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Die Dosenpfandwelt des Sigmar Gabriel

(PM) , 31.10.2008 - Abfallexperte: „Umweltministerium trinkt sich die Mehrwegzahlen schn“

Berlin/Bonn - Das 2003 eingefhrte Pfand auf Einweg-Getrnkeverpackungen wie Dosen und Plastikflaschen hat nach Auffassung des Bundesumweltministeriums zu einem starken Anstieg des Mehrweganteils bei Bier gefhrt. „2006 betrug er 87 Prozent, vor Einfhrung des Dosenpfandes im Jahr 2003 lag er noch bei 68 Prozent. Insgesamt erreichte der Anteil der Mehrwegverpackungen und kologisch vorteilhafter Einwegverpackungen im Jahr 2006 knapp 60 Prozent und lag damit oberhalb der Daten vor Einfhrung des Dosenpfandes“, teilt das Bundesumweltministerium (BMU) www.bmu.de mit.

Das BMU rumt allerdings ein, dass bei Mineralwasser und Erfrischungsgetrnke ein deutlicher Rckgang des Mehrweganteils zu verzeichnen ist. . Teilweise werden mittlerweile die Werte vor Einfhrung des Einwegpfandes unterschritten. „Dies drfte vor allem auf den steigenden Marktanteil der Discounter zurckzufhren sein, die Getrnke ausschlielich in Einwegverpackungen verkaufen, insbesondere in Einweg-Kunststoffflaschen“, so das BMU.

„Die Dosenpfandwelt von Umweltminister Sigmar Gabriel stimmt nicht mit den tatschlichen Tendenzen des Getrnkemarktes berein“, kontert der Bonner Abfallexperte Sascha Schuh, Geschftsfhrer des Beratungshauses Ascon www.ascon-net.de. Die vom BMU verffentlichte Statistik vergleicht er mit dem VW-Effekt fr den DAX. „Zieht man die wesentlich aktuelleren Zahlen der Gesellschaft fr Konsumgterforschung (GfK) heran, sieht die Lage viel dramatischer aus. So ist der Mehrweganteil bei alkoholfreien Getrnken von 2002 bis 2007 von 51,4 auf unter 20 Prozent gesunken. Mineralwasser sackte sogar von 69,5 auf 38,0 Prozent. Wenn Bier und alkoholhaltige Mischgetrnke dem BMU zufolge diesen Rckgang wieder wettmachen, hat die Republik ein echtes Alkoholproblem und die Gesundheitsministerin steht wohl vor explodierenden Behandlungskosten. Aber vielleicht hat sich im BMU nur einer die Zahlen schn getrunken“, sagt Schuh gegenber NeueNachricht.

Kritik kommt auch aus dem Lager der Bundestagsopposition: „Bei dieser Meldung fragt man sich schon nach dem Realittssinn von Herrn Gabriel! Das Dosenpfand wirkt eben nicht, sondern hat seine Lenkungswirkung verfehlt. Der Anteil an Mehrwegflaschen sinkt kontinuierlich, denn immer mehr Deutsche greifen zur Einwegflasche. Darber knnen auch vermeintliche Erfolgsmeldungen des Bundesumweltministeriums nicht hinwegtuschen“, kritisiert Hors Meierhofer, Sprecher fr Entsorgungswirtschaft der FDP-Bundestagsfraktion.

Und selbst bei Bier ist die Mehrwegwelt nicht mehr in Ordnung. Nach dem Einweg-Boom im alkoholfreien Getrnkegeschft erreicht die Fachmrkte nun eine Discountoffensive in der Biersparte. Hunderte Existenzen sind schon dieses Jahr am Ende, berichtet die Lebensmittel Zeitung www.lz-net.de: „Der Blick von Sepp Gail, Geschftsfhrer des Einkaufsring der Deutschen Getrnkemrkte, ist ernst. ‚Wir stehen vor einer schlimmen Szenerie’, ist der Getrnkefachmann berzeugt“, schreibt die LZ. Nach Wasser, Softdrinks und Saft wrden die Discounter nun auch Bier in Einwegflaschen verstrkt anbieten. Trinkgut-Inhaber Torsten Toeller spre schon die ersten Auswirkungen. „Er geht davon aus, dass etwa 500 Hndler der schtzungsweise rund 11000 relevanten Fachmarktbetreiber in diesem Jahr endgltig den Schlssel ihrer Lden umdrehen. Der Geschftsfhrer der Hoffmann-Mrkte, Rolf Harder, hlt das eher fr die Untergrenze. Zunehmend mehr Verkaufsangebote flattern auf seinen Tisch“, so die LZ.

Fr die Discounter sei das Dosenpfand ein lukratives Geschft, wei Ascon-Chef Sascha Schuh. Sehr viele Pfand-Einwegflaschen werden gar nicht in den Handel zurckgebracht. Die Schwundquote liege weit ber 20 Prozent. Das knne man ber Analysen des Mlls sehr schnell feststellen: „Es werden schon Sortierer in der Mllwirtschaft beaufsichtigt, damit sie keine Pfandflaschen mit nach Hause nehmen, sondern auf den Bndern liegen lassen. Da kann man sich vorstellen, wie hoch der Anteil an PET-Einwegflaschen im Abfall ist. Der Gesetzgeber muss also schnell handeln und die novellierte Verpackungsverordnung nachjustieren, sonst kann der Mehrwegaderlass nicht aufgehalten werden“, warnt Schuh.

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