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News, 06.08.2013
Werte-Kluft
Werte von Bürgern und Volksvertretern driften auseinander
Das Werte-Ranking von Politikern und Bürgern weicht erheblich voneinander ab, zeigt eine aktuelle Studie: Während Otto-Normalverbraucher vor allem Werte hinsichtlich des Umgangs miteinander vorne anstellen, setzen Volksvertreter an erster Stelle auf Gemeinschaftswerte.
Für Politiker stehen andere Werte ganz oben als bei den Bürgern, die sie repräsentieren und in deren Namen sie entscheiden.
Für Politiker stehen andere Werte ganz oben als bei den Bürgern, die sie repräsentieren und in deren Namen sie entscheiden.
Politiker priorisieren nicht die Werte, die für ihre Wähler persönlich am wichtigsten sind. Das zeigen die Ergebnisse der „Wertestudie 2013“ des Meinungsforschungsunternehmens YouGove der gemeinnützigen Wissenschaftsstiftung Change Centre Foundation, für die im Juni und Juli repräsentativ 2.075 Bundesbürger und 1.061 Abgeordnete von Bund, Länder und Kommunen befragt wurden. In einem aber sind sich Volk und Volksvertreter einig, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau: Und zwar, dass die Bedeutung von Werten in den letzten Jahren abgenommen hat. Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (55 %) und immer hin rund zwei von fünf befragten Abgeordneten (39 %) in Deutschland vertreten diese Meinung.

Bei der Frage nach den wichtigsten Werten zeigt die Studie zwischen Politik und Bürger eine deutliche Kluft. So legen Volksvertreter eher auf Gemeinschaftswerte wert. An erster Stelle steht der Wert „Gerechtigkeit“: Er wird von den Politikern mit einem Zustimmungsanteil von 63 Prozent am häufigsten als „wichtig“ eingestuft. Zweithäufigster genannter Wert ist „Toleranz“ (55 %), gefolgt von „Freiheit“ (53 %) und „Solidarität“ (51 %). „Es sieht so aus, als ob viele Politiker vor ihrer Antwort in den Parteiprogrammen geblättert hätten, so abstrakt sind die genannten Werte“, konstiert Professor Joachim Klewes von Change Centre Foundation. „Gerechtigkeit ist für alle Volksvertreter der Top-Wert. Allerdings wird das Ergebnis durch die extrem hohe Gerechtigkeitspräferenz der Linken, Grünen und SPD nach oben gezogen“, so Holger Geißler von YouGov.

Bei den Bürgern genießen dagegen eher Werte, die auf den Umgang miteinander abzielen, den höchsten Stellenwert. Anders als in der Politik erfüllt hier jedoch keiner der genannten Werte das Kriterium der Mehrheitsfähigkeit. Ganz oben im Ranking steht aktuelle der Wert „Respekt“: Mehr als vier von zehn befragten Deutschen (44 %) erachten diesen Wert für „wichtig“ (44 %), „Gerechtigkeit“ (43 %) und „Ehrlichkeit“ (41 %) wichtig, dicht gefolgt von „Familie“ (39 Prozent). „Natürlich wollen die Bürger auch Gerechtigkeit, aber unmittelbar flankiert von Respekt und Ehrlichkeit – also Werten, die viel stärker auf den Umgang miteinander zielen“, sagt Professor von Alemann, Politikwissenschaftler an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Ein weiterer Befund der Studie deutet darauf hin, dass der Wert „Respekt“ von Frauen wesentlich stärker präferiert wird als von Männern - im Unterschied zum Wert „Freiheit“.

Grad der Werte-Diskrepanz auch von Partei abhängig

Auffällig ist der je nach Partei sehr unterschiedliche Werte-Abstand zwischen den Mandatsträgern einer Partei und denjenigen Bürgern, die genau diese Partei gewählt haben. Dieser Diskrepanz-Index wird berechnet, indem die Unterschiede in der Bevorzugung von einzelnen Werten über alle zwanzig abgefragten Werte zusammengezählt werden. „Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Links-Rechts-Gefälle: Dass die kleine Partei FDP recht geringe Differenzen zwischen Mandatsträgern und Wählern aufweist, überrascht vielleicht nicht. Aber dass die linken Parteien so deutlich weiter weg von ihren Wählern denken als die konservativen – das ist schon dramatisch“, sagt Professor von Alemann. „Wertediskrepanzen kommen immer dann zustande, wenn die Lebenswirklichkeiten sich stark unterscheiden. Ich fürchte, das ist zwischen Politikern und Bürgern oft der Fall. Die Volksvertreter müssen näher an ihr Volk rücken“, kommentiert Professor Klewes das Ergebnis.

Die Unterschiede in den Wertpräferenzen von Wählern und Gewählten sind je nach Wert sehr unterschiedlich. „Beim Wert ‚Solidarität’ finden wir mit Riesen-Abstand die größten Unterschiede – mit 54 Differenzpunkten. Und das ausgerechnet gleichermaßen bei der Linken und den Sozialdemokraten“, sagt Holger Geißler. Weitere Werte mit großen Differenzen zwischen Bürgern und Abgeordneten der SPD sind „Toleranz“ und „Gerechtigkeit“.

Eltern und Lehrer wichtigste Vermittler von Werten und Tugenden

Überraschend nah beieinander liegen Volk und Volksvertreter allerdings dann wieder bei der Antwort auf die Frage, wer in der Gesellschaft für die Vermittlung von Werten verantwortlich sei. Für die befragten Bürger wie für die Politiker gilt: Werte werden vor allem von Eltern (Bevölkerung: 79 Prozent) und Erziehern bzw. Lehrern (Bevölkerung: 40 Prozent) vermittelt. „Werte werden nur durch direkte Kommunikation im Nahbereich glaubwürdig vermittelt. Deshalb schneiden die bloß medial erfahrbaren Experten, auch Kirchenvertreter oder Promis, hier so schlecht ab“, sagt Professor Klewes mit Verweis auf die Werte für Prominenz aus Entertainment (acht Prozent), Sport (fünf Prozent) und auch aus den Religionsgemeinschaften (13 Prozent).
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