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Pressemitteilung

Bildungsrepublik Deutschland – Lernen ein Leben lang?

(PM) , 10.11.2008 - Die Erstausbildung durch Schulen, Berufsausbildung und Universitten ist lngst nicht mehr ausreichend, um im Beruf auf Dauer zu bestehen. „Lebenslanges Lernen“, heisst die Parole, aber wird diese auch wirklich ernst genommen? Was in Lndern wie Frankreich oder Schweden schon gngige Praxis ist, wird sich in Deutschland erst etablieren mssen.

„Wissen ist Macht“, wusste der englische Staatsmann Francis Bacon. In Zeiten der Globalisierung und der alles beherrschenden Prsenz ausgefeilter Informations- und Kommunikationstechnologien heit es mittlerweile „Knnen ist Macht“. Durch das Internet ist Wissen scheinbar zu einer offenen, jedem zugnglichen, Quelle geworden und hat damit seinen Stellenwert als wettbewerbsentscheidenden Faktor lngst eingebt. Wissen alleine ist heute kein Erfolgsgarant mehr. Wer sein Wissen nicht anwenden kann und seine Chancen nicht erkennt, kommt nicht voran. Die Forschung erweitert das bestehende Wissen stndig und in einigen Bereichen ersetzen neue Erkenntnisse gar alte Leitstze. Ohne Weiterbildung ist es da schwierig, den Anschluss zu halten.
Dazu kommt, dass sich einzelne Berufsbilder selbst grundlegend verndert haben und sich weiterhin, durch neue Technologien und Verfahren, in einem stndigen Vernderungsprozess befinden. Das Diplom in Informatik beispielsweise ist fr die meisten Beschftigten im IT-Bereich nur noch eine Teilqualifikation, da immer mehr Unternehmen detaillierte Branchenkenntnisse - und Soft-Skills sowie Fhrungsqualitten voraussetzen. Weiterbildung von Unternehmen zielt heute darauf ab, den Einzelnen in seinen Fhigkeiten voranzubringen, Talente fokussiert zu entdecken und zu frdern sowie persnliche und soziale Kompetenzen zu erweitern im Sinne der Firmenanforderungen. Es geht darum Neues zu erlernen, Bekanntes zu verdichten und individuelle Lernstrategien zu entwickeln. Wobei natrlich Qualifikationen alleine auch nicht zum gewnschten Erfolg fhren, sondern nur im Zusammenspiel mit Knnen und Kompetenz, dazu braucht es neben Weiterbildungsmanahmen vor allem Erfahrung.

Weiterbildung in Zahlen

Nur jeder dritte Arbeitnehmer nahm im vergangenen Jahr in Deutschland an betrieblichen Weiterbildungsmanahmen teil und der Trend zeigt, dass ltere Arbeitnehmer klar unterreprsentiert sind. Vor allem nach dem 50. Lebensjahr nimmt die Beteiligung an entsprechenden Manahmen erheblich ab. Als Grnde knnte man vermuten, dass fr erfahrene Arbeitnehmer mit dem Konzept der Weiterbildung noch immer eine negative Assoziation der mangelnden Kompetenz mitschwingt oder dass sie nicht mehr die Notwendigkeit sehen, ihr Wissen zu erweitern. Die lange Zeit geltende Annahme, wonach unser Gehirn nur in einem begrenzten Zeitfenster effektiv neues Wissen erwerben kann, hat die Wissenschaft lngst widerlegt. Festgestellt hat sie unterdessen, dass ltere Menschen anders lernen und vor allem praxisnahe Trainings fr die Generation 50+ gute Lernerfolge erzielen.
Die Bereitschaft und Offenheit gegenber Soft-Skill-Kursen, aber auch fachlichen Weiterbildungskursen ist bei der Gruppe bis 40 Jahren erheblich grer. Doch auch hier sind es vor allem die Leistungswilligen, die sich gezielt fortbilden. Laut einer Studie des Bundesministeriums fr Bildung und Forschung bilden sich unter ihnen ber zwei Drittel regelmig beruflich fort. Nach ihrer Motivation befragt, sagt die Mehrheit aller Befragten, dass sie sich fortbilden, um ihre beruflichen Aussichten zu verbessern. Wer bereit ist, sich weiterzubilden muss auch bereit sein, sein eigenes Wissen zu hinterfragen und auf den Prfstand zu stellen und auch in Kauf nehmen beim ben Fehler zu machen.

