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News, 15.01.2009
Weltwirtschaft
Rezession zieht immer stärker ihre Kreise
Das Jahr 2009 wird die Weltwirtschaft Deloitte zufolge auf eine harte Probe stellen, allen voran die Schwellen- und Entwicklungsländer. Auch Großbritannien und Japan werden von der Wirtschaftskrise schwer getroffen. Für die Eurozone sehen die Experten jedoch Grund für leisen Optimismus.
Die Welt gerät immer stärker in den Würgegriff der globalen Rezession. In manchen Volkswirtschaften wird die Lage mittlerweile kritisch – darunter Indien und Japan. Die globalen wirtschaftlichen Verflechtungen wirken wie ein Flächenbrand, der auch China und Europa längst erfasst hat. Ungeachtet jedoch aller Negativprognosen und der Frage, wie lang die Talfahrt letztlich dauert, könnte Kontinentaleuropa – und damit auch Deutschland - aus der Wirtschaftskrise gestärkt hervorgehen, so die Analysten von Deloitte in ihrem „Global Economic Outlook“.

Während die Volkswirtschaften weltweit nationale Rettungsschirme spannen und den Schaden mit Konjunkturprogramm zu begrenzen suchen, bleibt offen, in welchem Umfang davon auch Impulse für die Weltwirtschaft ausgehen: „Nahezu alle Regierungen haben Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht. Damit werden Neben- und Wechselwirkungen erzielt. So wird das Rettungspaket der USA zu geringeren internationalen Investitionen, beispielsweise in Brasilien und Russland führen“, erklärt Dr. Elisabeth Denison, Leiterin Research Deutschland bei Deloitte. Abseits dessen sehen die Experten für die jeweiligen Volkswirtschaften folgende Entwicklungen:

Eurozone: Silberstreif am Horizont

Die Aussichten für die Eurozone sind durchgewachsen: Das exportabhängige Deutschland hat mit einem Auftragsrückgang von 20 Prozent zu kämpfen – die deutsche Binnenkonjunktur bleibt schwach. In ganz Europa stagnieren bzw. sinken die Investitionen. Gleichzeitig steigt in Spanien die Arbeitslosigkeit rapide an. Weil unter anderem Italien und Griechenland ihre ohnehin enorme Verschuldung in neue Höhen treiben, gewinne die Ausnahmeklausel des EU-Stabilitätspakts neue Aktualität. Dennoch könne die Eurozone mit einem stabilen Euro, konsolidierten Banken, einem höheren Strukturreform-Tempo sowie einer auf Innovationen fokussierten Industrie gestärkt aus der Krise hervorgehen. Für Großbritannien hingegen ist die Prognose eher düster: „Nach dem Platzen der Immobilienblase ist das Vertrauen der Verbraucher auf einem Tiefpunkt, Unternehmen investieren nicht mehr, die Banken bleiben bei einer restriktiven Kreditpolitik. Hier wird die Situation noch länger angespannt bleiben“, so Deloitte.

China: Wirtschaftswachstum schwächst sich deutlich

Nach Auskunft von Deloitte leidet China als „globale Werkbank“ unter der Weltwirtschaftskrise in der Realwirtschaft viel mehr als im Bankensektor, sodass das Land immerhin über genügend Mittel zur Konjunkturbelebung verfüge. Gleichwohl hat der weltweite Nachfragerückgang zu einem Exportminus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geführt. Hinzu kommt eine extrem schwache Binnennachfrage, welche die Regierung durch massive fiskalische Maßnahmen nun zu stärken suche, da China auch weiterhin zweistellige Wachstumsraten vorweisen müsse, um soziale Unruhen zu vermeiden.

Indien: Wirtschaft und Konsum auf Talfahrt

Nachdem die Rupie um 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren hat, ohne dabei den Export zu stärken, der Binnenkonsum deutlich nachlässt und sich zudem die Banken gegenseitig misstrauen, drohe Indien im industriellen Sektor „ein Niedergang“, so Deloitte. Dass die von der indischen Regierung ergriffenen Maßnahmen kurzfristig eine Trendumkehr bewirken könnten, ist dem Bericht zufolge unwahrscheinlich.

Russland: Ende des Rohstoffbooms

Das Hauptproblem Russlands ist der Rückgang der Rohstoffpreise. Darüber hinaus machen Russland eine starke Kapitalflucht sowie ein Kollaps der industriellen Produktion im Oktober letzten Jahres zu schaffen. Trotz aktueller Rezession, steigender Inflation und eines zu erwartenden Defizit für 2009 würden die Folgen der Krise jedoch nicht so gravierend sein wie die der Finanzkrise von 1998.

Japan: Preisspirale zeigt nach unten

Im kommenden Jahr droht Japan dem Bericht zufolge ein Desaster: Die Produktion fällt, die Investitionen bleiben aus, die private Nachfrage ist nahezu auf dem Nullpunkt, die Kreditmärkte sind eingefroren. Experten zufolge sei zudem 2009 mit einer sich vertiefenden Deflation zu rechnen – mit fallenden Preisen von minus 18 bis minus 22 Prozent für Produktionsgüter. Hinzu kämen beunruhigende Signale vom Arbeitsmarkt, was das Verbrauchervertrauen weiter sinken lasse.
 
Schwellen- und Entwicklungsländer: Kaum mehr Gelder aus dem Ausland

Schwellenländer wie unter anderem Vietnam und Rumänien werden von der Wirtschaftskrise laut Bericht besonders hart getroffen - aber auch Kambodscha, Äthiopien oder Bangladesch. Nachdem diese zu Jahresbeginn unter hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen litten, wird ihre Lage nun durch starke Kredit- und Entwicklungshilfebeschränkungen sowie stagnierende Auslandsinvestitionen noch verschärft. „Gerade hier ist aber die Stabilisierung der ökonomischen Lage Voraussetzung für politische Stabilität, sodass sich die Krise weit über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus negativ auswirken kann“, so Deloitte.

USA: Auf Impulse für die Weltwirtschaft ist kein Verlass

Ob das aktuelle US-amerikanische Prinzip der unbegrenzten Geldversorgung die gewünschten Früchte trägt, bleibt dem Bericht zufolge abzuwarten. Danach bleibt selbst bei einer erfolgreichen Belebung der Wirtschaft die finanzielle Lage der US-Privathaushalte kritisch. „Sicher ist, dass sich auf absehbare Zeit niemand auf die amerikanischen Konsumenten verlassen kann“, so Denison.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage und des damit einhergehenden weltweiten Nachfragerückgangs erwarten deshalb die Deloitte-Experten, dass vor allem die exportorientierten, international eng verflochtenen Volkswirtschaften noch eine lange Durststrecke zu überwinden haben. Auch Rohstoffexporteure haben Denison zufolge nichts zu gewinnen, weshalb sich die meisten Staaten auf die Stimulation der Binnennachfrage konzentrierten.

Quelle: Deloitte

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