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Pressemitteilung

Rhetorik der Politiker Merkel und Steinbrück

Im Vorfeld der Bundestagswahl sieht man sie wieder häufiger in Kampfstimmung: die Kanzlerkandidaten. Was machen Angela Merkel, und Peer Steinbrück gut und womit verspielen sie ihre Chancen?
(PM) Augsburg, 08.09.2013 - Der Herausforderer, der Coaching ablehnt

Echt ist er, der Peer aus dem hohen Norden. Das zeigt er und dafür ist er bekannt. Authentisch. Mit harter Kante. Und hundsmiserablen Umfragewerten, die nicht Mal die seiner eigenen Partei erreichen. Sein Auftreten zeigt es deutlich: die Menschen sind ihm egal, seine Wirkung ebenfalls. Ihm geht es nur um die Sache. Für die kämpft er.

Dabei vertritt Steinbrück sicher keine Standpunkte, die nicht den SPD-Wähler und auch einigen anderen gefallen würden. Wenn es also nicht an einer radikalen Einstellung liegt, an abwegigen Meinungen oder utopischen Versprechen, warum schneidet er dann so schlecht ab? Weil viele Menschen sich schlicht nicht für die Inhalte interessieren, die Zeit nicht haben sich zu informieren oder gar nicht verstehen, wofür welcher Kandidat steht.

Gewählt wird nach Sympathie

Selbst informierte Menschen, die Nachrichten und Artikel in einschlägigen Zeitungen und Magazinen verschlingen, lassen sich nicht davon abhalten nach Sympathie zu wählen. Sympathie entscheidet, wem man vertraut. Menschen, die wir persönlich kennen, können wir riechen, wir erleben ihr Verhalten, sind direkt mit ihnen in Interaktion. Politiker dagegen kennen die meisten von uns nur aus den Medien oder zumindest aus großem Abstand. Sympathie entsteht dabei vor allem durch Körpersprache, Stimme und die Art zu sprechen.

Natürlich spielen Schlagzeilen eine Rolle. Und Menschen vergessen nicht, wenn jemand etwas getan oder gesagt hat, was nicht ins Bild passt. Ein Kanzlerkandidat ausgerechnet der SPD, der sich über das zu niedrige Gehalt eines Kanzlers beschwert – beispielsweise. Es gibt auch Menschen, die ihr ganzes Leben schon „ihre“ Partei wählen. Dieses Mal vermutlich eher ein Glück für Steinbrück?

Steinbrück kämpft aggressiv und verbissen

Menschliches zu zeigen liegt ihm nicht. Als er in einem Interview vor Rührung die Fassung verliert, ärgert er sich sichtlich über sich, anstatt zu seinen Emotionen zu stehen. Wenn er dagegen die Wähler adressiert, verfängt er sich einerseits in komplexe, zu lange Sätze – womit er sich leider nicht von den anderen beiden abhebt – nutzt bei intellektuellem Publikum schwer verständliche Worte. Und kann andererseits wunderbare Bilder einbauen. Gipfeltreffen werden bei ihm zu „Pokerrunden“, die mit Ausnahme des Gruppenfotos folgenlos seien.

Sein Markenzeichen könnten die karpfengleich stark nach unten gebogenen Mundwinkel werden, die immer dann entstehen, wenn er nachdenkt oder beim Sprechen eine Wirkungspause macht.

Wahlkampf ist ein Kampf, ja, doch die Zeiten, in denen so ein Kampf mit aggressiven Gesten gegenüber den Wählern geführt werden sollte, ist vorbei. Wie fast alle Politiker schlägt der Herausforderer mit der Faust, der spitzen Hand (Daumen und Finger bilden eine Spitze) und sticht vor allem mit dem Zeigefinger immer wieder streitsüchtig zu. Das ist beim SPD-Kandidaten noch stärker ausgeprägt. Aggressiv war gestern, heute geht es darum Vertrauen aufzubauen.

Die Souverän aus dem Osten

Angela Merkel ist ein Phänomen. Vergleicht man ihre schüchternen, hölzernen und belächelten Auftritte zu Beginn ihrer Ministerämter 1992 mit heute, liegen Welten dazwischen. Ihr Auftreten ist längst auf souveräner Augenhöhe mit US-Präsidenten und Päpsten. Merkel ist fast schon Kult – oder ist sie es tatsächlich schon? Farbige Jacketts und die zum „Merkel’schen Dach“ geformten Finger sind ihre Markenzeichen. Tatsächlich würden sie deutlich mehr Menschen direkt wählen, als der Union vertrauen.

Dabei ist das paradox. Denn sie wirkt durchaus manchmal noch sehr hölzern, insbesondere bei den Auftritten, die man normalerweise im Fernsehen geboten bekommt: Pressekonferenzen, Bundestagsreden und zu Tode langweilige und emotionslose Weihnachtsansprachen.

Merkel kann auch anders

Wenn die Bundeskanzlerin Arbeiter in einem Werk besucht, auf Journalisten trifft oder in einer Talk-Show über sich oder politikfremde Themen spricht, dann zeigt sie einen das Eis brechenden, souveränen und trocknen Humor. Dann spricht ihre Mimik Bände. Dann kommt sie an und begeistert.

Dabei spricht auch sie nicht immer so, dass es ankommt. Neben den zu langen Sätzen sind es Substantivierungen und passiv-Formulierungen. Da ist sie wieder, diese hölzerne Art. Durch diese Art macht sie sich wenig angreifbar. Ebenso wie zwei ihrer Lieblingsformulierungen: „ich glaube“ – wer kann schon ihrem Glauben widersprechen – und „es gibt keine Alternative“ – dann muss man auch keine diskutieren.

Merkel gewinnt eindeutig durch ihre Körpersprache. Ihr souveränes Auftreten überwiegt sogar die immer noch vorhandenen Schwachpunkte so stark, dass keiner mehr darüber spricht. Sie wirkt staatsmännisch, auch wenn sie zumindest bei offiziellen Anlässen wie ein Staatsdiener spricht, der trocken eine Verlautbarung vorliest. Merkel inszeniert sich, aber so unmerklich, dass es nicht als Inszenierung wahrgenommen wird. Strategisch geschickt, wie eben nur diese Bundeskanzlerin es kann.
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ÜBER MICHAEL MOESSLANG - HITCHCOCK DER PRÄSENTATION

Der Autor Michael Moesslang, der Hitchcock der Präsentation, ist Experte für Präsentation, Körpersprache, Rhetorik und Lampenfieber. Er bietet Vorträge, Seminare sowie Performance-Coaching für Vorstände, ...
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