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News, 09.01.2013
Finanzierungs-Studie
Mittelstand beim Finanzmanagement mit Optimierungsbedarf
Nach einer aktuellen Studie beschränkt sich der Mittelstand in Sachen Finanzierung häufig selbst. Zentrale Schwachpunkte vieler Mittelständler beim Finanzmanagement sind demnach das Fehlen einer integrierten Finanzplanung und die alleinige Fixierung auf traditionelle Finanzierungsformen und –wege.
Wichtigste Erfolgsfaktoren bei der Finanzierung sind der Studie zufolge belastbare betriebliche Kennzahlen und ein funktionierendes Reporting.
Wichtigste Erfolgsfaktoren bei der Finanzierung sind der Studie zufolge belastbare betriebliche Kennzahlen und ein funktionierendes Reporting.

Wie die internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte berichtet, nimmt das Thema Finanzierung in den Chefetagen deutscher Mittelständler einen hohen Stellenwert ein. Vielfach schöpft der Mittelstand die Möglichkeiten, sich in dieser Hinsicht besser aufzustellen, allerdings nur unzureichend aus. Das zeigen die Ergebnisse der neuen Studie „Finanzierung im Mittelstand“, die Deloitte gemeinsam mit dem Mittelstandsinstitut der Universität Bamberg durchgeführt hat. So ermittelte die Studie, dass zum Beispiel die Finanzplanung vielfach nur ein Nebenprodukt der Planungsprozesse darstellt und nur selten vollends in die Unternehmensplanung integriert erfolgt. Auch ergab die Untersuchung, dass nur eine Minderheit der Mittelständler alternative Finanzierungsinstrumente nutzt: Hauptanlaufstelle für die Kapitalbeschaffung ist auch weiterhin Hausbank.

„Die Märkte verändern sich – und der Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, muss mithalten. Gerade in Finanz- und Finanzierungsfragen bedarf es aktuellem Fachwissen und Erfahrung, um zu guten Lösungen zu kommen“, kommentiert Jürgen Reker, Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte.

Finanzplanung erfolgt oft seperat

Wie die Studie ergab, läuft die Finanzplanung bei vielen Mittelständlern nebenher. Eine in die ganzheitliche Unternehmensplanung integrierte Finanzplanung, wie sie eigentlich erforderlich wäre, erfolge Deloitte zufolge im Mittelstand nur selten. Das Fehlen einer solchen hat jedoch zur Folge, dass die Überprüfung der Passgenauigkeit der Finanzierungsstrategie, die meist auf Innenfinanzierung und langfristigen Krediten aufsetzt, im Hinblick auf die strategische Unternehmensziele sowie die Finanzierungsziele deutlich erschwert wird. „Häufig zeigt sich, dass die Wahl des Finanzierungsmix nicht immer konsistent mit den genannten Zielen ist – auch deshalb, weil die Kompatibilitätsprüfung nicht oder nicht kontinuierlich durchgeführt wird“, so Deloitte. Dabei zeigten sich Deloitte zufolge besonders im Fördermittelbereich sowie bei Unternehmensanleihen, aber auch im Leasing interessante Alternativen zu den bisher eingesetzten Instrumenten. In der Studie erklärten jedoch immerhin rund drei von zehn befragten Mittelständlern (29%), alternative Finanzierungswege vermehrt zu prüfen.

Unabhängigkeit für Mittelstand am wichtigsten

Den höchsten Stellenwert im Mittelstand genießt die Wachstumsfinanzierung: Laut Befragung haben 62 Prozent der mittelständischen Betriebe hier einen Finanzbedarf. Wichtigstes Kriterium in Sachen Finanzierung ist der Erhalt der eigenen Unabhängigkeit. Sie stufen 72 Prozent der Mittelständler als sehr wichtig ein. „Das bedeutet aber auch, dass der unternehmerische Handlungsspielraum deutlich eingeschränkt ist, da so Wachstums- und Investitionsvorhaben nicht vollständig realisiert werden können“, so Deloitte. Erschwerte Finanzierungsmöglichkeiten infolge von Basel II sieht allerdings die Mehrheit der befragten Mittelständler nicht. Mehr Sorge bereitet dem Mittelstand dagegen Basel III: Infolge dieser Neuerungen erwarten 40 Prozent der Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Finanzierungssituation. Dass ein externes Rating auf ihre Finanzierungsmöglichkeiten positiven Einfluss haben könnte, glauben 79 Prozent der Mittelständler nicht. Entsprechend ziehen sie ein solches auch nicht in Betracht.

