News, 08.03.2018
Perspektive Mittelstand
Zuwanderung regionaler Wachstumsmotor
Zuwanderer stärken lokale Wirtschaft
Viele Städte in Deutschland, insbesondere die Metropolregionen, sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Befördert wurde das Städtewachstum nicht zuletzt von der starken Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland. Sie sorgen für mehr Konsum und stärken die lokale Wirtschaft, zeigt eine aktuelle Studie.
Die starke Zuwanderung in den vergangenen Jahren hat das Wachstum der Städte in Deutschland beschleunigt. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Dies zeigt sich insbesondere an Berlin: Hier legte das einzelhandelsrelevante Konsumpotenzial, das heißt das Geld, das Menschen rechnerisch nach Abzug von Steuern, Abgaben und Wohnkosten für Essen, Kleidung etc. zum Leben zur Verfügung haben, unter anderem durch die hohe Zuwanderung zwischen 2011 und 2015 nominal um rund 1,3 Prozent jährlich zu. „Das macht ein Plus von rund 610 Millionen Euro, die jährlich zusätzlich in den lokalen Handel fließen können“, so das IW Köln. Auch in den Metropolregionen München (+ 357 Mio. Euro jährlich), Hamburg (+ 268 Mio. Euro) und Frankfurt (+ 186 Mio. Euro) nimmt das Konsumpotenzial kontinuierlich zu. Gleiches gilt für Köln (+ 164 Mio. Euro), Stuttgart (+ 143 Mio. Euro) und Leipzig (+ 125 Mio. Euro).

Aber auch die Städte in unmittelbarer Nähe zu den Ballungszentren profitieren erheblich von der Zuwanderung und dem damit einhergehend steigenden Konsumpotenzial. "Sie punkten mit ihrer guten Infrastruktur, niedrigeren Mieten und der Anbindung an die Metropolen", erklärt IW-Wissenschaftler Björn Seipelt. Eine entsprechende Entwicklung zeigt sich unter bei Heilbronn nahe Stuttgart mit einem Zuwachs von 41 Millionen Euro und dem vor den Toren Berlins gelegenem Potsdam mit einem Plus von 33 Millionen Euro jährlich. Gleiches gilt für Offenbach, das von seiner Nähe zu Frankfurt profitiert und jährlich mit einem Zugewinn von 24 Millionen Euro rechnen kann. "Gerade gut ausgebildete Einwanderer ziehen in die Nähe der Metropolen und stärken damit die Wirtschaft", so der IW-Experte.

Die stärksten Zuwächse des Konsumpotenzials verzeichnen Großstädte mit bis zu 500.000 Einwohnern, zeigt die IW-Studie. "Auch in der vermeintlichen Provinz profitieren attraktive Städte von der Zuwanderung und dem Bevölkerungswachstum", konstatiert Seipel. So ermittelte die Studie beispielsweise für die Städte Münster (2015: 302.178 Einwohner*1) und Freiburg (2015: 222.203 Einwohner*1) jeweils jährlich ein Wachstum des Konsumpotenzials um 1,3 Prozent (+ 63 Mio. Euro bzw. + 43 Mio. Euro). Für das vergleichsweise kleine Fürth mit rund 125.000 Einwohnern ergibt sich jährlich sogar ein Zuwachs um 1,5 Prozent (+ 32 Mio. Euro). Damit rangiert Fürth sogar beim Wachstum des Konsumpotenzials vor Metropolen wie Berlin und Hamburg.

"Investoren sollten ihren Blick erweitern. Auch in den kleineren Städten bietet der Markt für Gewerbeimmobilien bei der derzeitigen demografischen Entwicklung gute Chancen", so Seipelt. „Perspektivisch werden auch dort die Mieten weiter steigen.“

Ausnahme ist das Ruhrgebiet. Hier profitieren die Städte bislang von der Zuwanderung kaum. So erhöhte sich beispielsweise das Konsumpotenzial in Hagen im Untersuchungszeitraum jährlich lediglich um 0,2 Prozent und in Remscheid sogar gerade einmal um 0,1 Prozent. „Selbst die Ruhr-Metropolen Dortmund mit einem Plus von 45 Millionen und Essen mit 53 Millionen Euro jährlich hinken hinterher. Duisburg kommt gar nur auf 13 Millionen“ so das IW Köln.

*1: Quelle Vereinte Nationen

cs/IW Köln; Bild: StockSnap / pixabay
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