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News, 25.10.2012
Armutsstatistik
Armut in Deutschland trotz Wirtschaftsboom gestiegen
Im Jahr 2011 war fast ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Von den Arbeitslosen waren sogar gut zwei Drittel arm.
Warenausgabe für Bedürftige bei der Bergedorfer Tafel (Bildquelle: Bundesverband Deutsche Tafel e.V.; Foto: Wolfgang Borrs).
Warenausgabe für Bedürftige bei der Bergedorfer Tafel (Bildquelle: Bundesverband Deutsche Tafel e.V.; Foto: Wolfgang Borrs).

Die Armut in Deutschland ist 2011 gewachsen - trotz Rekorderwerbstätigkeit und einem realen Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Das zeigt die Erhebung „Leben in Europa 2011“ des Statistischen Bundesamtes. Danach waren unter Zugrundelegung der Kriterien der Europäischen Union (EU) im  Jahr 2011 in Deutschland 19,9 Prozent der Bundesbürger beziehungsweise rund 16 Millionen Menschen von Armut  oder von sozialer Ausgrenzung betroffen. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor (2010: 19,7%). Als von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen gelten laut EU-Definition Personen, bei denen von den drei Kriterien „Armutsgefährdung“, „erhebliche materielle Entbehrung“, „Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ mindestens ein Kriterium gegeben ist.

Wenn sogar das Geld für eine vollwertige Mahlzeit fehlt

Gemäß EU-Definition waren 2011 in Deutschland 15,8 Prozent der Bundesbürger beziehungsweise 12,8 Millionen Menschen armutsgefährdet. Als armutsgefährdet galt 2011 in Deutschland jeder, der inklusive staatlicher Transferleistungen weniger als 60 Prozent des Medianeinkommen erzielte, das heißt im Monat weniger als 952 Euro zur Verfügung hatte. Im Vorjahr war der Anteil der von Armut bedrohten Deutschen noch bei 15,6 Prozent gelegen. Das Kriterium „Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ traf im letzten Jahr auf 11,1 Prozent der Bundesbürger zu. Letzteres ist dann gegeben, wenn die tatsächliche Erwerbsbeteiligung der im Haushalt lebenden, erwerbsfähigen unter 59-jährigen Personen insgesamt weniger als 20 Prozent ihrer potenziellen Erwerbsbeteiligung beträgt.

5,3 Prozent der Bundesbürger – gut 4,3 Millionen Menschen - hatten der Erhebung nach besonders schwer zu kämpfen. Bei ihnen war die finanzielle Lage so prekär, dass ihr Leben von erheblichen materiellen Entbehrungen geprägt war. „Erhebliche materielle Entbehrung“ bedeutet laut EU-Definition, dass mindestens vier der folgenden Kriterien erfüllt sind: Probleme, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu bezahlen, die Wohnung angemessen zu heizen oder unerwartete Ausgaben (bspw. anfallende Reparaturen) zu finanzieren sowie kein Geld, sich einen PKW, eine Waschmaschine, ein Telefon oder einen TV-Anschluss zu leisten, sowie zu wenig Geld, die Wohnung angemessen zu heizen oder zumindest jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einzunehmen. Allein der letztgennannte Punkt traf der Erhebung nach 2011 in Deutschland auf mehr als eine halbe Millionen Menschen zu.

Arbeitslosigkeit ist Armutstreiber Nr. 1

Mit Abstand am häufigsten von Armut betroffen waren Arbeitslose. Dem Statistikamt zufolge belief sich hier der Anteil der von Armut gefährdeten Personen 2011 auf erschreckende 67,8 Prozent. Zum Vergleich: Unter den Erwerbstätigen waren im vergangen Jahr nur 7,7 Prozent von Armut bedroht. Eine überdurchschnittlich hohe Armutsgefährdungsquote zeigt sich zudem bei den Alleinerziehenden. Von ihnen lebten  37,1 Prozent an oder unterhalb der Armutsschwelle. Aber auch viele Alleinlebende hatten schwer zu kämpfen. Der Erhebung nach  unter ihnen rund ein Drittel (32,3%) von Armut bedroht. Bei den Deutschen, die in Zwei-Personen-Haushalten lebten, war dies 2011 dagegen lediglich bei 11,1 Prozent der Fall.

Auch zeigt die Studie, dass Frauen (21,3%) deutlich häufiger als Männer (18,5%) von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen waren – und zwar sowohl was die Armutsgefährdung (Frauen: 16,8%; Männer: 14,9%), als auch die Kriterien „erhebliche materielle Entbehrung“ (Frauen: 5,7%; Männer: 5,0%) und „Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ (Frauen: 11,8%; Männer: 10,4%) angeht.

Noch größere Unterschiede zeigen sich jedoch beim Blick auf die verschiedenen Altersklassen: Während von 18- bis 65-Jährigen insgesamt 21,3 Prozent am unteren finanziellen Limit lebten, galt dies in der Altersgruppe über 65  Jahren nur für 15,3 Prozent der Bundesbürger. Von erheblicher materieller Entbehrung (Deprivation) waren die die über 65-Jährigen mit einem Anteil von 3,2 Prozent sogar nur halb so häufig betroffen (18- bis 65-Jährige: 6,0%). Bei den Deutschen unter 18 Jahren betrug der Anteil der von Armut oder Ausgrenzung betroffen Personen 19,9 Prozent.

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