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News, 06.09.2007
Studie
Sinkende Arbeitskosten in der Wirtschaft – zu Lasten des Konsum
Im Jahr 2006 hat sich der Anstieg der Arbeitskosten in der deutschen Wirtschaft verglichen mit anderen EU-Staaten deutlich verlangsamt. Was einerseits die Unternehmen entlastet, schwächt andererseits die Binnennachfrage und geht vor allem zu Lasten weiblicher Arbeitnehmer, wie nun aus einer neuen Studie hervorgeht.
Einer neuen Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung zufolge betrugen die durchschnittlichen Arbeitkosten deutscher Arbeitgeber im Jahr 2006 pro Arbeitsstunde in der Industrie und im privaten Dienstleistungsbereich 26,70 Euro. Damit sind die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft deutlich langsamer gestiegen als im EU-Durchschnitt. Entgegen anderweitiger Behauptungen sei jedoch eine deutsche Spitzenstellung bei den Arbeitskosten nicht zu erkennen, so Professor Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Relativ betrachtet, so Horn, sei Deutschland sogar leicht zurückgefallen.

Während die Arbeitskosten in der EU-27 um durchschnittlich 2,9 Prozent gestiegen sind, verzeichnete die Privatwirtschaft in Deutschland nur einen Zuwachs von 1,1 Prozent. Bezogen auf die jeweiligen Branchen machte die Studie jedoch eine „sektorale Spaltung“ aus. So lagen die Arbeitskosten in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe mit durchschnittlich 30,90 Euro pro Stunde um 20 Prozent höher als im privaten Dienstleistungsgewerbe, das im Schnitt nur 24,50 Euro für die Arbeitsstunde aufzuwenden hatte. Ein im internationalen Vergleich außergewöhnlich großer Unterschied, wie die Wissenschaftler feststellten.

Als Gründe für diese sektorale Spaltung, speziell die unterdurchschnittlichen Arbeitskosten im Dienstleistungssektor, nennen die IMK-Experten vier Ursachen: Das Fehlen eines gesetzlichen Mindestlohns, den niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, die chronisch schwache Binnennachfrage und die in Deutschland ausgeprägten Unterschiede bei der Vergütung von Männern und Frauen. Letzteren Punkt bestätigt auch der vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlichte Gender-Datenreport, demzufolge der Gehaltunterschied zwischen Männern und Frauen im Jahr 2006 durchschnittlich 22 Prozent betrug – so viel wie in kaum einem anderen EU-Staat. Ein Umstand, der sich insbesondere im Dienstleistungssektor bemerkbar macht, wo der Anteil weiblicher Arbeitnehmerinnen traditionell besonders groß ist.

Das Fazit des IMK fällt dementsprechend gespalten aus. So hätten die Arbeitskosten in Deutschland zwar den Export beflügelt, weil die Zuwächse im internationalen Vergleich äußerst moderat ausgefallen seien, wie die Forscher resümieren. Gleichwohl sei dies jedoch um den Preis einer schwachen Binnennachfrage geschehen, weshalb sich auch die auf die Binnennachfrage angewiesenen Branchen inzwischen durch teilweise extrem niedrige Einkommen auszeichneten. Diese seien ohne das Gerüst eines gesetzlichen Mindestlohns derzeit jedoch kaum zu steigern. Ein, wie das Institut festhält, insbesondere für Frauen bedrückender Umstand, von denen viele in diesem Sektor arbeiteten und diese deshalb am schwersten von den schlechten Einkommensperspektiven betroffen seien.

Die 22. Ausgabe des IMK-Reports (September 2007) steht für Interessenten zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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