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Auf schmalen Reifen nach vorne

(PM) , 29.05.2007 - Geringe Stckzahlen, hohe Umsatzanteile und jede Menge Kohle: Carbon-Hype und der Trend zum Breitensport machen das Rennrad trotz der aktuellen Profisport-Misere attraktiv. [pd-f] Wenn es ums Massengeschft geht, spielt die Knigsklasse des Fahrrades keine berragende Rolle: Rennrder dienen als Technologietrger und Image-Produkte, was ihren Marktanteil angeht, findet man sie in den Statistiken jedoch unter "ferner liefen". Schtzungsweise zwei Prozent der 4,45 Millionen 2006 in Deutschland verkauften Fahrrder sind der Gattung "Rennrad" zuzuordnen - so wenig, dass sich der Zweirad-Industrie-Verband e. V. bei seiner jhrlichen Marktbersicht nicht mal die Mhe macht, sie gesondert aufzulisten. Die Radsportgerte werden zusammen mit den sogenannten Fitnessbikes (Trimm-Rennrad mit geradem Lenker) und Crossbikes (28-Zoll-Gelnderder) in einen Topf geworfen; der Marktanteil dieses Dreigestirns beluft sich dann auf immerhin acht Prozent. Etwas besser sieht es brigens in der Schweiz aus: Dort waren 2006 4,3 Prozent aller verkaufen Fahrrder "Rennvelos", ganze 12.800 Stck. Doch diese Zahlen drfen nicht darber hinwegtuschen, dass sich der Radsport groer Beliebtheit erfreut - zumindest auf Seiten der Aktiven. Auf Rennradfahrer zugeschnittene Breitensport-Events haben Hochkonjunktur; Massenveranstaltungen wie die Vattenfall Cyclassics in Hamburg ziehen 20.000 Starter an und Deutschlands Rad-Sponsor Nummer eins, T-Mobile, organisiert seit 2006 eine Jahreswertung fr Hobbyfahrer, die bei den groen "Jedermann-Veranstaltungen", so der Szene-Jargon, am Start sind. Die Fahrradindustrie freut sich ber diesen Trend, denn auch wenn Rennmaschinen stckzahlenmig wenig relevant sind, so sind sie aufgrund der hohen Preise doch attraktive Umsatzbringer: Einer Umfrage des Branchenmagazins SAZ Bike zufolge machten Rennrder im Jahr 2006 9,6 Prozent des mit Fahrrdern erzielten Umsatzes im Fachhandel aus - im Vergleich zu 2005 eine Steigerung um 1,3 Prozent, trotz Fuball-WM und Tour-de-France-Debakel. Das liegt auch daran, dass Rennrder zu fast 100 Prozent vom spezialisierten Fachhandel und einigen wenigen Versendern verkauft werden - die "grne Wiese" hlt sich lieber an billige Cityrder und Primitiv-Mountainbikes. Und immer wieder regt die Industrie den eigentlich eher konservativ eingestellten Rennradfahrer zum Kauf eines neuen Modells an. So schaffte der US-Hersteller SRAM (www.sram.com) etwas, das die gesamte Szene fr unmglich hielt: zwei komplette Komponentengruppen ("Force" und "Rival") inklusive innovativer und eigenstndiger Schaltbremshebel auf den Markt zu bringen. Hightech findet sich auch an eher unaufflligen Bauteilen wie der Bereifung: Nur noch 195 Gramm zuzglich Schlauch wiegt ein guter Rennrad-Pneu wie der "Ultremo" von Schwalbe (www.schwalbe.de) mit einer optimalen Verbindung von Haftung und Abriebfestigkeit sowie einer Pannenschutzlage aus der Weltraumfaser Vectran. Schon ein vernnftig ausgestatteter Einsteiger-Renner kostet 600 Euro; auf der nach oben offenen Preisskala liegt eine profigerechte Carbon-Rennmaschine mit superleichten Systemlaufrdern zurzeit bei gut 6000 Euro. "Carbon" und "Leichtbau" sind dann auch