
Herr Prof. Dr. Pelz, welchen Zweck erfüllen Planspiele bzw. Simulationen im Unternehmensalltag bzw. was muss man sich darunter vorstellen?
Prof. Dr. Waldemar Pelz: Planspiele gelten generell als besonders effektive Trainingsmethode. Der Vorteil einer Simulation besteht darin, dass sich mit ihnen leichter komplexe Themen und Inhalte vermitteln lassen. Zudem werden vernetztes Denken und Handeln gefördert und neu Gelerntes spielerisch verinnerlicht.
Was war Ihre Motivation, trotz einer Fülle bereits existierender Simulationen auf dem Markt, ein weiteres Planspiel zu entwickeln?
Pelz: Wenn Sie sich das Angebot an Planspielen betrachten, stellen Sie fest, dass es vor allem solche gibt, die entweder das Führungsverhalten oder betriebswirtschaftliche Zusammenhänge simulieren. Diese einseitige Ausrichtung auf harte bzw. weiche Faktoren ist kontraproduktiv, da es diese Trennung in der unternehmerischen Praxis nicht gibt. Daher habe ich mit „SOLARIS AG“ ein Planspiel entwickelt, mit dem sich sowohl das Führungsverhalten als auch BWL-Know-how trainieren lässt und das somit der Unternehmenswirklichkeit näher kommt als andere Planspiele.
Wie muss man sich Ihr Planspiel vorstellen?
Pelz: SOLARIS AG simuliert Unternehmen, die sich am Markt im harten Wettbewerb behaupten und gleichzeitig Wachstums- und Renditeerwartungen erfüllen müssen. Der gesamte Geschäftsprozess ist auf einem „Spielbrett“ als haptisches Planspiel nachvollziehbar abgebildet. Drei Teilnehmer übernehmen wechselnd verschiedene Rollen. Es gibt die Rolle des kaufmännischen Geschäftsführers, der für Marketing, Verkauf, Logistik, Einkauf und Controlling verantwortlich ist, während sein technischer Kollege die Abteilungen Teilefertigung und die Endmontage leitet. Zudem gibt es die Rolle des Vorsitzenden der Geschäftsführung.
Für wen empfiehlt sich die Teilnahme an dem SOLARIS-Planspiel?
Pelz: Zielgruppe sind Fach- und Führungskräfte, die sich auf die Übernahme unternehmerischer (funktionsübergreifender) Verantwortung vorbereiten und ihr Führungsverhalten verbessern wollen. Da harte und weiche Erfolgsfaktoren trainiert werden, eignet sich das Planspiel sowohl für Kaufleute als auch für Techniker, die unternehmerisch konstruktiv zusammenarbeiten wollen.
Und wie lange dauert das Ganze?
Pelz: Die Dauer des Planspiels richtet sich nach den Vorkenntnissen und Erfahrungen der Teilnehmer. In der Regel sind es zweieinhalb bis drei Tage, in denen sie die Steuerung der geschäftlichen, technischen und zwischenmenschlichen Prozesse optimieren lernen.
Wie erfolgt dieser Lernprozess?
Pelz: Während des Planspiels werden zum einen unternehmensspezifische Führungskompetenzen trainiert, aber insbesondere auch Fertigkeiten, die – im Sinne des Tranformational leadership – einen empirisch nachweisbaren Einfluss auf wirtschaftlichen Erfolg haben. Darüber hinaus bauen die Teilnehmer ihre so genannten Umsetzungskompetenzen aus, die bei vielen Führungskräften gering ausgeprägt sind. Gleichzeitig wird ihr unternehmerisches Denken und Handeln entlang der Wertschöpfungskette gefördert. Zudem erfahren sie, wie sie mithilfe von Kennzahlen wie Produktivität, Rentabilität und Liquidität ein Unternehmen steuern können und welche Auswirkung Entscheidungen auf Umsatz, Kosten und Eigenkapital haben. Last, but not least erkennen und erfahren die teilnehmenden Fach- und Führungskräfte den Zusammenhang von Kompetenzen, Verhalten und Unternehmenserfolg.