Fehler gehren dazu

Wer lernt, macht Fehler. Fr viele Erwachsene ist genau das ein Problem. Fehler knnen viele nur schwer akzeptieren, obwohl sie zum Lernprozess gehren. Wenn Kinder laufen lernen, dann fallen sie, werden fr ihren Mut gelobt und ermutigt weiter zu machen, fallen wieder … Erwachsene dagegen glauben oft selbst, dass Fehler Schwchen sind und darum um jeden Preis vermieden werden mssen. Wer sich jedoch keine Fehlertoleranz erlaubt, lernt nicht und stagniert zwangsweise.

Die Stufen des Lernens

Gregory Bateson hat ein viel zitiertes Anschauungsmodell entwickelt, welches den Lernprozess in vier Stufen gliedert. Die erste Stufe bildet die „Unbewusste Inkompetenz“; es ist einem gar nicht bewusst, dass man etwas nicht kann oder wei. Die zweite Stufe ist die „Bewusste Inkompetenz“; hier ist man sich bewusst, dass man ber eine Fhigkeit oder Wissen nicht verfgt und man bt diese Fhigkeit, ist aber noch nicht kompetent. In dieser Phase reagieren Erwachsene meist verunsichert, anders als Kinder, die sich begeistert in neue Lernabenteuer strzen und sich ber die Mglichkeiten ihrer neuen Entdeckungen freuen, mssen Erwachsene erst ihre ngste vor Fehlern und neuen Herausforderungen berwinden. „Bewusste Kompetenz“ ist die dritte Stufe; hier verfgt man ber eine Fhigkeit, diese ist jedoch noch nicht voll ausgereift und bedarf einer erhhten Konzentration. Wenn diese Fhigkeit zur Gewohnheit geworden ist, dann ist die vierte Stufe erreicht „unbewusste Kompetenz“. Der Autor und NLP-Trainer Joseph O’Connor ergnzte dieses Modell um eine fnfte Stufe „Die Meisterschaft“. Diese beinhaltet fr ihn „eine sthetische Dimension – Meisterschaft ist effizient und auerdem wunderbar anzuschauen. Wenn sie Meisterschaft erlangt haben, mssen sie nichts mehr versuchen, […] Sie kommen in einen „Flow – Zustand“. Es kostet Zeit und Mhe dahin zu kommen, aber die Ergebnisse haben etwas Zauberhaftes. Sie merken gleich, wenn sie einem Meister zuschauen, denn bei ihm sieht alles einfach aus, selbst wenn sie nicht jede Facette dieser Fertigkeit schtzen.“

Lebenslanger Bildungsprozess

Bildung ist heute kein Lebensabschnitt mehr, den man mit Verlassen der Schule oder Universitt abgeschlossen hat, sondern ein lebensbegleitender Entwicklungsprozess. Whrend jedoch die Ausgaben jedes Einzelnen fr Weiterbildungsmanahmen steigen, sinkt, laut Statistischem Bundesamt, die Untersttzung der Arbeitgeber. 2005 lieen sich Unternehmen die Manahmen pro Mitarbeiter 504 Euro kosten, das waren im Schnitt 8 Prozent weniger, als sie noch 1999 dafr ausgaben.
Vom Berufsanfnger bis hin zur erfahrenen Fhrungskraft muss heute jeder die eigenen Qualifikationen immer wieder berprfen und erweitern. Der – von Frau Merkel postulierte – Begriff „Bildungsrepublik Deutschland“, in Verbindung mit der Eigenverantwortung fr die persnliche Weiterbildung, prgt die ffentliche Diskussion in Deutschland. Das Thema wird jedoch nicht nur hierzulande errtert. In ganz Europa wird Weiterbildung als Schlsselfaktor fr Erfolg angesehen, der ber die Sicherheit des Arbeitsplatzes, ein gutes Einkommen und auch die Einstiegschancen whrend der Arbeitssuche entscheiden kann.
In Frankreich existiert bereits ein funktionierendes Netzwerk zwischen Betrieben, Tarifparteien und dem Staat. Und auch in Deutschland gibt es zahlreiche Bemhungen und Initiativen, um berufliche Weiterbildung verstrkt zu frdern. Bisher ist jedoch zwischen diesen Initiativen und der tatschlichen Nutzung von Weiterbildungsprogrammen eine erhebliche Diskrepanz.

