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Verband der Vereine Creditreform e. V.
Pressemitteilung

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2008

(PM) , 06.10.2008 - Konjunktur im Mittelstand trübt sich leicht ein

Die Stimmung unter Deutschlands Mittelständlern hat sich im Herbst 2008 eingetrübt: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftslage mit den Noten sehr gut oder gut einstuften, nahm gegenüber dem Herbst 2007 um 4,9 Prozentpunkte ab und beträgt nun 46,9 Prozent. Mit mangelhaft und ungenügend votieren 5,4 Prozent der Befragten (Vorjahr: 4,0 Prozent). Am deutlichsten abgenommen haben die guten Einschätzungen im Dienstleistungsbereich: 47,7 Prozent vergeben hier die Noten sehr gut und gut – das entspricht einem Rückgang von 8,6 Prozentpunkten.

Auch die Umsätze haben sich im Verlauf des letzten Jahres negativ entwickelt, allerdings nicht so deutlich, wie es aufgrund der Hiobsbotschaften wegen der Finanzmarktkrise hätte befürchtet werden können: 34,7 Prozent der gut 4.000 befragten Unternehmen konnten innerhalb der vergangenen sechs Monate mehr Umsatz erwirtschaften – das entspricht einem Rückgang um 3,8 Prozentpunkte im Jahresverlauf. Die Zahl der Betriebe, die Umsatzeinbußen zu verkraften hatten, stieg dagegen um 2,8 Prozentpunkte auf 19,1 Zähler. Die Umsatzentwicklung der vier Hauptwirtschaftsbereiche macht deutlich, dass die beiden Branchen Bau und Handel bessere Umsatzergebnisse als noch vor einem Jahr aufweisen, während sie sich im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistern verschlechterten.

Der Bau verzeichnet die deutlichste Zunahme an Unternehmen, die mehr Umsatz erwirtschafteten, nämlich 37,2 Prozent (Vorjahr: 33,9 Prozent). Zusätzlich sank die Zahl der Unternehmen, die Umsatzrückgänge hinzunehmen hatten, und zwar von 19,2 auf 12,8 Prozent.

Arbeitsmarktimpulse lassen nach

Der Mittelstand stellt nicht mehr so viele Mitarbeiter ein wie noch vor einem Jahr: Aktuell geben 29,8 Prozent der Befragten an, ihren Personalbestand innerhalb der vergangenen sechs Monate aufgestockt zu haben. Im Herbst 2007 waren es noch 32,2 Prozent. Ihre Personaldecke verkleinern mussten 11,7 Prozent der KMU – 3,1 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr.

Dienstleister und Verarbeitendes Gewerbe schauen optimistisch in die Zukunft

Die Umsatzperspektiven der KMU für die kommenden sechs Monate haben sich etwas eingetrübt: Gingen im vergangenen Jahr noch 31,2 Prozent der Betriebe davon aus, Umsatzsteigerungen erwirtschaften zu können, so sind es aktuell nur noch 29,0 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der Unternehmen, die mit weniger Umsätzen rechnen, und zwar von 11,4 auf 15,9 Prozent.
Allein im Handel gibt es aktuell mehr Betriebe, die einen höheren Umsatz erwarten, als noch vor einem Jahr. Alle anderen Branchen verzeichnen einen Rückgang der positiven Aussagen zur künftigen Umsatzsituation. Im Einzelhandel setzen aktuell 30,0 Prozent der befragten Unternehmer auf eine steigende Umsatzentwicklung, nachdem es vor einem Jahr nur 27,0 Prozent gewesen waren. Bei den Großhändlern gaben im vergangenen Jahr noch 25,3 Prozent der Betriebe an, steigende Umsätze zu erwarten – jetzt sind es 29,5 Prozent.

Den deutlichsten Abwärtstrend in punkto Umsatzerwartungen verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe: Hier reduzierte sich die Zahl der Unternehmen, die einen höheren Umsatz erwarten, um 6,6 Prozentpunkte.

