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News, 01.08.2013
Sorge um Datensicherheit
Vertrauen in Datenschutz massiv gesunken
Die Ausspähaktionen ausländischer Geheimdienste haben das Vertrauen deutscher Internetnutzer in staatliche Behörden und Organe bezogen auf die Sicherheit persönlicher Daten massiv zurückgehen lassen. Aber auch den Datenschutz-Versprechungen der Wirtschaft vertrauen eine Umfrage zufolge immer weniger.
Die Enthüllungen von Edward Snowden belegen in neuer Dimension: der "große Bruder" hört und liest bei allem mit.
Die Enthüllungen von Edward Snowden belegen in neuer Dimension: der "große Bruder" hört und liest bei allem mit.

Das Vertrauen der Deutschen in die Sicherheit persönlicher Daten und die Privatheit ihrer Kommunikation geht mittlerweile vielfach gegen Null. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Branchenverbands BITKOM. So gaben in der Befragung 58 Prozent der Internetnutzer an, kein oder nur wenig Vertrauen zu haben, dass ihre Daten bei Behörden sicher sind. Damit hat sich der Anteil der Befragten, die an der Sicherheit und vertraulichen Handhabung persönlicher Daten bei staatlichen Stellen Zweifel haben, massiv erhöht: In der letzten Befragung im Jahr 2011 hatten nur 40 Prozent der befragten Internetanwender angegeben, in Sachen Datenschutz und Datensicherheit nur wenig oder kein Vertrauen in den Staat zu haben. Dass die eigenen Daten bei Behörden sicher und vertraulich aufgehoben sind, glaubt inzwischen nurmehr rund ein Drittel (34 %). Vor zwei Jahren hatten noch 54 Prozent der Internetnutzer „starkes“ oder „sehr starkes“ Vertrauen in die Sicherheit und die Vertraulichkeit der eigenen Daten bei Behörden.

„Die Zahlen zeigen, dass eine rasche Aufklärung der Vorgänge auch im Interesse der Politik selbst liegt. Es scheint, als ob die Nutzer sehr wohl einzuschätzen wissen, worum es bei den Abhörmaßnahmen geht und vor allem, von wem sie ausgehen“, konstatierte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Die vermehrte Sorge um die Sicherheit der eigenen Daten schlägt auch auf die Wirtschaft durch. So vertraut auch Unternehmen nur noch gut ein Drittel (34 %), was die Sicherheit und die Vertraulichkeit der eigenen Daten angeht. Vor zwei Jahren hatten noch gut vier von zehn Befragten (41 %) in dieser Hinsicht „sehr starkes‘“ oder zumindest „starkes“ Vertrauen in die Wirtschaft. Aktuell hat diesbezüglich jedoch mehr als jeder Zweite (55 %) große Zweifel oder kein Vertrauen mehr. 2011 lag dieser Anteil noch bei 46 Prozent.

Mehrheit glaubt nicht an Datensicherheit im Netz

Auch was die Sicherheit von Daten im Internet angeht, haben die Bedenken deutlich zugenommen. So haben inzwischen zwei von drei befragten Internetnutzern Zweifel, dass ihre Daten im Internet vor ungewollten Zugriff oder Missbrauch sicher sind. Mehr als ein Viertel (27 %) sieht sogar überhaupt keine  Datensicherheit gegeben, weitere 39 Prozent stufen diese zumindest eher als gering ein. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren war der Anteil der in puncto Online-Datensicherheit besorgten Online-Nutzer lediglich bei 55 Prozent gelegen (Daten völlig unsicher: 12 %; Daten eher unsicher: 43 %). Dass die eigenen Daten online sicher sind, glauben mittlerweile nurmehr 29 Prozent (sicher: 27 %; völlig sicher: 2 %). Zwei Jahre zuvor hatten dies noch 42 Prozent geglaubt (sicher: 36 %; völlig sicher: 36 %).

Großes Misstrauen herrscht die Datensicherheit im Netz betreffend insbesondere staatlichen Organen gegenüber. Laut Erhebung haben hier rund zwei von fünf befragten Internetanwendern Sorge, online ausgespäht zu werden (39%). Damit ist die Angst vor staatlicher Datenspionage fast genauso weit verbreitet wie die Furcht, dass Cyberkriminelle Daten ausspähen (42 %). Immerhin ein Drittel traut in dieser Hinsicht auch der Wirtschaft nicht und hat die Befürchtung, dass auch Unternehmen, Daten online ausspähen könnten (34 %).

Möglichkeit der Verschlüsselung wird bislang nur wenigen genutzt

Als Konsequenz auf diese Sicherheitsbedenken wollen 43 Prozent keine E-Mails mit vertraulichen oder wichtigen Dokumenten verschicken. 19 Prozent wollen auf Cloud-Dienste verzichten, 13 Prozent auf eine Mitgliedschaft in Social Networks. „Auch wenn immer mehr Menschen Sicherheitsbedenken haben: Das praktische Verhalten im Internet hat sich nicht verändert“, so Kempf.

Während der Schutz des eigenen Computers mit Anti-Viren-Programmen und Firewall inzwischen weit verbreitet ist, ergreift nur eine Minderheit konkrete Maßnahmen gegen Ausspähungen wie die Nutzung von Verschlüsselung, Anonymisierungsdiensten oder Meta-Suchmaschinen, die keine persönlichen Daten speichern. Nur 11 Prozent nutzen Proxies oder Dienste wie Tor. Verschlüsselungsprogramme für Dateien und E-Mails setzen gerade einmal 8 bzw. 6 Prozent ein und auf getunnelte Internetverbindungen (VPN) greifen lediglich 4 Prozent zurück. Meta-Suchmaschinen werden von 3 Prozent der Internetnutzer eingesetzt.

 „Auffällig ist, dass es zwischen den Altersgruppen kaum signifikante Unterschiede gibt. Die sogenannten Digital Natives sind den älteren Internetnutzern in Sachen Schutzmaßnahmen nicht voraus“, so Kempf.

Grund für den Verzicht auf Verschlüsselungssoftware ist vor allem fehlendes Wissen: Zwei Drittel der Internetnutzer kennen sich mit solchen Programmen schlicht nicht aus (65 %). Bei 59 Prozent setzt auch der (Online-)Kommunikationspartner keine entsprechende Software ein. Dass eine Verschlüsselung grundsätzlich zu aufwändig wäre, meint dagegen nur ein Viertel (24 %). Immerhin sieben Prozent geben an, es störe sie nicht, wenn ihre Daten von Dritten eingesehen werden. „Die Zahlen zeigen, dass es ein Interesse und einen Markt für Sicherheitstechnologien gibt“, sagte Kempf.

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