Viele Mitarbeiter laden sich ohne Ende Arbeit auf – bis sie nicht mehr können. Burnout ist die Folge. Und weit verbreitet. Ein aktueller Beitrag der Münchener tz belegt das. Urlaub kann regenerierend wirken und frische Kräfte ermöglichen. Doch vor neuerlichem Burnout ist nur geschützt, wer dabei einige Grundregeln beachtet.
Wie Forscher herausgefunden haben, sollten Menschen, die beruflich unter hohem Stress stehen, ihren jährlichen Urlaubsanspruch nicht für ein oder zwei Langzeiturlaube, sondern besser für regelmäßige Kurzurlaube verwenden.
Immer mehr Menschen sind ausgepowert und ausgebrannt. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse weist dies ein weiteres Mal nach. Demnach ist bereits jeder dritte Berufstätige von dem Erschöpfungssyndrom betroffen. Ein Rettungsanker soll der Urlaub sein: Endlich wieder gut schlafen, Energien auftanken und zu sich selbst finden. So die Erwartungen. Gut gebucht sind daher auch Ayurweda-Kuren, Wellnessurlaube, Anti-Stress-Hotels und Medical-Wellness-Angebote.
Bringt ein Urlaub in Bezug auf Erholung wirklich was? Wenn ja, wie lange hält die Wirkung an? Aufschluss gibt eine Studie der israelischen Universität Tel Aviv. Die Forscher untersuchten den Erschöpfungsstatus von 76 burnoutgefährdeten Arbeitnehmern vor, während und nach ihrem Urlaub. Das Ergebnis: Die Burnout-Werte gingen während des Urlaubs sehr schnell zurück, berichteten die Forscher im Journal of Applied Psychology. Interessant: Die Entstressungseffekte waren bei Kurzurlauben ähnlich ausgeprägt wie bei mehrwöchigen Ferien. Allerdings waren diese Effekte bereits drei Tagen, nachdem die Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt waren, aufgebraucht.
Mina Westman, eine der beteiligten Forscher, leitet daraus ab, dass unter Burnout-Gesichtspunkten häufigere Kurzurlaube die bessere Alternative zu mehrwöchigen Auszeiten sind. Eine weitere Erkenntnis der Wissenschaftler: Die Art, wie der Urlaub gestaltet wird, ist genauso wichtig – wenn nicht sogar noch wichtiger – als seine Länge. Ein Todsünde ist es demnach, auch im Urlaub per Handy oder E-Mail für Chef, Kollegen, Mitarbeiter oder Kunden erreichbar zu sein. Die ersehnte Erholung und „Befreiung“ kann sich nicht einstellen, wenn Beruf und Freizeit nicht deutlich getrennt sind. Schlimmer noch: Gerade diese permanente Verfügbarkeit ist eine zentrale Ursache chronischen Stresses.
Vorgesetzte sollten daher nicht von ihren Mitarbeitern fordern und erwarten, dass diese auch am Strand oder in den Bergen per Handy und/oder E-Mail erreichbar sind. Diese Abstinenz zahlt sich aus, denn die Arbeitnehmer kommen ausgeruhter zurück und sind wieder deutlich produktiver, wenn sie die Chance haben, ihre psychischen Ressourcen aufzutanken.
In den Destinationen lässt sich jedoch immer häufiger eine neue Erscheinungsform des Burnouts beobachten: Urlauber, die statt Erholung einen Abenteuerurlaub machen. Woran diese Spezies, zu denen vor allem sehr leistungsbezogene Menschen zwischen 30 und 50 Jahren gehören, zu erkennen ist? Sie machen im Urlaub hyperaktionistisch im gleichen Tempo weiter wie im Job. Zurück in der Firma sinken sie dann im Bürostuhl schlapp zusammen. Oder, auch keine Seltenheit, sie brechen bereits vor Ort zusammen.
Quintessenz: Je stressiger der Job, desto wichtiger sind regelmäßige Muße-Phasen und Ich-Zeiten, in denen man/frau die Seele baumeln lässt. Eine gesunde Ernährung und Bewegung in Maßen trägt mit zum Gelingen des mentalen Re-Sets bei.