die Schlagwrter, mit denen sich die Trends der Rennrad-Szene beschreiben lassen. Ein solides Brot-und-Butter-Rennrad fr 1700 Euro wiegt mit Pedalen rund 8,5 Kilo. Was preislich ber diese Summe hinausgeht, ist nahezu ausschlielich der Jagd nach dem Minimalgewicht geschuldet, und das geht eben zunehmend ber den Einsatz des begehrten Fasermaterials. Inzwischen gibt es fast alle Komponenten des Rennrades in einer Kohle-Version: Rahmen, Gabel, verbreitet sind auch Tretkurbeln, Felgen und Einzelteile von Schaltwerken und Schalthebeln. Ironischerweise macht ausgerechnet das hchste Organ des Radsports diesen Trend nicht mit, nmlich die Union Cyclisme International, der Rennsport-Weltverband: Dessen Statuten verfgen, dass ein im Rennsport benutztes Rad nicht weniger als 6,8 Kilo wiegen darf, der Chancengleichheit halber. Weshalb die Mechaniker der Profi-Rennstlle mit kleinen Bleigewichten oder lteren, schweren Sattelmodellen hantieren. So mancher kaufkrftige Hobbysportler fhrt ein leichteres, teureres Rad als ein Profi - und so mancher Besitzer eines Edel-Rennrads nutzt sein gutes Stck eher zum "Posing" als zum fahren. Unter den gut verdienenden New Yorker Brsianern ist es schon lnger en vogue, die Mittagspause im Central Park auf dem italienischen Edelrenner zu verbringen, stilecht gekleidet in ein wollenes Retro-Trikot. Dabei sind die beruflich Erfolgreichen oftmals auch im Radsport sehr ehrgeizig. Ein Trend, der nicht nur in die Brsenstadt Frankfurt geschwappt ist: Beim Telekommunikations-Giganten T-Mobile in Bonn gehrt der Radsport inzwischen auch bei der Belegschaft zum guten Ton - und Topmanager wie der einstige Finanzchef Thomas Winkler gehen mit gutem Beispiel voran. Nchternen Sportlern, die jenseits vom Material-Hype einfach nur Rennrad fahren wollen, bietet die Branche inzwischen mageschneiderte Konzepte. Vom Mountainbike bekannte Dreifach-Kurbelstze, die die Bergtauglichkeit erhhen, sind inzwischen weitgehend sogenannten Kompakt-Kurbeln gewichen - zwei im Vergleich zur herkmmlichen Profi-bersetzung etwas kleinere Kettenbltter erleichtern das Bergfahren und bieten dabei Rennrad-typische Optik und gewohnten Schaltkomfort. Stark im Kommen sind Rennrder mit "kompakter" Sitzposition. Ein gutes Beispiel bietet die Firma Felt (www.felt.de): Den Radprofis vom Team Felt-Wiesenhof stellt die Schmiede das Carbon-Topmodell "F1" mit sportlicher Sitzhaltung zur Verfgung; preislich und in Sachen Gewicht identisch ist das "Z25", das jedoch mit einem um gut vier Zentimeter lngeren Steuerrohr und einem krzeren Oberrohr eine bequeme, aufrechte Haltung erlaubt. Passend dazu kommen die sogenannten Compact-Kurbeln zum Einsatz. "Diese bieten eine bergtaugliche bersetzung bei denoch rasant sportlicher Optik", erklrt Dirk Belling von Sram. Und neuerdings wird auch der Rennlenker entschrft: Bei manchen Modellen liegen die "Unterlenker" genannten Griffenden nicht mehr ganz so weit unten, was in der entsprechenden Griffposition "weniger Buckeln" bedeutet. Komponenten wie der winkelverstellbare "Swell"-Vorbau (Humpert, www.humpert.com) , der technisch und optisch auf hohem Niveau liegt, machen auch konventionelle Rennrder komfortabel - ganz ganz ohne Cityrad-Touch.
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