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Kolumne
Chefsache Fhrung, 13.09.2010
Ballacks Führungsstil
Wer ist hier eigentlich der Chef?
Die breite Öffentlichkeit diskutiert die K-Frage: Soll Michael Ballack weiter Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft sein? Doch diese Frage geht am wirklichen Chef Joachim Löw und dessen sich darin widerspiegelnden schlechten Führungsstil vorbei.
„Ballacks Zeit ist abgelaufen“ titelt das serise Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 01.09.2010. Managementberater kritisieren die Personalpolitik von Fuball-Bundestrainer Joachim Lw.
Mal wieder wird der Vergleich zwischen Fuball und Management bemht. Zitat: „Denn nur mal angenommen: Die Nationalelf ist ein Unternehmen und Michael Ballack der Vorstandschef. Dann wren seine Tage gezhlt.“ Auf dieser kruden Idee werden dann pltzlich Ballacks autoritrer Fhrungsstil als nicht mehr zeitgem und die Fhrung durch ein Team als moderner Fhrungsstil propagiert. Fakt ist: Die Nationalelf ist kein Unternehmen und dessen Chef ist vor allem Joachim Lw und eben nicht Michael Ballack!

Erweckt der Titel also auf den ersten Blick den Eindruck, es ginge um die Personalpolitik Lws, entpuppt er sich schnell als Generalabrechnung mit einem verdienstvollen Mitarbeiter. Vllig aus dem Blick gert, welche Rolle der wirkliche Boss, unser aller Bundestrainer Jogi, in diesem Spiel einnimmt. Vor den Augen der ffentlichkeit vollzieht sich um die Person Ballack eine miserable Fhrungsleistung – und keiner bemerkt es. Das ist das wirklich bedeutungsvolle an der aktuellen Diskussion um die Kapitnsbinde der deutschen Fuballnationalmannschaft!

Wie kann das passieren? Schauen wir uns zunchst die Fakten an: Erstens: Michael Ballack ist in den letzten 10 Jahren unbestritten einer der besten Fuballer Deutschlands und hat sich in fast 100 Lnderspielen und weit ber 300 Pflichtspielen bewiesen. Dadurch hat er sich - auch international - um den deutschen Fuball verdient gemacht.

Zweitens: Die Rolle des Spielfhrers oder Kapitns. Sie ist als herausragende Rolle innerhalb der Mannschaft definiert. Zu seinen Aufgaben gehrt es, Ansprechpartner fr den Schiedsrichter zu sein, an der Platzwahl teilzunehmen und die Anweisungen des Trainers auf dem Platz an die Teamkollegen weiterzugeben. Daneben hat er die Interessen der Mannschaft gegenber Trainer, Verband und Schiedsrichter zu vertreten. Soweit Wikipedia. Und mehr eben nicht!

Drittens: Ballack verletzte sich im letzten Pflichtspiel fr Chelsea und konnte deshalb an der WM in Sdafrika nicht teilnehmen. In seinem letzten Lnderspiel trug er die Kapitnsbinde. Wie vor ihm alle anderen Spielfhrer durfte er zu recht davon ausgehen, nach Genesung diese selbstverstndlich wieder berzustreifen. Mit Start der Bundesligasaison am 20.08.2010 nahm er - noch nicht berragend, aber hinlnglich fit - wieder aktiv am Spielbetrieb teil.

Viertens: Bundestrainer Lw benennt fr die WM Philipp Lahm als Ersatz zum Mannschaftskapitn. Dieser findet gefallen an der Rolle und fordert die Kapitnsbinde auch fr die Zeit nach der WM.

Und hier beginnen die eklatanten Fhrungsfehler des Joachim Lw. Denn er ist der Chef der Nationalmannschaft und nicht der Spieler, der die Kapitnsbinde trgt. Und Chef Lw hat eine wochenlange, auch in der ffentlichkeit gefhrte Diskussion um die Kapitnsbinde zugelassen. Wofr ist das gut, wenn es doch seit Jahren einen etablierten Kapitn gibt? Warum gibt er damit dem Thema erst Bedeutung?

Erst am 01.09.2010 uert sich Lw in einer Pressekonferenz zur mittlerweile hochstilisierten „K-Frage“. Er bekundet, dass Ballack weiter Kapitn der Mannschaft sei. Gleichzeitig hatte er Ballack bei der Nominierung des Kaders fr die ersten beiden Europameisterschafts-Qualifikationsspiele aber nicht bercksichtigt. Damit bleibt Lahm Kapitn. Nachfragen, inwieweit die Nominierung Ballacks im Oktober ansteht, weicht er mit Hinweis auf dessen Form aus. Zwar bekundet er Ballacks Verdienste, erklrt diese gleichzeitig aber als obsolet fr eine weitere Nominierung. Da misst eine Fhrungskraft mit zweierlei Ma. Die ganze Nation echauffierte sich in der letzten Saison ber Lws „Affenliebe“ zu Podolski und Klose. Er hielt ihnen lange die Stange, obwohl deren Saisonleistungen unbestritten schlecht waren. Und bei Ballack? Mit gleicher Brille betrachtet, htte er diesen auch in seiner jetzigen Form fr die Qualifikationsspiele aufstellen oder zumindest nominieren mssen. Umso mehr, wenn ihm wirklich etwas an der Person und dem Spieler Ballack liegt. Ebenso, weil er damit deutlich signalisiert htte: „Du gehrst weiter dazu“.

Stattdessen hat er durch sein wochenlanges Zaudern zugelassen, dass Person und Ansehen Ballacks in Frage gestellt wird. Eigentlich ohne Not, auer – und damit knnte sein Verhalten in einem vllig neuem Licht erscheinen - es war fr Lw eine willkommene Gelegenheit, einen unangenehmen und unbeliebten Spieler “elegant“ zu demontieren und aufs Altenteil zu schieben.

Was wrde die ffentlichkeit, was wrde jeder Mitarbeiter von einem Chef halten, der sich verdienstvollen Mitarbeitern gegenber so verhlt und diese bei der ersten sich bietenden Gelegenheit fallen lsst? Was wrden Sie denken? Vielleicht: „Wenn hier in dieser Firma so mit den verdienstvollen Mitarbeitern umgesprungen wird, dann wird mir fr mich als „Normalo“ Angst und Bange!“ Richtig. Und das ist dann der moderne Fhrungsstil - oder ist es einfach nur die Feigheit, Ballack aber auch der ffentlichkeit mitzuteilen, dass Lw in Zukunft nicht mehr auf ihn baut? Das wre hart, nach all den Verdiensten. Aber nur so wre es fair und ehrlich. Und dann knnte man Ballack einen Abschied bereiten, der seiner Person und seinen Verdiensten um den deutschen Fuball wrdig wre. Ein Schlussstrich wre gezogen und gleichzeitig der Startschuss fr das neue, junge Team mit einem neuen Kapitn gegeben. Doch dazu braucht es Gre. Davon scheint der wirkliche Boss Lw aber weit entfernt. Schade.
ZUM KOLUMNIST
ber Roland Jäger
Roland Jäger ist Unternehmensberater, Trainer, Coach und Buchautor. Nach Berufsjahren im Banken- und Finanzwesen arbeitete er im Management einer renommierten Privatbank und in einem bedeutenden Beratungsunternehmen. Seit 2002 ist er Inhaber der rj management ... mehr
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