Saldo der künftigen Personalentwicklung halbiert sich

Die Saldenkennziffer der zukünftigen Personalentwicklung schrumpfte im Verlauf des Jahres um fast die Hälfte: Lag sie im vergangenen Jahr noch bei 13,4 Prozent, so kommt der aktuelle Saldo auf gerade einmal 7,1 Prozent. Und dennoch: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre lag der Saldo aus geplanten Personalaufstockungen und
-verkleinerungen nur einmal noch höher als aktuell – nämlich im vergangenen Jahr.

Investitionsbereitschaft nimmt ab

Wie aufgrund der zuvor gefundenen Ergebnisse zu vermuten war, hat auch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand Federn lassen müssen. Gab im vergangenen Jahr noch fast die Hälfte (49,9 Prozent) der befragten Unternehmer an, innerhalb der kommenden sechs Monate Investitionen tätigen zu wollen, so sind es aktuell nur noch 46,6 Prozent. Insbesondere die Erweiterungsinvestitionen haben gelitten: Wollten im Herbst 2007 noch 57,0 Prozent Erweiterungsinvestitionen vornehmen, so sind es aktuell nur noch 51,8 Prozent.

Nur noch Bau mit steigenden Ertragserwartungen

Mit steigenden Erträgen rechnen aktuell 32,9 Prozent der KMU in Deutschland. Das entspricht einem Rückgang um 4,0 Prozentpunkte im Jahresverlauf. Zugenommen hat dagegen der Anteil der Betriebe, die mit Gewinneinbußen rechnen, und zwar um 4,2 Prozentpunkte auf 24,8 Prozent. Gegen den Trend stemmt sich allein das Baugewerbe: Hier rechnet knapp jeder vierte Betrieb (24,6 Prozent; Vorjahr: 19,9 Prozent) mit mehr Gewinn, und fast ebenso viele Unternehmen (24,0 Prozent) gehen davon aus, sinkende Erträge hinnehmen zu müssen. Im letzten Herbst waren es noch 5,7 Prozentpunkte mehr.

Eigenkapitalausstattung zeigt Verbesserungen

Wie oft am Ende einer konjunkturellen Hochphase konnten viele Unternehmen das gute Klima nutzen, um Eigenkapital zu thesaurieren: So stieg der Anteil an Unternehmen mit hohen Eigenkapitalquoten von über 30 Prozent (bezogen auf die gesamte Bilanzsumme) um 3,4 Prozentpunkte auf 26,9 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Betriebe, die unterkapitalisiert sind (weniger als 10 Prozent der gesamten Bilanzsumme), um 1,0 Prozentpunkte auf 31,9 Prozent.

Insbesondere der Handel verzeichnet Verbesserungen: Konnten im vergangenen Herbst nur 23,3 Prozent der Handelsunternehmen auf eine stabile Eigenkapitaldecke verweisen, so sind es aktuell schon 32,3 Prozent. Allerdings stieg auch der Anteil der unterkapitalisierten Betriebe um 3,7 Prozentpunkte auf 34,9 Prozent.

Forderungsverluste nehmen zu

Insgesamt erhalten 74,3 Prozent der KMU in Deutschland fristgerecht ihr Geld für geleistete Arbeit. Das entspricht einem Anstieg um 1,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Nur noch 2,3 Prozent (Vorjahr: 2,6 Prozent) der Unternehmen müssen länger als drei Monate warten, ehe sie für ihren Arbeitseinsatz entlohnt werden.

Die Zahl der Unternehmen, die im vergangenen Jahr keine Forderungsverluste hinzunehmen hatten, fiel von 16,9 auf 15,5 Prozent. Die Zahl der Unternehmen, die hohe Verluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz hinnehmen mussten, stagniert hingegen bei 9,5 Prozent (Vorjahr: 9,4 Prozent).

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen beträgt im ersten Halbjahr 2008 14.400 Fälle. Das entspricht einem Rückgang von 5,1 Prozent im Jahresverlauf (1. Halbjahr 2007: 15.180). Insgesamt befassten sich die Gerichte in Deutschland im ersten Halbjahr 2008 mit 76.700 Insolvenzfällen. Dies ist ein Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr (82.910).

Drei Jahre Beschäftigungsaufbau im Mittelstand

Seit nunmehr drei Jahren vollzieht sich einer der kräftigsten Aufschwünge am deutschen Arbeitsmarkt seit Bestehen der Bundesrepublik. Gegenwärtig sind mehr als 40 Mio. Personen erwerbstätig. Da die Konjunkturdynamik mittlerweile aber deutlich nachgelassen hat und sich damit der Stellenaufbau abschwächt, bietet sich die Gelegenheit, einmal auf die vergangenen Entwicklungen zurückzublicken.

Der KMU-Sektor hatte am Abbau der Arbeitslosigkeit einen erheblichen Anteil. So dürften in den zurückliegenden Jahren insgesamt 2,2 Mio. Stellen bei mittelständischen Unternehmen entstanden sein. Während im öffentlichen Dienst viele Arbeitsplätze abgebaut wurden, sorgten vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen für die so wichtigen versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse.

Im Zuge einer guten Auftragslage und einer hohen Kapazitätsauslastung fragte die mittelständische Wirtschaft vornehmlich Vollzeitstellen nach. Im Durchschnitt gaben 77,3 Prozent der befragten Unternehmen an, sich mit Vollzeitkräften verstärkt zu haben. Nur 22,7 Prozent setzten auf flexiblere und billigere Teilzeitstellen und 400-Euro-Jobs.

Job-Motoren Dienstleistungsbranche und Verarbeitendes Gewerbe

Innerhalb der vier Hauptwirtschaftsbereiche fiel die Arbeitskräftenachfrage bei den Dienstleistungsunternehmen überdurchschnittlich hoch aus. In den halbjährlich durchgeführten Creditreform Mittelstandsumfragen gaben durchschnittlich 27,5 Prozent der befragten Dienstleister an, den Personalbestand aufgestockt zu haben. Einen Abbau der Belegschaften mussten lediglich 11,9 Prozent vornehmen. Das heißt, der Anteil der Dienstleistungsunternehmen, die über mehr Mitarbeiter verfügen als bei der Vorumfrage, überwiegt den Anteil derer, die Personal abgebaut haben, um 15,6 Punkte. Mit plus 14,8 Punkten erreicht das Verarbeitende Gewerbe ebenfalls einen überdurchschnittlichen Saldowert. Innerhalb des Zeitraums 2006 bis 2008 kommt der Handelssektor in jedem Halbjahr auf einen durchschnittlichen Beschäftigungssaldo von nur plus 7,7 – immerhin ein positiver Wert. Im Baugewerbe wurden dagegen per Saldo stets Stellen gestrichen (minus 2,2).

Der zu Ende gehende Konjunkturboom hat anscheinend gerade junge Unternehmen stark beflügelt. Gut 35 Prozent der Betriebe, die weniger als zwei Jahre auf dem Markt aktiv sind, haben sich mit neuen Mitarbeitern verstärkt. Unter den etablierten Marktteilnehmern (älter als zehn Jahre) haben lediglich 22 Prozent in dieser Zeit neue Stellen geschaffen.

2009 – KMU-Sektor stützt den Arbeitsmarkt

Die Bereitschaft zu weiteren Neueinstellungen geht in den kommenden Monaten allerdings deutlich zurück. Die eintrübenden Konjunkturprognosen lassen die Unternehmen vorsichtiger werden. Dennoch dürfte die Beschäftigtenzahl bei den deutschen KMU auch in 2009 leicht zunehmen. Dabei dürfte das Gros auf den Dienstleistungssektor entfallen. Im Verarbeitenden Gewerbe entstehen per Saldo kaum noch zusätzliche Arbeitsplätze.

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Neuss, 06. Oktober 2008
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