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Kolumne
Wechselbad, 08.09.2009
Zukunftsmanagement
Weg vom Prognosen-Fetischismus hin zur Strategie
„Unternehmer machen sich zu viel Gedanken über das, was es kostet, etwas zu tun, statt sich vielmehr Gedanken darüber zu machen, was es kostet, es nicht zu tun.“ So Philip Kotler, der Marketing-Guru aus den USA. Unternehmer müssen endlich Farbe bekennen und sich entscheiden, ob und wie sie ihre Zukunft gestalten wollen.

Wissenschaftler, Politiker und sonstige Experten haben es einfach – und machen es sich oft allzu einfach. Sie erstellen Prognosen, verkünden diese vollmundig in den Medien – und korrigieren sich nach wenigen Monaten. Denn das hat kaum Konsequenzen für sie. Wer erinnert sich schon daran, was diese Experten vor drei Monaten gesagt haben? Oft wissen sie es selbst nicht mehr – oder wollen es nicht mehr wissen und huldigen dem Adenauer-Spruch „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!“

Hinzu kommt: Einige Institute korrigieren ihre Prognosen nach oben. Andere Experten warnen davor, dass es einen zweiten Einbruch geben wird, sobald die staatlichen Maßnahmen nicht mehr greifen. Roland Berger sagt, in der Automobilbranche seien bei den Händlern 30.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Kanzlerin Merkel warnt gleichermaßen vor Optimismus wie vor Schwarzmalerei; man müsse abwarten. Abwarten – diese Kanzlerin-Wahlkampf-Haltung können Sie als Unternehmer sich nicht leisten. Aber wem sollen Sie Glauben schenken, wem vertrauen?

Es gibt nur eine Lösung: Jeder Unternehmer muss nun das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Wenn Sie von der Bank einen Kredit haben wollen, müssen Sie Ihre Pläne gut darlegen und begründen. Darum: Ein nach allen Seiten offener Business-Plan, der als Grundlage die Tatsache betont, man könne jetzt noch keine verbindlichen Voraussagen treffen, ist nicht das Papier wert, auf dem er ausgedruckt worden ist.

Jetzt beginnt die Budgetplanung-Saison 2010. Sie müssen planen. Sie müssen einen Blick in die Zukunft werfen, diese antizipieren, eine Vorhersage wagen, sich festlegen und darauf Ihren Plan, das Budget aufbauen.

Wichtig ist jetzt, alle Experten an einen Tisch zu holen. Aber nicht die externen Experten, die vom sicheren Ufer aus ihre Prognosen abgeben und korrigieren. Sprechen Sie die Menschen an, die Kenner Ihrer Branche, Ihres Unternehmens, Ihrer Produkte sind. „Automobilkonzern veranstaltet großen Strategieworkshop, um Zukunftsrichtlinien für 2010 festzuzurren“ – so müssten die Schlagzeilen heute und morgen lauten.

Veranstalten Sie Strategie-Workshops mit Ihren Mitarbeitern, mit Ihren Stammkunden, mit Ihren Lieferanten – also den Interessengruppen, denen die Entwicklung Ihres Unternehmens am Herzen liegt oder einen Nutzen bringt. „Wo wollen wir hin, und was ist unsere Strategie? Wie müssen wir uns aufstellen? Welche Ressourcen brauchen wir dafür, und insbesondere: welche Mitarbeiter brauchen wir dafür?“

Der ängstliche Kaninchen-Blick auf die lähmende Prognose-Schlange – er kann tödlich enden. Richten Sie Ihre Gestaltungskraft nach innen, insbesondere auf Vertrieb und Service. Wer morgen zu den Siegern gehören will, muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter, die nah am Kunden sind, fit sind. Das Zusammenspiel zwischen Vertrieb und Service ist entscheidend im Wettbewerb: Das ist die einzige Vorhersage ohne Verfallsdatum.

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Über Dr. Reiner Czichos
Dr. Reiner Czichos ist Experte für professionelles Veränderungsmanagement und Projektmanagement. Er arbeitet seit über 30 Jahren als Trainer, Berater, Moderator, Organisations- und Personalentwickler sowie als Buchautor. Unter dem Motto „Das einzig Stabile ist ... mehr
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