Bleiben die Teilnehmer während des gesamten Planspiels in der am Anfang übernommenen Rolle?
Pelz: Nein. Die Teilnehmer übernehmen eine Rolle nur für einige Spielperioden. Dann wechseln sie die Rolle, so dass sich jeder in jeder Rolle beweisen kann. Entscheidend ist, dass sie dabei stets wichtige Führungskompetenzen, etwa Planung und Organisation, Zielvereinbarung, Delegation, Überzeugungskraft, Motivation, Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktmanagement, trainieren.
Welche konkrete Aufgaben haben die Teilnehmer?
Pelz: Zunächst vereinbaren der technische und der kaufmännische Geschäftsführer mit dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung konkrete Rendite- und Wachstumsziele. Anschließend müssen sie dafür sorgen, dass der auf dem „Spielbrett“ nachgebildete Geschäftsprozess, der Wertschöpfungsprozess und der Führungsprozess möglichst effizient und reibungslos funktioniert. Gleichzeitig kommt es darauf an, Chancen auf dem Markt und im Geschäftsprozess konsequent zu nutzen. Dieses Potenzial kann nur durch effektive Führung, Initiative und eine unternehmerische Haltung ausgeschöpft werden. Das Planspiel deckt daher die Stärken und Schwächen der Teilnehmer schonungslos auf. Zudem erleben sie praxisnah, wie ein Unternehmen funktioniert und wie sie konkret ihre Führungskompetenzen verbessern können, damit das Unternehmen rentabel wächst.
Wie wird denn gemessen, ob die Protagonisten erfolgreich handeln?
Pelz: Nach Spielende zeigen die Unternehmensbilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Finanzrechnung und die daraus abgeleiteten Kennzahlen, wie erfolgreich die einzelnen Spieler waren. Erfolgsindikatoren sind zum Beispiel auch Abweichungen vom Plan, etwa Engpässe, Qualitätsprobleme, Verzögerungen und vor allem Kommunikations- und Führungsfehler. Es werden sowohl die finanziellen Ergebnisse als auch die Zufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter ermittelt.
Wann erhalten die Teilnehmer ein Feedback für ihre Führungsleistungen?
Pelz: Das Feedback und Verhaltensempfehlungen bekommen die Teilnehmer am Ende sowohl von den anderen Teilnehmern als auch vom Planspielleiter in Form eines Management-Audits. Sie lernen dabei, eigene und fremde Kompetenzen einzuschätzen. Die wichtigsten Erkenntnisse der Simulation werden gemeinsam diskutiert. Dabei ist darauf zu achten, dass sich die Aufmerksamkeit der Teilnehmer nicht nur auf die erreichten Ergebnisse richtet, sondern auch konkrete Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen für Alltagssituationen abgeleitet werden. Da es um sehr realistische Situationen geht, können die Teilnehmer Transfermaßnahmen unmittelbar in einem persönlichen Entwicklungsplan festlegen.
Inwiefern stehen Aufwand und Nutzen im Verhältnis?
Pelz: Dafür, dass sich der Aufwand lohnt, sprechen gleich mehrere Gründe. Erstens ist die Erlebnisqualität des realitätsnahen SOLARIS-Planspiels weit höher als die in klassischen Trainings. Dadurch sind die Teilnehmer stets hundertprozentig motiviert und engagiert. Zweitens forciert das Planspiel die individuelle Fähigkeit, Ziele und Strategien festzulegen und umzusetzen. Und drittens erleben die Teilnehmer die Zusammenhänge und wechselseitigen Abhängigkeiten der erfolgsrelevanten Faktoren und könnten ihre dabei gewonnenen Erkenntnisse später bei "echten" Entscheidungen berücksichtigen.

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