Das Internet nimmt immer stärker Einfluss auf die Kaufentscheidung von Verbrauchern. Das geht aus einer neuen Studie hervor, der zufolge ein immer größerer Teil der Deutschen vor einem On- und Offline-Einkauf online recherchiert. Vor dem Hintergrund des Hypes um Social Media dabei bemerkenswert: Auf Social Networks, Blogs und Twitter greift zur Vorbereitung einer Kaufentscheidung aktuell nur eine kleine Minderheit zurück.
Immer mehr Verbraucher greifen vor dem Einkauf von Produkten auf das Internet zurück, speziell bei Medien, Unterhaltungselektronik und Mode. Die beliebtesten Quellen zur Recherche: Suchmaschinen und Websites aus dem Einzelhandel.
Das Internet übt immer stärkeren Einfluss auf die Kaufentscheidungen
von Konsumenten aus. Das zeigen die Ergebnisse Studie
„Kaufentscheidung: Überzeugungskraft kommt aus dem Internet“, für die
das Marktforschungsinstitut TNS Infratest insgesamt 6.048
Internetnutzer zwischen 18 und 59 Jahren in Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Niederlande und Spanien befragt hat. Danach
kaufen immer mehr Bundesbürger ihre Produkte erst nach einer
ausführlichen Recherche im Internet. Welchen Stellenwert die
Online-Suche einnimmt, hängt jedoch stark vom jeweiligen Produkt ab.
Die höchste Relevanz genießt die Internet-Produktrecherche beim Kauf
von Büchern, CDs und DVDs, wo im Durchschnitt aller Länder rund 70
Prozent der Nutzer „häufig“ oder „(fast) immer“ vorab recherchieren.
Anders bei Mode: Hier greift im Vorfeld eines Einkaufs nur ein Drittel
(34%) auf das Internet zurück. Wie die Studie dabei aufzeigt, sind
jedoch die Präferenzen, sich des Internets im Vorfeld eines On- bzw.
Online-Einkaufs zu bedienen, bezogen auf die jeweiligen Produkte in den
untersuchten Ländern teils sehr unterschiedlich ausgeprägt. Gleiches
gilt für die zur Internetrecherche verwandten Online-Medien: Auch hier
gibt es europaweit zum Teil sehr große Unterschiede.
Recherche nach Mode für Deutsche überdurchschnittlich interessant
Während deutsche Internetnutzer bei Medien wie Büchern und CDs
hinsichtlich ihrer Neigung zur Online-Recherche genau im europäischen
Durchschnitt (70%) liegen und auch bei Unterhaltungselektronik eine für
Europa typische Recherche-Neigung zeigen (Europa: 66%; Deutschland
67%), trifft dies auf die zwei anderen untersuchten Sparten nicht zu.
So ist das Interesse deutscher Konsumenten, das Internet für Fern- und
Urlaubsreisen als Recherchemedium zu nutzen, im Vergleich zum
Durchschnitt (70%) wesentlich geringer ausgeprägt: In Deutschland zieht
beim Thema Urlaub/Reisen nur gut die Hälfte (56%) immer oder oft häufig
das Internet zu Rate. Umgekehrt in Sachen Mode: Beim Kauf von Schuhen
und Bekleidung greift europaweit gerade mal ein Drittel (34%) zur
Recherche auf das Internet zurück, während in Deutschland dies rund
vier von zehn befragten Internetnutzern (41%) tun. Franz Kilzer,
Director TNS Infratest Retail & Shopper Insights, sieht darin eine
große Chance für die Modeindustrie, mit dem passenden Marketing und der
Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet einen Einfluss auf die
Online- und Offlineverkäufe auszuüben. “ Die bisher in der Modebranche
schon wichtige Mund-zu-Mund-Propaganda kann auf diese Weise auch im
Internet eine Schlüsselrolle übernehmen, denn die Intensität der
Online-Recherche auch zu diesem Thema wird weiter deutlich zunehmen“,
so Kilzer.
