News, 20.06.2018
Perspektive Mittelstand
Flexibilisierung der Arbeitszeit
Immer mehr Beschäftigte haben ein Arbeitszeitkonto
Arbeitszeitkonten erfreuen sich sowohl bei Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern immer größerer Beliebtheit, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Immer mehr Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, über sogenannte Arbeitszeitkonten Überstunden in Zeitguthaben umzuwandeln und diese geleistete Mehrarbeit dann wieder in Form von Freistellungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums abzutragen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer aktuellen Studie ermittelt. Danach hat sich der Anteil der Arbeitgeber, die für ihre Beschäftigten Arbeitszeitkonten führen, seit 1999 von 17 Prozent auf 35 Prozent mehr als verdoppelt. Zugleich erhöhte sich der Anteil der Beschäftigten, die über ein Arbeitszeitkonto verfügen, im selben Zeitraum von 21 auf 56 Prozent erhöht.

Vorreiter bei der Nutzung von Arbeitszeitkonten sind Betriebe der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung. Von ihnen haben 76 Prozent entsprechende Arbeitszeitmodelle implementiert. Ebenfalls weit verbreitet sind Arbeitszeitkonten bei Unternehmen aus dem Wirtschaftszweig Energie, Wasser, Abfall und Bergbau (59 %) sowie im Bereich Produktionsgüter (54 %). Anders im Finanz- und Versicherungsgewerbe. Hier bietet aktuell nur gut ein Viertel der Unternehmen (26 %) entsprechende Modelle zur Erfassung von Arbeitszeitguthaben an. Gleiches gilt im Gastgewerbe mit einem Verbreitungsgrad von 24 Prozent.

Ausgleichszeitraum für Arbeitszeitkonten mehrheitlich befristet

Bei zwei von zehn Betrieben, die Arbeitszeitkonten führen, beträgt der Ausgleichszeitraum maximal ein halbes Jahr. Bei vier von zehn Betrieben müssen die Zeitguthaben oder -schulden innerhalb eines Zeitraums zwischen einem halben und einem Jahr ausgeglichen werden bzw. darf an einem Stichtag ein bestimmter Wert nicht über- oder unterschritten werden. Ebenfalls vier von zehn Betrieben haben Arbeitszeitkonten ohne einen feststehenden Ausgleichszeitraum. Hier sind die Ausgleichszeiträume entweder nicht geregelt oder aber nur grundsätzlich festgelegt und kurzfristig modifizierbar. Der Vorteil: Arbeitgeber können so den Arbeitseinsatz an kurzfristige Schwankungen der Auftragslage anpassen, erklären die IAB-Forscher Peter Ellguth, Hans-Dieter Gerner und Ines Zapf. Beschäftigte wiederum könnten die Spielräume nutzen, um die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu verbessern.

Obwohl das im Jahr 2009 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen („Flexi-II-Gesetz“) die Nutzung von Langzeitkonten auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt hat, machen nur wenige Betriebe davon Gebrauch: Lediglich zwei Prozent führen separate Langzeitkonten. Dort angesparte Guthaben werden am häufigsten für längere Freistellungen sowie für Familien- oder Weiterbildungszeiten genutzt. Weniger bedeutend hingegen sind Konten, die eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit ermöglichen.

Die Studie steht für Interessierte kostenlos zum Download zur Verfügung.

cs/IAB
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