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News, 24.03.2015
Mittelstandsstudie
Alterung im Mittelstand bremst Investitionen
Der deutsche Mittelstand rutscht in die Demografie-Falle. Nach einer Analyse der KfW ist ein Drittel aller Mittelständler älter als 55 Jahre. Das Problem: ältere Unternehmer investieren deutlich seltener. Dies hemmt die Innovationskraft, führt zu Substandverlust und verlangsamt das Unternehmenswachstum
Geschäftsführer und Mitarbeiter einer Druckerei kontrollieren Muster. (Bild: KfW-Bildarchiv / Torsten George)
Geschäftsführer und Mitarbeiter einer Druckerei kontrollieren Muster. (Bild: KfW-Bildarchiv / Torsten George)
Der demografische Wandel hinterlässt deutliche Spuren im deutschen Mittelstand: 1,3 Millionen kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) in Deutschland werden von Inhabern geführt, die 55 Jahre oder älter sind. Das entspricht rund einem Drittel aller Mittelständler in Deutschland. Damit hat sich der Anteil dieser Altersgruppe unter den mittelständischen Unternehmern seit dem Jahr 2002 in Deutschland um 16 Prozentpunkte und damit um das Vierfache so stark erhöht wie insgesamt in der Bevölkerung (+ 4 Prozentpunkte). Das geht aus einer repräsentativen Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels hervor. Dies ist vor allem deshalb problematisch, als es trotz des Umstands, dass die Gründerzahlen jüngst ein wenig angezogen haben, weiterhin in Deutschland nicht genügend Unternehmernachwuchs gibt, wie die Analyse ebenfalls ergab.

Wie stark sich die Alterung des Mittelstands beschleunigt hat, zeigt auch der Blick auf das Durchschnittsalter der Firmenchefs. So liegt der Altersdurchschnitt in den Chefetagen aktuell bei 51 Jahren und damit mittlerweile sechs Jahre höher als vor 13 Jahren (2002: 45 Jahre). Die Alterung der Chefetagen zieht sich fast durch alle Branchen. Besonders schnell in Richtung Demografie-Falle bewegen sich die KMU des Verarbeitenden Gewerbes, wo die Senior-Chefs im Durchschnitt 54 Jahre alt sind. Unabhängig von der Branche zeigt dabei die Analyse, dass die Chefs von größeren Mittelständlern tendenziell ein wenig älter sind als die von kleineren Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern.

Investitionsbereitschaft nimmt im Alter stark ab

Die beschleunigte Alterung im Mittelstand hat negative Folgen für die gesamte Volkswirtschaft. Denn die Investitionsbereitschaft mittelständischer Unternehmer sinkt mit zunehmendem Alter rasant, ergab die Analyse: Während von den Mittelständlern unter 40 Jahren 57 Prozent in ihre Firma investieren, tun dies von über 60-jährigen Unternehmensinhabern gerade einmal nur noch 37 Prozent. Das Gros der Senior-Chefs zieht sich dagegen aus der Weiterentwicklung ihres Unternehmens der Analyse nach zurück. „Das gefährdet den künftigen Geschäftserfolg, bremst Modernisierung und reduziert gesamtwirtschaftliches Wachstum. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit, sind häufig Arbeitsplätze gefährdet“, so die KfW.

Auch die Art der Investition verändert sich mit steigendem Alter. Stärker risikobehaftete und kapitalbindende Vorhaben werden seltener, die noch durchgeführten Investitionen dienen in erster Linie der Pflege des Kapitalstocks. Die geringere Investitionsneigung hat gravierende Folgen für die Unternehmenssubstanz. Bei acht von zehn Mittelständlern mit älteren Inhabern übersteigt der Wertverlust des Kapitalstocks das Volumen der Neuinvestitionen.

Eine zentrale Ursache für die abflauende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmer ist deren kurzer Planungshorizont, die Risikobereitschaft sinkt. Rückt ein Inhaber näher an das Rentenalter heran, besitzen viele Vorhaben eine aus seiner Sicht zu lange Amortisationsdauer. Das gilt umso mehr für alle längerfristig finanzmittelbindenden – dafür aber auch wettbewerbsstärkenden – Zukunftsinvestitionen.

„Der deutsche Mittelstand altert im Zeitraffer“, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.  „Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen durchaus ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Anziehungskraft für neue Kunden. Das mindert den Wert des Unternehmens, in dem oft ein ganzes Arbeitsleben steckt.“

Eine detaillierte Zusammenfassung aller Ergebnisse der Studie steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

cs/KfW; Bild: KfW-Bildarchiv / Torsten George
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