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News, 30.08.2012
Studie zeigt stabile Mitte
Angst der Mittelschicht vor Abstieg meist unbegründet
Die in den letzten Jahren viel bemühte These, dass die Mittelschicht in Deutschland besorgniserregend schrumpfe, trifft einer aktuellen Studie nach nicht zu. Auch steigen von den wenigen, die aus der Mittelschicht in die relative Einkommensarmut abrutschen, die meisten binnen eines Jahres wieder auf.
Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist meist unbegründet. Allerdings: der Abstand zwischen den „oberen Zehntausend“ und den anderen Einkommensschichten vergrößert sich.
Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist meist unbegründet. Allerdings: der Abstand zwischen den „oberen Zehntausend“ und den anderen Einkommensschichten vergrößert sich.

Der Anteil der Bevölkerung in Deutschland, der zur so genannten Mittelschicht zählt, hat sich seit 1991 kaum verändert. Das ergab jetzt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zur Entwicklung der Einkommensstruktur in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Danach zählten im Jahr 2009 in Deutschland 48,7 Prozent der Bundesbürger zur so genannten „soziokulturellen Mitte“, das heißt zur Gruppe derer, die 80 bis 150 Prozent des Medianeinkommens in Deutschland erzielen. Das waren lediglich 1,2 Prozentpunkte weniger als 1991 (49,9%).  Dem IW Köln zufolge belief sich dieses „mittlere“ Einkommen zuletzt auf einen Alleinstehenden umgerechnet auf monatlich knapp 1.600 Euro netto. „Weder die  positive  Konjunkturentwicklung  2006  und  2007  noch  die  schwere Krise 2008 und 2009 haben in nennenswertem Umfang an der Mitte der Gesellschaft gerüttelt“, so das IW Köln. Von einem besorgniserregenden Schrumpfen der Mittelschicht in Deutschland könne also keine Rede sein.

Nimmt man die untere Mittelschicht (60 bis 80% des Medieneinkommens) und die obere Mittelschicht (150 bis 250% des Medieneinkommens) hinzu, zeigt sich ein etwas stärkerer Rückgang. In dieser Betrachtung umfasste die breiter definierte Mittelschicht im Jahr 2009 der Studie zufolge 80,9 Prozent der Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter und damit 3,0 Prozentpunkte weniger als 1991 (83,9%). Auch die erweiterte Mittelschichtsbetrachtung lässt die Behauptung von einer Erosion der Mittelschicht in Deutschland allerdings als sehr weit hergeholt erscheinen.

Eine auffällige bzw. etwas stärkere Veränderung gab es dem IW Köln nach lediglich im Zeitraum 1998 bis 2004: In dieser Phase ist der Anteil der Einkommensarmen gestiegen und der unteren Mittelschicht gesunken. Danach sei allerdings dem Institut nach nicht mehr viel passiert. „Seit 2004 sind die Anteile der jeweiligen Schichten stabil, auch am unteren Ende – wenn auch auf etwas höherem Niveau als kurz nach der Wiedervereinigung“, so das IW Köln. Signifikante Auswirkungen der 2005 in Kraft getretenen Hartz IV-Regelungen auf die unteren und mittleren Einkommensschichten lasse die Studie nicht erkennen. "Lediglich der Abstand zur wohlhabenden Schicht ist etwas größer geworden. Ein Auseinanderdriften der anderen Einkommen ist aber nicht auszumachen", konstatierte Michael Hüther, Direktor des IW.

Sozialer Abstieg aus der Mittelschicht meist nicht von Dauer

Dem IW Köln zufolge rutschen jährlich etwa zwei Prozent bzw. 400.000 der rund 20 Millionen Mittelschicht-Haushalte in Deutschland in die Einkommensarmut ab. Dieser Prozentsatz hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dem Bericht nach tendenziell auch nicht verändert. Auch zeigt die Studie, dass Abstieg bei der Mehrheit der Betroffenen nur vorrübergehend ist. So verbleiben die meisten der in die unterste Einkommensgruppe abgerutschten Haushalte in dieser nur für kurze Zeit:  Mehr als der Hälfte gelingt der „Wiederaufstieg“ binnen eines Jahres. Vor der Jahrtausendwende hatten dies in dieser kurzen Zeit jedoch noch mehr Betroffene geschafft. Damals gelang der schnelle Wiederaufstieg aus der Einkommensarmut in die Mittelschicht dem IW Köln nach sogar bis zu drei Viertel der abgerutschten Haushalte.

Aufgrund der Breite der Einkommensspanne, die die Mitte ausmacht, gebe es dem Wirtschaftsforschungsinstitut zufolge innerhalb der Mittelschicht jedoch auch Aufs und Abs. So rutsche beispielsweise etwa jeder zehnte Mittelschichtler, der in einem Jahr zur soziokulturellen beziehungsweise typische Mitte zählte, im Jahr darauf in die einkommensschwache Mitte ab. „Doch nur ein sehr kleiner Anteil dieser Haushalte gleitet anschließend  weiter  in  die  Einkommensarmut ab“, so das IW in seinem Bericht.

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