernt hat. Defizite abzubauen ist mglich. Ein Defizit in eine Fertigkeit umzuwandeln, dauert jedoch sehr lang. Defizite liegen vor, weil dafr keine Begabung in entsprechendem Umfang vorhanden ist. Erfolgreiche konzentrieren sich auf Ihre Begabung und meiden die Bereiche, wo sie Defizite haben.

“Liebe, Freundschaft, Solidaritt – diese Faktoren sind nicht nur Garanten fr privates Glck, sondern auch fr wirtschaftlichen Erfolg“, Ed Diener [3]

Benchmarken ist einer der bekanntesten Anglizismen der letzten Jahrzehnte. Benchmarken wird auf Prozesse, auf Unternehmen angewendet. Warum nicht auf Menschen? Warum diese Angst, sich mit den Besten zu messen? Sportler tun es gnadenlos. Es gibt Rankings zuhauf. Fhren Sie privat auch Ihr Ranking! Fragen Sie sich, warum dieser oder diese erfolgreicher war als Sie? Lernen Sie von anderen Menschen und zwar dauernd? Jeder Mensch hat groartige Eigenschaften. Von jedem Menschen knnen Sie einiges lernen. Messen Sie sich mit den Besten. Als Siegertyp orientieren Sie sich nach oben. Sie messen sich mit den Besseren.

Neulich war zu lesen, dass die Nr. 1 der Tennisweltrangliste den Griff am Schlger gendert hat. Warum? Sein Trainer hat den Aufschlag eines Mitbewerbers aufgezeichnet und festgestellt, dass dieser whrend der Ausholbewegung den Griff ndert. Dies fhrt zu einem besseren Aufschlag. Die Nr. 1 ist bereit, von einem anderen Tennisspieler zu lernen, der einen besseren Aufschlag hat. Phnomenal. Dies hilft zu verstehen, warum dieser Tennisspieler es zur Nr. 1 gebracht hat. Stndiges Benchmarken.

Kreativitt ist der Schlssel zum Neuen, zum Erfolg. Vor wenigen Jahren machte ein Rekord die Runde: Ein Schweizer habe das Matterhorn in nur 1 Stunde 56 Minuten bestiegen und zwar im Winter, auf der Nordwand und Solo. Der Schlssel zum Erfolg war eine gefrorene Wand. Erfolge entstehen durch neue Techniken, neue Methoden, neue Verfahren. Kreativitt setzt den Mut voraus, Neues zu wagen.

Ohne ein Mindestma an Begabung lsst sich kein Erfolg erzielen. Wie finden Sie heraus, wo Ihre Begabung liegt? Begabung fhrt dazu, dass Sie sehr schnell bestimmte Fertigkeiten entwickeln. Mozart hat im zarten Alter von 5 Jahren Konzerte gegeben.

Was haben Sie schneller als andere gelernt? Was knnen Sie besser als Ihre Kollegen, Freunde, Geschwister? Nicht das, was man „gern“ tut, kann man gut, sondern das, was man „gut“ tut. Begabung fhrt zur Leichtigkeit des Tuns [3] und zu schnellen Erfolgen. Bei einem guten Unternehmenslenker merkt man nicht, dass er fhrt. Das Fhren gehrt ganz natrlich zu seinem Wesen.

„Bei seinem Leisten bleiben“ fllt u. U. schwer. Erfolgreiche sind meistens nur in einem sehr engen Bereich erfolgreich. Der Erfolgreiche kennt seine Grenzen und wei diese nicht zu berschreiten. Nur wenige Menschen sind in der Lage, auch auerhalb der eigenen Grenzen erfolgreich zu sein.

Finden Sie heraus und zwar schnell, in welchem Umfeld Ihre Fertigkeiten erfolgreich zum Einsatz kommen knnen. Manche herausragende Leistungen sind teilweise, allein aus dem Schicksal heraus entstanden: der Vater von Mozart war Musiker. Was wre passiert, wenn Mozart nicht in Salzburg als Sohn eines Musikers sondern am Fue der Dolomiten als Bauernsohn zur Welt gekommen wre. Htten wir berhaupt von ihm gehrt?

„Ohne ein Mindestma an Begabung lsst sich kein Erfolg erzielen“


Wenn Sie aktiv nach Erfolgen suchen, dann suchen Sie bitte aktiv nach dem Umfeld, das zu Ihnen passt. Hier liegt der Schlssel zum Erfolg. Man knnte zusammenfassend folgende Gleichung aufstellen: Erfolg = Begabung + Umfeld

3. Merkmale des Erfolgreichen

Die nachfolgende Liste ist nicht priorisiert und auch nicht vollstndig. Sie gibt jedoch einige der wichtigsten Merkmale einer erfolgreichen Persnlichkeit wieder.

  1. Positives Denken: Positive Einstellung gegenber Anderen und gegenber Neuem.
  2. Mut: Bereitschaft, berechenbare Risiken einzugehen.
  3. Ausdauer und Zielstrebigkeit: Konsequente Verfolgung gesteckter Ziele.
  4. Siegeswillen: Drang, erfolgreich zu sein.
  5. Teamfhigkeit: Bereitschaft, die Andersartigkeit anderer positiv anzunehmen.
  6. Benchmarken: Bereitschaft, von anderen zu lernen.
  7. Selbstmotivation: innerer Antrieb.
  8. Begabung: Fertigkeit und Fhigkeiten vorhanden.
  9. Werteorientierung: Grundstze des Naturrechts werden verinnerlicht und praktiziert.
  10. Emotionale Stabilitt: Begrenzte Permeabilitt fr uere Faktoren.

[1]    Martens, J-U./Kuhl, J., „Die Kunst der Selbstmotivierung“, 3. Auflage, Stuttgart 2009, Seite 35
[2]    de Molina, K. „Einflussfaktoren der Arbeitsproduktivitt“, Kundenstudie, ThinkSimple, Dezember 2009 (Link: http://www.thinksimple.de/kundenstudien.31.0.html)
[3]    Ed Diener in Petra Thorbrietz, BMW Magazin 2010, Seite 68

ZUM AUTOR
ber Dr. Karl de Molina
ThinkSimple
Dr. Karl de Molina ist Spezialist für Arbeitsproduktivität, Gründer von FTronik GmbH sowie Entwickler des TS-Index® und der ThinkSimple® Methode.
ThinkSimple
Stefan-George-Ring 2
81929 München

+49-89-93086-280
WEITERE ARTIKEL DIESES AUTORS
Selbstmangement
Unserer Wahrnehmung nach wird unsere Welt jeden Tag ein wenig komplexer. Wie können wir diese ... mehr

ANDERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
Anzeige
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
EINTRGE
PR-DIENSTLEISTERVERZEICHNIS
PR-Dienstleisterverzeichnis
Kostenlos als PR-Agentur/-Dienstleister eintragen
Kostenfreies Verzeichnis fr PR-Agenturen und sonstige PR-Dienstleister mit umfangreichen Microsites (inkl. Kunden-Pressefchern). zum PR-Dienstleisterverzeichnis
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG