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News, 16.03.2009
Wirtschaftskrise
Das deutsche Handwerk im Sog der Rezession
Wenngleich sich die wirtschaftliche Lage im deutschen Handwerk zurzeit noch relativ robust darstellt, sind die Prognosen zur weiteren geschäftlichen Entwicklung überwiegend pessimistisch: Mehr als vier von zehn Betrieben gehen von sinkenden Erträgen aus. Die Anzahl derer, die mit einem Stellenabbau rechnen, hat sich nahezu verdoppelt.
Die Wirtschaftskrise zieht das deutsche Handwerk immer mehr in ihren Sog. Die Erwartungen der Betriebe haben sich massiv verschlechtert und reichen nach Auskunft des Verbands der Vereine Creditreform e.V. sowohl im Hinblick auf die Ertrags- und Umsatzentwicklung im mehrjährigen Vergleich an Tiefstwerte heran. Gleichzeitig ist die Zahl der Handwerksunternehmen, die ihre aktuelle wirtschaftliche Lage positiv bewerten, im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gesunken. Rund jedes siebte Unternehmen bewertet seine Geschäfts- und Auftragslage sogar kritisch – rund 60 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Dies zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die Creditreform im Februar 2009 unter 3.000 deutschen Handwerksbetrieben durchgeführt hat.

Laut Umfrage bewerten nurmehr rund drei von zehn befragten Handwerksbetrieben (31,6%) ihre aktuelle Geschäftslage als sehr gut oder gut. Im Jahr 2008 taten dies noch 40,8 Prozent. Zugleich hat sich die Anzahl der Betriebe, die ihre wirtschaftliche Lage mangelhaft bis ungenügend einstufen, um mehr als die Hälfte von 8,8 Prozent auf 14,1 Prozent erhöht. Von einer befriedigenden oder ausreichenden Geschäftslage berichtete rund jedes zweite Handwerksunternehmen (53,6 Prozent) - fast ebenso viele wie im Vorjahr (49,9%).

Dass sich die Wirtschaftskrise im deutschen Handwerk immer mehr bemerkbar macht, zeigt sich unter anderem bei der Umsatzentwicklung. So konnte im vergangenen Jahr nur jedes fünfte Handwerksunternehmen (20,6%) seinen Umsatz steigern – rund 30 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor: 2007 hatte noch fast ein Drittel der Betriebe (30%) eine Umsatzsteigerung verzeichnet. Korrespondieren dazu hat sich die Anzahl der Betriebe, die im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, um mehr als die Hälfte von 22,5 Prozent (2008) auf 33,5 Prozent (2009) erhöht.

„Erstmals seit drei Jahren erreicht der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 12,9 Prozentpunkten wieder einen negativen Wert. Zuletzt war dies im Jahr 2006 mit einem Saldo von minus 1,7 Prozentpunkten der Fall“, berichtet der Verband. Entsprechend pessimistisch sind die Prognosen, demnach 2009 nur jedes siebte Handwerksunternehmen (14,5%) mit einem Umsatzzuwachs rechnet. Im Vorjahr taten dies noch gut ein Viertel (26,7%). Demgegenüber gehen fast vier von zehn Betrieben (37,4%) 2009 von einem Umsatzrückgang aus.

Entsprechend düster sind auch die Prognosen zur Entwicklung der Erträge: Demnach erwarten 43,2 Prozent der Unternehmen sinkende Erträge und somit fast doppelt so viele wie im Vorjahr (22,6%). Im Gegenzug hat sich der Anteil derer, die mit steigenden Erträgen (13,1%) rechnen, verglichen mit dem Vorjahr (23%) nahezu halbiert.

Verstärkter Stellenabbau auch im Handwerk

Wenngleich mehr als zwei Drittel der Handwerksbetriebe (69,1%) auf Entlassungen 2009 verzichten möchten, wird sich die Krise auch im Handwerk auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. So geht inzwischen jedes fünfte Unternehmen (20,4%) in diesem Jahr von Kündigungen aus.  Damit hat sich die Zahl der Handwerksunternehmen, die mit einen Stellenabbau rechnen, innerhalb nur eines Jahres fast verdoppelt (2008: 10,3%). Dagegen plant nur jedes zehnte der befragten Unternehmen (9,5%), die Belegschaft zu erweitern. Ein Jahr zuvor gab dies noch immerhin fast jedes siebte Unternehmen an (15,1%).

Geringes Eigenkapital erschwert die Finanzierung

Wie die Umfrage nach Auskunft von Creditreform aufzeigt, ist die unterdurchschnittliche Ausstattung mit Eigenkapital im Handwerk weiter ein Problem. Danach habe sich zwar der Anteil  der Handwerksbetriebe, die über eine robuste Eigenkapitalquote von 30 Prozent und mehr (im Verhältnis zur Bilanzsumme) verfügen, von 16,8 Prozent auf 18,5 Prozent erhöht. Dennoch bleibe auch im Jahr 2009 ein Großteil der Betriebe (33,3%) mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent unterkapitalisiert. 

Eine zu geringe Eigenkapitalausstattung erschwert jedoch die Finanzierung. Angesichts der Krise am Finanzmarkt gilt dies umso mehr, wie auch die Umfrage bestätigt: So berichtete ein gutes Drittel, dass es schwieriger geworden sei, einen Kredit zu erhalten, während rund ein Siebtel (17,9%) dies verneinte. 44,8 Prozent der Betriebe konnten darüber kein Urteil abgeben, etwa weil sie derzeit keinen Kredit benötigen oder über genügend Eigenkapital verfügen. Auf die Nachfrage, wie die Erschwernisse bei der Kreditbeschaffung genau aussehen, berichteten 38,7 Prozent der betroffenen Betriebe, dass die Banken noch mehr Sicherheiten fordern.

Handwerk setzt vor allem die eigene Stärke

Da das zweite Konjunkturpaket zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht verabschiedet war, konnte es in der Befragung nur in Aussicht gestellt werden. In diesem Zusammenhang stießen laut Creditreform vor allem die neuen Regeln zur degressiven Abschreibung und Sonderabschreibungen (23,6%), die bessere Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen (21,8%) sowie das CO2-Programm zur Gebäudesanierung (20%) auf besondere Zustimmung.

Dass das zweite Konjunkturpaket die Rezession indes verhindern könnte, glauben rund drei Viertel der befragten Handwerksunternehmen (76,1%) nicht. Stattdessen setzen viele lieber auf die eigene Stärke. Demnach plant fast jedes zweites Unternehmen (48,2%), auch in diesem Jahr zu investieren. Am investierfreudigsten zeigen sich dabei Betriebe aus dem Nahrungsmittel- und Metallhandwerk mit einer Quote von 62,8 bzw. 56,3 Prozent. Zurückhaltender dagegen das Bauhandwerk: Dort wollen nur 44,1 Prozent der Unternehmen investieren. 

Quelle: Verband der Vereine Creditreform e.V.

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