Politische Stimulation

Gerade im Hinblick auf die Alterung der Gesellschaft und den damit verbundenen viel gefrchteten Fachkrftemangel, werden Stimmen lauter, die bundesweite Regelungen zur Weiterbildung fordern. Die Bundesregierung reagierte hierauf mit der gro angelegten Offensive „Lebenslanges Lernen“, durch die eine Weiterbildungsquote von 50 Prozent erreicht werden soll. Der Kreis der Untersttzer wchst kontinuierlich. Von den groen Gewerkschaftsverbnden bis hin zum Bundesverband mittelstndischer Wirtschaft wollen Politik und Wirtschaft gemeinsam die Rahmenbedingungen fr Arbeitnehmer und auch Arbeitssuchende verbessern. Die im Frhjahr von der Bundesregierung beschlossenen Bildungsprmie soll Arbeitnehmer mit geringen Einkommen zu mehr Eigeninitiative bei der beruflichen Weiterbildung motivieren. Ab Oktober dieses Jahres knnen Arbeitgeber, deren Einkommen unter 17.900 Euro im Jahr liegt (Ehepaare 35.800), eine Bildungsprmie von 154 Euro pro Jahr beantragen. Voraussetzung ist, dass sich der Arbeitnehmer mit einem Eigenbetrag von mindestens der gleichen Hhe beteiligt.

Das Ziel: Weiterbildung als Breitensport

Berufliche Weiterbildung ist jedoch nur dann effektiv, wenn die Bereitschaft zur Weiterbildung vom Einzelnen kommt. Der Schlssel hierzu ist die eigene Neugierde und der Spa an neuen Fhigkeiten. Die meisten Menschen brauchen ein konkretes, individuelles Ziel, das sie motiviert. Viele mssen neben den eigenen Motivationsimpulsen auch das Lernen wieder erlernen bzw. wiederentdecken. Damit verhlt es sich so, wie mit dem Fahrradfahren, wenn man es lange nicht tut, verlernt man es zwar nicht ganz, aber es fllt einem schwer, damit wieder anzufangen. Die ersten Fahrten / Lektionen sind mhsam und es braucht eine Weile, um wieder den richtigen Tritt zu finden. Wer die Anfangstrgheit berwunden hat und die ersten selbstgesetzten Etappenziele erreicht, gewinnt durch positive Erfahrungen an Motivation hinzu. Der Schweizer Philosoph und Autor Peter Bieri sagte einmal dazu: „Bildung ist etwas, das Menschen mit sich und fr sich machen: Man bildet sich. Ausbilden knnen uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst. […] Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel, etwas zu knnen.“ Wenn man sich weiterbildet, arbeitet man laut Bieri daran: „etwas zu werden – wir streben danach, auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein.“ In diesem Sinne: Seien Sie neugierig und suchen Sie nach neuen Perspektiven und Herausforderungen.

Zur Autorin
Gilla Vogel-Berquet ist Leiterin der Benmark University. Sie studierte Kommunikationswissenschaften und BWL und arbeitet seit ber fnfzehn Jahren erfolgreich als Trainerin, Beraterin und Managerin. Frau Vogel-Berquets Schwerpunkt liegt in der Fhrungskrfteentwicklung und Management Diagnostik. Darber hinaus verfgt sie ber langjhrige Erfahrungen im Bereich Business Coaching, Projektmanagement und Training in groen internationalen Konzernen und Beratungshusern.

ber Benmark
Benmark ist ein internationales Beratungshaus fr Management- und IT-Consulting mit Niederlassungen in sterreich, Deutschland und der Schweiz.
Mit der Benmark University wurde eine Plattform geschaffen, die es sich als Ziel gesetzt hat, Wissen, Methoden und Ideen zur professionellen Bewltigung des Berufsalltags zu vermitteln und ihre Besucher zu Knnern auszubilden.
Weitere Informationen unter www.benmark.net und
www.benmark-university.com.

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