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News, 27.07.2009
Sinkender Krankenstand
BAuA warnt vor den Folgen von Präsentismus
Niemals zuvor seit Einführung der Krankenstand-Statistik blieben weniger deutsche Arbeitnehmer krankheitsbedingt der Arbeit fern als im ersten Halbjahr 2009. Der Grund hierfür ist allerdings nicht etwa, dass deutsche Arbeitnehmer seltener krank sind, sondern vielmehr verstärkt trotz Krankheit in die Arbeit gehen. Eine laut Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) weder für Unternehmen noch Sozialversicherungen erstrebenswerte Entwicklung – von den Folgen für betroffene Arbeitnehmer ganz zu schweigen.
Nach einer jüngsten Auswertung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) fiel der Krankenstand in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 auf ein Rekordtief. Danach lag im ersten Halbjahr 2009 der Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durchschnittlich bei 3,24 Prozent. Was jedoch auf den ersten Blick als ein Indiz für die fortschreitende Verbesserung des Gesundheitszustands deutscher Arbeitnehmer gewertet werden könnte, begründet sich laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in erster Linie in dem Phänomen des sogenannten Präsentismus, der das Verhalten bezeichnet, dass Arbeitnehmer trotz Erkrankung in die Arbeit gehen. Folglich könnten dem BAuA zufolge aus dem Rückgang der Fehlzeiten keine Schlüsse auf den tatsächlichen Gesundheitszustand der Beschäftigten gezogen werden. Vielmehr könne Präsentismus nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmen und Sozialversicherungen teuer zu stehen kommen.

Während in Phasen der Hochkonjunktur und geringer(er) Arbeitslosigkeit eher der Trend zum sogenannten Absentismus, dem Krankfeiern, geht, gilt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit genau das Gegenteil: das Gebot des Präsentismus, getreu dem Motto „Nur keine Fehlzeit!“. Laut BAuA besonders weit verbreitet ist der Präsentismus unter chronisch kranken Menschen, die beispielsweise unter Rückschmerzen, Migräne, Depressionen, Allergien oder Diabetes leiden: Obwohl sie eigentlich zu Hause bleiben sollten, gehen sie aus Angst vor Arbeitsplatzverlust bzw. im Bestreben, ihren den Arbeitsplatz zu sichern, trotz Beschwerden in die Arbeit. Ein Verhalten, dass weder den Betroffenen noch den Unternehmen wirklich nützt. So könne Präsentismus dem BAuA zufolge nicht nur zu hohen Produktivitätsverlusten führen, sondern auch mittel- bis langfristig die Gesundheit der Betroffenen gefährden.

„Auf lange Sicht erweist sich Präsentismus für Betriebe und Krankenversicherungen als sehr kostspielig. Verglichen mit krankheitsbedingter Abwesenheit gehen durchschnittlich dreimal mehr produktive Tage verloren, wenn Mitarbeiter krank am Arbeitsplatz sind“, berichtet das Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Schließlich wirke sich die Krankheit auf Leistung und Konzentration des Betroffenen aus, was dem Bericht zufolge dazu führe, dass sich sowohl die Fehler als auch Unfälle häufen und die Qualität der Arbeit sinkt. „Auf Dauer drohen langwierige und chronische Krankheiten. Wissenschaftliche Studien belegen ein erhöhtes Risiko für eine längere Arbeitsunfähigkeit als Folge von Präsentismus“, so das BAuA in seinem Bericht.

Nach Auffassung des Bundesamtes sollten die sinkenden Krankenzahlen daher sowohl im Interesse der Unternehmen als auch ihrer Mitarbeiter mit Vorsicht interpretiert werden. Denn wenn die Ursache für geringere Fehlzeiten nicht eine gesündere Belegschaft, sondern Präsentismus der Beschäftigten sei, werde dies nachhaltige negative Auswirkungen auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen haben, von der Gesundheit und dem Wohlbefinden der betroffenen Arbeitnehmer ganz zu schweigen. „Auch in Krisenzeiten muss demnach das Ziel ein gesunder Betrieb mit gesunder Belegschaft sein. Gesunde Arbeitsplätze sind hierfür genauso entscheidend wie eine vertrauensvolle Unternehmenskultur und das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter für die eigene Gesundheit“, so das BAuA.

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

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