Hauptmotiv für Internetrecherche ist Streben nach Wirtschaftlichkeit und Effizienz
Bei der Frage nach den Gründen für eine Internetrecherche in den
jeweiligen Produktbereichen hat die Studie insgesamt fünf Hauptmotive
für die Internet-Produktrecherche identifiziert. Das häufigste Motiv in
Deutschland, das Internetnutzer zur Online-Suche nach Produkten
antreibt, ist der Studie zufolge eine wirtschaftliche und effiziente
Kaufentscheidung treffen zu wollen. Fast drei Viertel der Befragten
hierzulande nannten dies Motiv. Hierzu genannte Teilaspekte: die Suche
nach dem günstigsten Angebot, den Anbieter mit dem besten
Preis-Leistungsverhältnis zu finden, beim Einkauf Zeit zu sparen oder
auch das beste Produkt zu finden. Ein weiteres, von zwei Drittel der
Deutschen (67%) genanntes Motiv ist die Suche nach detaillierten
Informationen zum Produkt, dessen Verfügbarkeit sowie dessen Vor- und
Nachteile. Fast sechs von zehn befragten Deutschen (58%) stöben häufig
online aber auch bisweilen einfach nur herum, um sich im Internet zum
Thema bzw. den Produkten auf den aktuellen Stand zu bringen. Die Hälfte
der deutschen Internetnutzer (51%) setzt das Internet jedoch auch ganz
gezielt zur Vorbereitung eines Offline-Einkaufs ein, sei es um einen
Anbieter in seiner Nähe zu recherchieren oder sich auch nur vorab schon
mal ein Bild von dem zum Kauf erkorenen Produkt zu machen. Von mehr als
vier von zehn Befragten (43%) wird das Internet im Vorfeld einer
Kaufentscheidung überdies genutzt, um sich zum Thema und Produkten
auszutauschen sowie Erfahrungen und Meinungen von anderen Konsumenten
zum Produkt zu recherchieren.
Social Media für Einkauf offensichtlich bislang wenig interessant
Bei der Online-Suche nach Produkten sind Suchmaschinen in allen
Produktkategorien sowohl für deutsche Nutzer (66%) als auch in Europa
(68%) erste Wahl. Ebenfalls in Deutschland sehr beliebt sind
Einzelhändler-Websites, die rund sechs von zehn befragten (59%) zur
Produktrecherche nutzen. Ganz anders in Europa: Hier suchen
durchschnittlich nur 44 Prozent der Internutzer Websites des
Einzelhandels auf. TNS zufolge spiegelt dies Studienergebnis die hohe
Bedeutung des E-Commerce und damit einhergehend auch der großen
E-Retailer in Deutschland wieder. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim
Nutzungsgrad von Preisvergleich-Websites: Während in Deutschland 43
Prozent der Befragten Preisvergleiche nutzen, tun dies europaweit nur
rund ein Drittel (35%). Auch auf Auktionsplattformen greifen Deutsche
zur Produktrecherche deutlich häufiger zurück (Deutschland: 38%;
Europa: 29%). Ebenso beliebt bei deutschen Internetnutzern: Websites
von Herstellern bzw. Dienstleistungsunternehmen (38%). Dahinter folgen
Verbraucherkritikwebsites (32%) und Internetseiten von professionellen
Kritikern (30%). E-Mails nutzt dagegen zur Produktrecherche nurmehr
jeder fünfte Deutsche (20%).
Die geringste Nutzerquote bei der Produktrecherche weist Social Media
aus. Am beliebtesten sind hier noch Foren (Deutschland: 18%,
Europa:16%) und Videoportale (Deutschland: 11%; Europa:14%).
Schlusslichter bei den in Deutschland genutzten Informationskanälen
sind Weblogs (Deutschland: 8%; Europa:12%), Social Networks
(Deutschland: 7%; Europa:13%) und Mikroblogs wie Twitter (Deutschland:
6%; Europa:7%). Jedoch lasse sich aus diesen Ergebnissen TNS zufolge
keinesfalls ableiten, dass Social Media im Online-Marketing eine zu
vernachlässigende Größe sei.
