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News, 28.02.2018
Kinder von Arbeiterfamilien benachteiligt
ifo Institut sieht unzureichende Chancengerechtigkeit in Deutschland
Nach Meinung des ifo Instituts besteht im Hinblick auf die Chancengerechtigkeit in Deutschland Handlungsbedarf. Defizite sieht das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut vor allem in der frühkindlichen Bildung, wo Kinder von Arbeiterfamilien deutlich benachteiligt seien.
Ein Grund für die Chancenungleichheit: Ein Missverhältnis bei den Bildungsinvestitionen.
Ein Grund für die Chancenungleichheit: Ein Missverhältnis bei den Bildungsinvestitionen.
Das ifo Institut in München plädiert für bildungs- und sozialpolitische Reformen zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit in Deutschland. „Der Schulerfolg von Kindern in Deutschland hängt stärker als in anderen Länder von den Eltern ab, von deren Einkommen und deren Bildung“,  teilte Andreas Peichl, Leiter des ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, anlässlich des UNO-Jahrestages für Soziale Gerechtigkeit mit. „Für ein Kind aus einer Akademikerfamilie ist die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, deutlich höher als für ein Kind aus einer Arbeiterfamilie, bei gleichen Schulleistungen“, konstatierte Peichl. So gebe Deutschland vergleichsweise wenig Geld für Bildung im Kleinkindalter und  viel Geld für die Hochschulbildung aus. „Wir brauchen daher mehr Investitionen in die frühkindliche Bildung – nicht nur in Betreuung“, so der ifo-Wirtschaftsforscher.

Allein mit einer Neujustierung der Bildungsinvestitionen zugunsten der frühkindlichen Bildung und damit einer Behebung des Missverhältnisses bei den Bildungsausgaben ist es aus Sicht des ifo Instituts aber nicht getan. Peichl zufolge müsse auch die Sozialpolitik zielgenauer gestalten werden. „Bei Niedrigverdienern führt das Zusammenwirken von wegfallenden Sozialleistungen, Abgaben und Steuern dazu, dass immer wieder mehr brutto zu weniger netto führt. Das ist absurd“, so der Ökonom. „Außerdem sollten wir die Qualifizierung und Weiterbildung von Geringverdienern dringend verbessern, damit sie aufsteigen können und die Unternehmen die dringend benötigten Fachkräfte bekommen.“

Mit der immer wieder von Arbeitnehmervertretungen und sozialen Organisation geäußerten Behauptung einer steigenden Einkommensungleichheit in Deutschland räumt der Wirtschaftsexperte dagegen auf.  „Dies stimmte nur bis zum Jahre 2005. Seitdem geht es je nach Maß seitwärts oder sogar zurück“, so Peichl.

cs/ifo; Bild: tolmacho / pixabay
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