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News, 25.10.2010
Studie
Mittelstand schöpft Liquiditätsreserven nicht aus
Der deutsche Mittelstand verfügt über enorme Liquiditätsreserven. Aufgrund von Defiziten beim Liquiditätsmanagement bleiben diese allerdings bislang zu einem großen Teil noch ungenutzt, zeigt eine aktuelle Studie.
Ein zentrales Manko ist laut Studie, dass das Forderungsmanagement von vielen Unternehmen nicht aktiv genug betrieben wird.
Ein zentrales Manko ist laut Studie, dass das Forderungsmanagement von vielen Unternehmen nicht aktiv genug betrieben wird.

Nach einem Bericht der internationalen Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants
benötigt der deutsche Mittelstand im Zeitraum bis 2012 rund 60 Milliarden Euro zum Kauf von Rohstoffen, Betriebsmitteln und Investitionsgütern. Um hier jedoch in Vorleistung treten zu können und diesen Kapitalbedarf zu stemmen, braucht es in Unternehmen Liquidität. Dies insbesondere vor dem Hintergrund als die Liquiditätspolster bei vielen Mittelständlern durch die Krise aufgezehrt sind und die Beschaffung von Fremdkapital am Kreditmarkt vergleichsweise schwierig und teuer ist. Die Mittel, um die eigene Liquidität zu sichern, liegen häufig in den Unternehmen selbst, werden aber nur zu einem Teil erschlossen. So blieben Roland Berger zufolge über alle Branchen hinweg rund 120 Milliarden Euro an Liquiditätsreserven bislang ungenutzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Working Capital im Mittelstand", im Rahmen derer Roland Berger gemeinsam mit Creditreform das Liquiditätsmanagement von 2.500 Unternehmen untersucht hat.

Wie die Studie aufzeigt, gewinnt das Thema Working Capital Management, also das Management von Beständen, Forderungen und Verbindlichkeiten, für Unternehmen immer stärker an Bedeutung.  "Die meisten Unternehmen haben ihr Liquiditätsmanagement in der Krise schon deutlich verbessert", sagt Roland Schwientek, Partner im Kompetenzzentrum Operations Strategy bei Roland Berger Strategy Consultants. "Die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer ist unserer Untersuchung zufolge zwischen 2006 und 2009 immerhin von 64 auf 56 Tagen gesunken." Auch kommen deutsche Unternehmen wieder deutlich schneller an ihr Geld: Während im Jahr 2007 noch fast 40 Prozent der Forderungen verspätet beglichen wurden, trifft dies laut Roland Berger aktuell auf weniger als 20 Prozent der Forderungen zu. "Ein Zeichen für professionelleres Forderungsmanagement, aber auch Ausdruck der verbesserten wirtschaftlichen Lage", erklärte Creditreform-Geschäftsführer Dr. Carsten Uthoff.

Allerdings zeigt die Studie, dass das Kapital von großen Unternehmen im Durchschnitt nur halb so lange gebunden ist wie das von kleinen Firmen. Laut Schwientek habe hier der deutsche Mittelstand noch jede Menge nachzuholen. "Oder positiv ausgedrückt: Er hat noch gigantische interne Liquiditätsreserven. Das ist besonders in Zeiten, in denen die externe Finanzierung für Mittelständler schwieriger wird und Mezzanine-Finanzierungen 2011 in großem Umfang auslaufen, eine gute Nachricht", so der Experte. Während jedoch das Thema Working Capital Management in jedem Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Euro Jahresumsatz den Studienautoren zufolge auf der Tagesordnung stehe, widme der Mittelstand dem Thema nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit. "Große Konzerne betreiben ihr Liquiditätsmanagement heute professionell - mit klaren Verantwortlichen, Kennzahlen und Optimierungsinitiativen. Der klassische Mittelständler konzentriert sich dagegen oft noch rein auf Umsatz- und Wachstumskennzahlen", erklärte Schwientek. Jedoch kämen Mittelständler dem Bericht nach nicht umhin, sich mit dem Thema Liquidität in Zukunft intensiver zu befassen.

Qualität des Forderungsmanagements wird häufig überschätzt

Wie die Studie belegt, wird die Entwicklung der Kapitalbindung von mittelständischen Unternehmen meist positiver bewertet als dies die Zahlen rechtfertigen. So glauben fast 90 Prozent der Studienteilnehmer, im Bereich Forderungsmanagement in den vergangenen drei Jahren deutliche Fortschritte gemacht zu haben oder hier zumindest gleich gut dazustehen wie 2007. Tatsächlich aber treffe dies, wie die Analyse der Bilanzkennzahlen zeige, dem Bericht zufolge nur auf zwei von drei befragten Mittelständler zu, während sich das restliche Drittel in Sachen Forderungsmanagement sogar verschlechtert habe. Ein Defizit in diesem Kontext ist laut Uthoff, dass das Forderungsmanagement immer erst verhältnismäßig spät zum Tragen kommt.

Dabei belegt die Studie, dass sich professionelles Working Capital Management für Unternehmen auszahlt. So könne bereits eine Verkürzung der Kapitalbindungsdauer um fünf bis zehn Prozent (je nach Ausgangslage) den kompletten Finanzierungsbedarf, den eine Umsatzsteigerung um zehn Prozent mit sich bringt, abfedern und damit die externe Kreditaufnahme deutlich senken. Dabei zeigt die Studie dem Bericht zufolge, dass Unternehmen, die ein aktives Liquiditätsmanagement betreiben, ihre Kapitalbindung um zehn Prozent und mehr verringern konnten. Am weitesten von allen Branchen ist hier laut Studie aktuell die Nahrungsmittelindustrie mit einer durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer von 26 Tagen, gefolgt von den Papierherstellern mit 43 Tagen. Am längsten ist das Kapital derzeit in der Bekleidungsindustrie (86 Tage) und im Maschinenbau (79 Tage) gebunden.

Die Präsentation zur Studie "Working Capital im Mittelstand" steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

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