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Pressemitteilung

Dem Klima angepasst – Bauweisen in verschiedenen Klimazonen

(PM) Stuttgart, 06.04.2011 - Lehmhtte oder Glasfassade – kaum grer knnen die Gegenstze beim Bauen sein. Und doch haben diese extrem unterschiedlichen Bauweisen ihre Berechtigung, denn Bauen in der kalten Klimazone der Erde verluft anders als beispielsweise in tropischen Regionen. Versetzt man Baukonstruktionen unseres gemigten Klimas einfach in andere Klimazonen, sind unbehagliches Raumklima, hoher Energieverbrauch oder gar Bauschden vorprogrammiert. Welche Strategien sind erforderlich, um klimagerechte Bauten umwelt- und Ressourcenschonend zu errichten und den Nutzern thermische Behaglichkeit zum Wohnen und Arbeiten zu schaffen? Ein international ausgerichtetes Promotionskolleg bietet bis zu zehn Doktoranden die Chance, unter fachkundiger Betreuung ihre Arbeit zum Themenfeld klimagerechtes Bauen zu erstellen. Der Fokus des Kollegs richtet sich auf die Entwicklung nachhaltiger Bau- und Sanierungskonzepte auf der Grundlage regional- und klimaspezifischer traditioneller Bauweisen und wurde vom Lehrstuhl fr Bauphysik der Universitt Stuttgart sowie vom Fraunhofer-Institut fr Bauphysik ins Leben gerufen.

Will man nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit neue Gebude bauen oder bestehende sanieren, dann ist die Bauttigkeit den soziokulturellen Verhltnissen und den klimatischen Bedingungen so anzupassen, dass bei Wahrung der rtlichen Baukultur eine landestypische und von den Bewohnern akzeptierte Architektur entsteht ist die berzeugung von Prof. Dr.-Ing. Klaus Sedlbauer. Er ist Inhaber des Lehrstuhls fr Bauphysik an der Universitt Stuttgart sowie Leiter des Fraunhofer-Instituts fr Bauphysik und sieht in diesem Projekt die Verquickung von Forschung und Lehre im klassischen Fraunhofer’schen Sinne. Mein Ziel ist die Ausbildung von erstklassigen Bauingenieuren. Die erfolgreichen Absolventen knnen bald selbst einen Beitrag fr ihr Land leisten, indem sie die Grundlagen des klimagerechten Bauens in ihrem Land in die Praxis umsetzen.

Aktuelle Ereignisse wie die nukleare Katastrophe im japanischen Fukushima rtteln an der Technikglubigkeit. Wir brauchen daher neue Konzepte fr Stdtebau, Neubauvorhaben und insbesondere die zukunftsfhige Weiterentwicklung des Gebudebestandes, fhrt Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung aus. Hierzu kann man aus den ber Jahrhunderte erprobten passiven Klimatisierungsstrategien regionaler Gebudetypologien lernen, um mit heutigen technischen Mglichkeiten und fr heutige Komfortanforderungen optimierte Lsungen zu entwickeln. Die Disziplin der Bauphysik kann in diesem Kontext eine zentrale Rolle einnehmen.

Im Laufe der Zeit haben Menschen mit jeweils passenden Baumethoden auf das jeweilige Klima reagiert. Eine gute Gebudedmmung hat nicht nur etwas mit dem Schutz vor Klte zu tun, sagt Markus Zwerger von der Sto AG. Betrachtet man den Wrmeschutz weltweit, hat – je nach Klimazone – der sommerliche Schutz vor Wrme im Sden vor dem winterlichen Schutz vor Klte ein bergewicht. Dmmen ist jedoch in beiden Fllen notwendig und sinnvoll.

Prof. Schew-Ram Mehra vom Lehrstuhl fr Bauphysik hat die Fden in der Hand, wenn es um die inhaltlichen Schwerpunkte und die wissenschaftliche Koordination des Promotionskollegs Climate – Culture – Building geht. Das Kolleg ist ein europa- und weltweit einmaliges Projekt und hat zum Ziel, die Grundlagen des klimagerechten Bauens zu erforschen. Dies ist erforderlich, da die „moderne“ Architektur die Grundprinzipien der traditionellen Bauweise aus den Augen verloren hat. Wir mssen die vernakulare Architektur besser studieren, um daraus fr das klimagerechte Bauen der Zukunft zu lernen. Insbesondere mssen die Prinzipien des klimaangepassten Bauens in der Architektur und Bauingenieurausbildung verankert werden, betont Mehra.

Unsere Zukunft wird noch weitaus stdtischer geprgt sein als die Gegenwart, denn bereits im Jahr 2025 werden etwa 61 % der Weltbevlkerung in Metropolen leben. Auf rund die Hlfte beluft sich die gegenwrtige Zahl. In jngster Zeit entstehen weltweit neue Stdte in bisher unbekannter Dimension und Dynamik. Dabei stehen sich zwei Haltungen gegenber. Die eine setzt darauf, die in den westlichen Industrielndern Entwicklungen, technisch orientierten Standards weltweit zu kultivieren. Die andere Position argumentiert mit den lokal unterschiedlichen, klimatisch und kulturell definierten Rahmenbedingungen. Sie sollen unter Vermeidung aufwndiger Technologie der Ausgangspunkt fr den Entwurfsprozess komplexer Gebude sein. Jedoch geben globale Trends, wie der Klimawandel, Ressourcenverknappung und die Energiepreisentwicklung einer klimaangepassten Architektur gegenber einer unabdingbaren energieeffizienten Nutzung zunehmend mehr Gewicht.
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