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News, 06.12.2007
Studie
Umsatzeinbußen in der IT-Wirtschaft durch Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel macht der deutschen IT-Wirtschaft immer mehr zu schaffen und schlägt sich längst auch in den Auftragsbüchern vieler Unternehmen nieder. Besonders in den Bereichen Software-Entwicklung und IT-Management können offene Stellen häufig nicht besetzt werden, wie eine aktuelle Studie belegt.
Nach Angaben des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) gibt es derzeit hierzulande für IT-Fachleute 43.000 offene Stellen. 60 Prozent der IT-Unternehmen in Deutschland suchen Personal. Viele IT-Betriebe können ihre offenen Stellen jedoch nicht besetzen. Jedes vierte dieser Unternehmen verliert aus diesem Grund inzwischen Umsatz. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die der BITKOM anlässlich des bevorstehenden zweiten nationalen IT-Gipfels in Auftrag gegeben hat.

„Das deutsche Bildungssystem kann den aktuellen Bedarf der Wirtschaft nach Fachkräften in vielen Bereichen nicht mehr decken“, so Scheer. Laut einer im Rahmen der Studie durchgeführten Umfrage mussten ein Viertel der IT-Unternehmen mit offenen IT-Stellen Aufträge ablehnen, weil sie für diese keine Mitarbeiter finden konnten. Der wirtschaftliche Schaden ist immens: Schätzungen des BITKOM zufolge kosten nicht besetzte Stellen die deutsche ITK-Wirtschaft in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro.

Um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen und den Hightech-Standort Deutschland zu stärken, plädiert der BITKOM in einem Grundsatzpapier zur Bildungspolitik für ein ausgewogenes Maßnahmenpaket, das gleichermaßen „die Weiterentwicklung des nationalen Arbeitsmarktes forciert, die Chancen der Zuwanderung Hochqualifizierter nutzt und Deutschland im Ausland als attraktiven Investitions- und Arbeitsstandort darzustellen weiß.“

Aufbauend auf einem „Drei-Säulen-Modell der Hightech-Fachkräfte-Politik“ schlägt der BITKOM im Rahmen der ersten Säule zur Weiterentwicklung des nationalen Fachkräftemarktes vor allem einen nationale Qualifizierungsinitiative vor, die unter anderem folgende Ziele verfolgen soll:

  • Stärkung des technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Schulen
  • Etablierung von Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe I
  • Schaffung spezieller schulischer Zusatzangebot für Mädchen, um diese für technische Themen und Studiengänge zu begeistern
  • Entwicklung eines systematischen und verbindlichen Weiterbildungsangebotes für Lehrer
  • Entwicklung neuer schulischer Leitbilder und innovativer Unterrichtskonzepte
  • Bessere Unterstützung von Studierenden in ihrem Lernprozess und Verbesserung der Hochschuldidaktik

Darüber hinaus müssten die Hochschulen nach Meinung von Scheer, Studienanfänger besser betreuen, um die hohen Abbruchquoten (derzeit 50%) zu senken. Das Motto muss laut Scheer in Zukunft lauten: „Förderung statt Selektion“.

Die zweite Säule und damit eine weiteren wesentlichen Baustein sieht das BITKOM-Grundsatzpapier in der Weiterententwicklung des Zuwanderungssystems. „Das bestehende Zuwanderungsgesetz ist zu restriktiv“, so Scheer zur aktuellen Lage. So gingen dem BITKOM zufolge zum einen die Anforderungen für Hochqualifizierte und Selbstständige ebenso wie das geforderte Mindestgehalt bzw. die Regelannahmen an den tatsächlichen Gegebenheiten des Arbeitsmarktes vorbei. Zum anderen sei das jetzige Zuwanderungssystem extrem komplex und überfordere jene Unternehmen mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen. Dies bestätigt auch die Umfrage, derzufolge fast 40 Prozent der IT-Betriebe mehr ausländische IT-Fachkräfte einstellen würden, wenn der Verwaltungsaufwand nicht so groß wäre. Dass ein modernes Zuwanderungssystem dem deutschen Arbeitsmarkt nicht schadet, lässt ein weiteres Ergebnis erkennen: So geben 10 Prozent der Unternehmen an, dass sie Projekte in Länder außerhalb der EU verlagern müssten, wenn es gar keine Zuwanderung geben würde.

Darüber hinaus jedoch müsse Deutschland dem BITKOM zufolge die Tatsache akzeptieren, dass es sich einem weltweiten Wettbewerb um die besten Fachkräfte befinde. Von daher müsse es Ziel des Hightech-Standorts Deutschlands sein, im Rahmen dieses Wettbewerbs in möglichst allen Disziplinen zu bestechen. Diesem Anspruch werde Deutschland derzeit jedoch nicht gerecht. Als Beispiel nennt der BITKOM die Zugänglichkeit von Informationen über Zuwanderungsmöglichkeiten. So sei das derzeitige Zuwanderungsgesetz mit allen seinen Gesetzestexten und Verordnungen für Immigrationswillige kaum durchschaubar und das Online-Informationsangebot der Bundesregierung nicht ausreichend. „Ein Vergleich der Informationsangebote der kanadischen Einwanderungsbehörde mit den deutschen Websites“, so der BITKOM, „ist hier eindrücklich.“ Deshalb plädiert der BITKOM als dritte Säule für ein „Internationales Arbeitsstandort-Marketing“ und fordert die Bundesregierung auf, sowohl für Bürger als auch Zuwanderungswillige den Blickwinkel eines Dienstleisters einzunehmen „und Strategien zu entwickeln, die dem Anspruch eines offensiven Werbens um Toptalente gerecht werden.“

Die Publikation zur Fachkräftestudie und das Bildungspolitische Grundsatzpapier des BITKOM sind jeweils als kostenloser Download erhältlich.

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