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News, 18.01.2013
Studie zur Mitarbeiterführung
Ungleichbehandlung fördert den Erfolg
Führungskräfte, die nicht alle Mitarbeiter gleich behandeln, stärken einer neuen Studie zufolge die Leistungsfähigkeit des Teams. Damit wird der Gleichbehandlungsgrundsatz klassischer Theorien zur Mitarbeiterführung auf den Kopf gestellt.
Der Studie zufolge müssen Führungskräfte, so sie erfolgreich sein wollen, ihre Aufmerksamkeit Mitbeitern gegenüber ungleich verteilen.
Der Studie zufolge müssen Führungskräfte, so sie erfolgreich sein wollen, ihre Aufmerksamkeit Mitbeitern gegenüber ungleich verteilen.
Teams, in denen Einzelne bevorzugt werden, erzielen bessere Ergebnisse als solche, in denen alle Teammitglieder gleichbehandelt werden. Das ergab jetzt eine Studie der Kühne Logistics Universität in Hamburg und London Business School, die auf Basis von Experimenten und Arbeitnehmer-Umfragen erforscht hat, wie sich Führungsqualität auf Teams und Teamarbeiter auswirkt. Danach erbringen Teamglieder, die bevorteilt werden, besonders gute Leistungen und verbessern damit unterm Strich das Output des gesamten Teams. An der Studie, die von Christian Tröster, Professor an der Kühne Logistics University in Hamburg, und Stefan Thau, Professor an der London Business School, gemeinsam Wissenschaftlern aus Kanada und aus den Niederlanden durchgeführt wurde, nahmen insgesamt knapp 1.000 Arbeitnehmer teil.

„Seit den 40er Jahren predigen Führungstheorien, dass es sich auszahlt, wenn man allen Mitarbeitern mit der gleichen Aufmerksamkeit begegnet. Unsere Studie gibt der Forschung einen neuen Dreh: Wir zeigen, dass es sich lohnt, nicht alle gleich zu behandeln“, so Professor Christian Tröster. Das bedeute jedoch nicht, dass Vorgesetzte mit den anderen Mitarbeitern respektlos umgehen sollten. Vielmehr gelte es laut Tröster die anderen Teammitglieder, die nicht bevorteilt werden, fair und „normal gut“ zu behandeln. „Die Bevorteilung muss auf eine sensible Art und Weise geschehen, die den Einzelnen stärkt und das Team nicht schwächt“, erklärt der Studienleiter.  

Neuer Management-Ansatz stellt Führungskräfte vor ein ethisches Dilemma

Der Führungsansatz der Bevorzugung Einzelner führt zwar zu besseren Ergebnissen im Team und fördert den Erfolg von Führungskräften, bringt Vorgesetzte allerdings auch zugleich in ein ethisches Dilemma. Behandeln sie einzelne Mitarbeiter besser als andere, erhöht sich deren Selbstwert. Positive Emotionen und die Arbeitszufriedenheit nehmen zu. Sie sind besonders produktiv, machen weniger Fehler und unterstützen ihre Kollegen. Andererseits vernachlässigen Führungskräfte mit der Bevorteilung den moralischen Anspruch, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln und riskieren damit den Vertrauensverlust jener Teammitglieder, die sich benachteiligt fühlen. „Der moralische Imperativ, jeden gleich gut zu behandeln, ist in unserer Gesellschaft stark verwurzelt“, so Studienleiter Tröster.

Ein wesentlicher Aspekt, der in der Studie sichtbar wurde, war den Wissenschaftlern nach zudem das Wirken sozialer Vergleichsprozesse. So wünsche sich zwar jeder Mitarbeiter Anerkennung von dem eigenen Vorgesetzten, um sein Ansehen innerhalb des Teams zu steigern. Ob Mitarbeiter allerdings die Führungsqualitäten ihrer Vorgesetzten schätzten, hänge Tröster zufolge davon ab, wie er sie im Vergleich zu anderen behandelt. „Diese Annahme liegt unserer Studie zugrunde“, so der Studienleiter. In der Forschung wie etwa dem Gruppenwert-Modell von Tyler und darauf basierenden Theorien würden diese sozialen Vergleichsprozesse, wie es im Bericht heißt, jedoch oft vernachlässigt.
„In einem unserer Experimente waren Gruppenleiter zu einzelnen Teilnehmern besonders freundlich. Sie hielten mit ihnen verstärkt Augenkontakt, gaben ihnen häufiger das erste Wort und lobten ihre Beiträge besonders“, berichtet Tröster. Das Ergebnis dieser Untersuchung, so der Wissenschaftler weiter: „Wer sich im Vergleich zu anderen besser behandelt fühlt, stärkt das Team und steigert so die Produktivität. Dagegen bringen Mitarbeiter, die gleich gut wie ihre Kollegen behandelt werden, weniger gute Ergebnisse.“ Der Führungsansatz der Bevorzugung zahle sich dem Forscherteam zufolge für Unternehmen also aus.

Die Empfehlung: Leistung Einzelner honorieren, die anderen bei Laune halten

Um die anderen nicht zu „verprellen“, könnte es laut Tröster sinnvoll sein, sich auf Mitarbeiter mit hohem Potenzial zu konzentrieren. „Hat jemand gute Arbeit erbracht, sind Lob und Schulterklopfen gerechtfertigt. Unter diesen Umständen wäre das Verhalten des Chefs auch für die Kollegen verständlich“, so der Wissenschaftler. Unter welchen Umständen und in welchen Situationen ein bevorteilender Führungsstil erfolgreich und moralisch vertretbar sei, müssen nun in Folgestudien unter die Lupe genommen werden. Eines sei laut Förster jedoch schon klar: „Führungskräfte müssen wissen, dass Gleichbehandlung nicht unbedingt zum Ziel führt. Wollen sie erfolgreich sein, sollten sie ihre Aufmerksamkeit ungleich verteilen.“
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