Typologie der Strategien bei der Online-Produktrecherche
Im Zuge der Studie wurden für die beschriebenen Produktkategorien von
TNS fünf verschiedene Online-Suchstrategien identifiziert, wobei ein
und dieselbe Person je nach Kategorie unterschiedliche Strategien
anwenden könne, die wiederum von einer komplexen Motivlage angetrieben
würden. Auch kommt den typologisierten Recherche-Strategien in
jeweiligen Ländern eine unterschiedliche Bedeutung zu.
- „Interactive Power Research": Laut Studie ist dies
in Deutschland mit 27 Prozent die am häufigsten verwandte Strategie.
Sie ist bei intensiven Internetnutzern anzutreffen und beinhaltet alle
Suchmotive, wobei der Austausch und die Meinungsbildung zu einem
Produkt die wichtigsten Motivationen sind. In Deutschland ist diese
Strategie besonders im Bereich „Unterhaltungs- und
Kommunikationstechnik“ anzutreffen. Für die Kategorien „Medien“ und
„Mode“ spielt sie jeweils die geringste Rolle.
- „E-Commerce Oriented Informations Focus": Mit 26 Prozent
ist diese Strategie in Deutschland deutlich wichtiger als im
europäischen Durchschnitt (19 Prozent). Hauptmotiv für diese
Suchstrategie ist es, detaillierte Produktinformationen zu erhalten,
die durch einen allgemeinen Überblick über aktuelle Informationen
unterfüttert werden, um so eine gut begründete Kaufentscheidung treffen
zu können. Auf Offline-Käufe hat diese Suchstrategie keine
Auswirkungen, daher wird sie im Bereich „Mode“ in Deutschland deutlich
seltener angewendet als in den anderen Produktkategorien. Aus
soziodemografischer Sicht haben die Nutzer dieser Strategie meist ein
höheres Haushalts-Nettoeinkommen.
- „Economical Exploring“: Diese Strategie wird in
Deutschland bei 17 Prozent der Internet-Produktrecherchen angewendet.
Ihr Ziel ist es, aktuelle Hintergrundinformationen zu recherchieren,
die einer effizienten und wirtschaftlichen Kaufentscheidung dienen.
Eine geringe Rolle spielt bei dieser Suchstrategie die Vorbereitung von
Offline-Käufen. Meinungsbildung und -austausch ebenso wie detaillierte
Produktinformationen spielen hierbei keine Rolle. Nahezu die Hälfte
dieser Online-Suchestrategie (44 Prozent) wird in Deutschland im
Bereich „Mode“, ein Drittel im Bereich „Medien“ hauptsächlich von
weiblichen Anwendern durchgeführt.
- „Rational Offline Oriented Research“: Laut TNS kommt
diese Strategie in Deutschland bei 15 Prozent der Internetrecherchen
zum Einsatz. Hierbei sollen die detailliert recherchierten
Produktinformationen den späteren Offline-Einkauf vorbereiten.
Meinungsaustausch oder Informationen zum aktuellen Geschehen sind bei
dieser Suchform, die meist von Älteren Internetnutzern angewendet wird,
nicht von Bedeutung.
- „Low Involvement Research“: Mit 15 Prozent wird diese
Suchstrategie in Deutschland deutlich weniger angewendet als im
europäischen Durchschnitt (20 Prozent). Außer einem geringen
Meinungsaustausch, sind andere Suchmotive bei dieser Suchstrategie kaum
von Bedeutung. Die häufigste Produktkategorie dieser Suchstrategie ist
der Bereich „Mode“. Mit der niedrigen Motivation zur Online-Recherche
geht ein niedriger Stellenwert des Online-Einkaufs einher. Die
Strategie wird eher von Männern und Verbrauchern mit geringer
Internetnutzung angewendet.
[Quelle:
TNS Infratest]