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Bioplastik-Handys belasten die Umwelt

(PM) , 17.10.2008 - ko-Enthusiasmus der Hersteller geht ins Leere

Berlin/Bonn/Wien - Sie sollen fr Umweltschutz stehen: Mobiltelefone mit Gehusen aus Maisstrke und Kartoffeln erobern den Markt. Das Zauberwort heit „Bioplastik". Doch Experten bezweifeln nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ www.welt.de den Nutzen des Stoffes – sie halten die kobilanz der Produkte fr uerst negativ. „Das angeblich umweltfreundlichste Handy der Welt ist ein Nokia und besteht teilweise aus Mais. Genau genommen aus Maisstrke, denn sie ist der Grundstoff fr das Bioplastik, aus dem Nokia die Handyschale des Evolve 3110 gefertigt hat. Auch andere Hersteller lassen sich fr den umweltbewussten Kunden etwas einfallen. Samsung zum Beispiel verpasste seinem Einsteigermodell E200 ebenfalls eine Plastikhlle aus Mais und den Beinamen ECO. Fujitsu stellte vor Kurzem ein Laptop vor, dessen Gehuse aus einem Biokunststoff besteht“, so die Welt.

Den ko-Enthusiasmus vieler Hersteller teilen die meisten Experten nicht: „Wir stehen den Biokunststoffen bisher skeptisch bis ablehnend gegenber", sagt Wolfgang Beier vom Umweltbundesamt www.uba.de gegenber der Welt. Bisher habe niemand eine einwandfreie kobilanz, die allen Anforderungen und Normen genge, vorgelegt. Kaum ein Unternehmen beziehe alle Faktoren in seine inoffiziellen kobilanzen mit ein. Dazu wrden zum Beispiel der intensive Anbau von Mais, Kartoffeln oder Zuckerrben gehren, die als Rohstoffe dienen. Bewsserung, Anwendung von Pestiziden, Dngung und Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen gehren zustzlich mit in die Umweltbilanz des Unternehmens. Hinzu komme der Transport von Zucker oder Mais nach Europa. Ein weiteres, schwerwiegendes Problem ist, dass groe Anbauflchen notwendig sind, um den Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Der eigentliche Grund, warum Biokunststoffe ihrem grnen Image nicht gerecht werden, liege in der Herstellung des Materials.

Wissenschaftlich unseris ist nach Expertenmeinung die Behauptung, dass durch den Einsatz von Bioplastik kein Treibhauseffekt entsteht, da nachwachsende Rohstoffe durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid stndig neu gebildet werden: Um die tatschliche Umweltbelastung einer Verpackung festzustellen, mssen nach Auffassung von Christian Pladerer, Wissenschaftler des kologie Instituts www.ecology.at in Wien, alle relevanten Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe - inklusive Hilfsstoffe und Energietrger, ber die Transportwege bis hin zur Entsorgung betrachtet werden. „Es drfen also nicht nur einzelne Emissionen wie Kohlendioxid fr einzelne Abschnitte des Lebensweges berechnet werden“, so Pladerer im Interview mit NeueNachricht www.ne-na.de. Die rohstoff- und energieintensive industrielle Agrarwirtschaft, die Produktion von Bioplastik sowie die von den Herstellern empfohlene Kompostierung seien Aktivitten, die umweltschdliche Emissionen verursachen.

Kompostwerkbetreiber zweifeln die biologische Abbaubarkeit nicht nur an, sie haben sie auch widerlegt. Das Amt fr Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Heidelberg berichtet ber eigene Kompostierungsversuche von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Werkstoffen, in denen Biofolien auch nach etwa sechs Monaten noch nicht kompostiert waren. Der Rotteprozess im Heidelberger Kompostwerk sei aber verfahrenstechnisch auf zehn Wochen beschrnkt. Daher wrden die Biotten, die fr die Sammlung von Bioabfall verwendet werden, mit den anderen Strstoffen maschinell aussortiert und als Restmll entsorgt.

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen betont, dass biologisch abbaubare Kunststofftten, zum Beispiel aus Maisstrke, nicht in die Biotonne drfen. Die kurze Rottezeit im Kompostwerk von sechs bis acht Wochen knne zum Problem werden. Moderne Kompostwerke arbeiten also schneller als der Biokunststoff zerfallen kann. Die Betreiber sind einem groen Risiko ausgesetzt, wenn Biokunststoffe in die Anlagen kommen. Es knnte ihnen verboten werden, den Kompost zu vertreiben. Laut der Bundesgtegemeinschaft Kompost e.V. www.kompost.de in Kln drfen Komposte mit mehr als 0,5 Prozent Fremdstoffen nicht abgegeben werden. Abgesehen von der Verwechslungsgefahr von normalen und Biokunstoffen knnen letztere aktiv dazu beitragen, dass der Grenzwert fr Fremdstoffe berschritten wird. Wenn Biokunststoffe in der Verrottung trotz gegenteiliger Versuchsergebnisse schneller zerfallen, kann eine erhebliche Menge von kleinen Bruchstcken und Folienfetzen entstehen, die sich in der Fremd- und Strstoffabsiebung nicht beseitigen lassen. Auf den Anlagenbetreiber kommt dann der grte anzunehmende Unfall zu: Der Kompost muss kostenpflichtig als Restmll beseitigt werden. Eventuell mssen auch ausgelieferte Fehlchargen zurckgenommen werden. Viele Handy-Hersteller wollen trotz der fachlichen Kritik nicht auf das Material verzichten: „Wir versuchen, einen Beitrag zur Rettung der Erde zu leisten, und werden weiter, wo immer es mglich ist, auf Bioplastik setzen", sagt Samsung-Sprecherin Janine Rothe dem Bericht der Welt zufolge.

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