Finanzierung überwiegend mittels Eigenkapital sowie Kredite

Investitionen werden im Mittelstand der Studie nach meist über Eigenkapital und Bankkredite finanziert. Finanzierungsalternativen werden Deloitte zufolge dagegen selten genutzt. Wichtigster Finanzpartner ist für mehr als 60 Prozent der Mittelständler die eigene Hausbank. „Mehr als die Hälfte wollen trotzdem ihre Unabhängigkeit erhöhen“, so Deloitte. Drei von zehn befragten Mittelständlern gaben an, sie suchten derzeit aktiv nach Optionen, ihre Bankbeziehungen zu diversifizieren. Wie die Studie ergab, ist allerding der Bankanteil am Gesamtfinanzierungsvolumen eher gering. Mit der Beratung ihrer Hausbank aber sind drei Viertel der befragten Mittelständler zufrieden.

„Gerade weil der Bankkredit eine übergeordnete Bedeutung in der Finanzierung des Mittelstandes hat, ist eine integrierte Finanzplanung und Vorbereitung auf den Finanzierungsprozess so wichtig“, berichtet Christian Ukens, Partner und Leiter Debt Advisory & Financial Restructuring Services. „Verhandlungsprozesse verlaufen zunehmend digitaler, der Verhandlungsspielraum ist enger geworden und die Bereitschaft, einem Finanzierungsprozess treu zu bleiben hat abgenommen – auch bei den sogenannten Hausbanken“, so Ukens weiter.

Jeder fünfte Mittelständler nutzt Konsortialkredite

Meist genutzter Form der Finanzierung über Banken sind bilaterale Kredite, also mit den jeweiligen Banken einzeln abgeschlossene Kreditverträge. 72 Prozent der Mittelständler nutzen diese Form der Bankenfinanzierung. 20 Prozent der Unternehmen nutzen auch Konsortialkredite, also Kredite, bei denen das Kreditvolumen von zwei oder mehreren Banken bereitgestellt wird.

Nach Auskunft der befragten Mittelständler legen Banken bei der Prüfung von Kreditanfragen vor allem auf die Vorlage nachprüfbarer  Größen wie etwa belastbare Bilanzkennzahlen Wert: Gut acht von zehn Betrieben (81%) bewerten solche als erfolgsentscheidend. Weitere mehrheitlich genannte Erfolgsfaktoren bei der Kreditvergabe sind ein funktionierendes Reporting (74%) und Sicherheit (69%).

Aber auch Kreditklauseln, sogenannten Covenants, spielten Deloitte zufolge eine große Rolle. So habe zwar die Mehrheit der befragte Unternehmen angeben, noch nie in die Gefahr gekommen zu sein, Covenants, wie beispielsweise das Erreichen festgelegte Finanzkennzahlen, nicht erfüllen zu können. Deloitte zufolge bestehe jedoch die Gefahr, dass das Risiko, das mit Covenants einhergeht, von den Unternehmen systematisch unterschätzt wird.

„Zwar ist der deutsche Mittelstand im aktuellen makroökonomischen Spannungsfeld gut aufgestellt, dennoch wird sich die momentan labile internationale Konjunktur zunehmend durch höhere Planungsunsicherheit, Volatilität des Umlaufvermögens und Zurückstellung von Investitionen auswirken, warnt Reker. „Des Weiteren führt die zunehmende Unsicherheit im Bankenumfeld und die überproportionale Kreditvergabe aus der Vergangenheit zu einer eingeschränkten oder verzögerten Kreditvergabebereitschaft“, so der Mittelstandsexperte weiter. Um einen professionellen Finanzierungsprozess frühzeitig initiieren und verbindlich realisieren zu können, sei eine frühzeitige Planung von (Anschluss-)Finanzierung samt integrierter Mittelfristplanung daher unumgänglich.

 Der komplette Report zur Studie "Finanzierung im Mittelstand" steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

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