VOLLTEXTSUCHE
Interview, 01.08.2012
Change Management
Restrukturierung erfordert Mitarbeiterbeteiligung
Ein Interview mit Armin Stecher, Ärztliche VerrechnungsStelle Büdingen e.V.
Jedes Unternehmen muss von Zeit zu Zeit neu ausgerichtet werden. Diese Erfahrung machte auch Konzerngeschäftsführer der Ärztlichen Unternehmensgruppe Büdingen Armin Stecher. Im Interview erläutert der Dipl.-Kaufmann und Wirtschaftsprüfer, wie aus einem langjährig arrivierten Unternehmen eine hoch moderne, profitable Dienstleistungsgruppe wurde.

Herr Stecher, Sie haben sehr erfolgreich zunächst ein Tochterunternehmen der Ärztlichen VerrechnungsStelle Büdingen e. V., die Alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH, anschließend die gesamte Unternehmensgruppe neu strukturiert und ausgerichtet. Wie kam es dazu?

Armin Stecher: Wie in vielen mittelständischen Unternehmen, die es seit Jahrzehnten gibt, hatten sich auch bei der Ärztlichen Unternehmensgruppe Büdingen Abläufe, Prozesse und Gewohnheiten verfestigt, die den heutigen und von den Kunden erwarteten Leistungen in punkto Geschwindigkeit, Qualität und Betreuung nicht mehr entsprachen. Dies ging zulasten der Rentabilität des Unternehmens. Nach meinem Wechsel von Ernst & Young zur Alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH habe ich daher zunächst in Abstimmung mit dem Vorstand eine detaillierte Analyse – oder wie die Ärzte sagen – Anamnese der aktuellen Situation vorgenommen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Stecher: Zunächst haben wir uns die Entwicklungstendenzen anhand objektivierbarer Daten angeschaut. Dazu gehörten die gesamt- und niederlassungsbezogenen Unternehmensergebnisse, die Kundenentwicklung (Anzahl und Altersstruktur) sowie die Analyse der einzelnen Kostenarten. So sahen wir, wie und wo wir den Hebel ansetzen mussten, um die Rentabilität zu verbessern. Beispielsweise verdeutlichten die Analyseergebnisse, dass wir interne Abläufe transparenter machen mussten und dass es insbesondere die Bereiche Kundenbetreuung und Neugeschäft zu forcieren galt. Anschließend erarbeiteten wir ein 7-Schritte-Programm.

Welche Kernelemente hatte dieses Programm?

Stecher: Viel Veränderungsarbeit stand an. Uns war es daher wichtig, eine Aufbruchsstimmung in der Belegschaft zu erzeugen. Ein Team aus Mitarbeitern, das einen Querschnitt des Unternehmens darstellte, erarbeitete dazu ein Leitbild, wie sich Management und Mitarbeiter das Unternehmen und dessen künftige Entwicklung vorstellten. Angefangen von der Art der Führung durch die Vorgesetzten bis hin zur angestrebten Außendarstellung beantwortet das Leitbild nun alle Fragen.

Welche organisatorische Änderung war besonders wichtig?

Stecher: Die Einführung von Teamstrukturen. Heute bilden fünf bis acht Mitarbeiter ein Team, und die Teamleiter sind für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Aus unüberschaubaren Abteilungen wurden kleine, schlagkräftige und wirtschaftlich denkende Einheiten.

Was folgte darauf?

Stecher: Dann setzten wir uns mit der Positionierung des Unternehmens auseinander. Denn die Analyse hatte ergeben, dass wir zu heterogene Zielgruppen hatten und dass unser Profil unscharf war. Heute sind unsere Leistungen ausschließlich auf Mandanten aus dem Bereich der Heilberufe zugeschnitten, so dass unsere Marktpositionierung eindeutig ist. Anschließend begannen wir damit, ein umfassendes Controlling zu etablieren.

In welcher Form?

Stecher: Im ersten Schritt haben wir eine Kostenstellenrechnung auf Teamebene eingeführt. So sind die jeweiligen Kosten und Umsätze jedes Teams transparent. In der jährlichen Budgetplanung werden die Umsatz- und Kostenziele festgelegt und anschließend auf Niederlassungs- und Teamebene herunter gebrochen. Die monatlichen Soll-/Ist-Auswertungen besprechen die Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern. Dadurch ist die unternehmerische Verantwortung der Mitarbeiter deutlich gestiegen.

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf diese Veränderungen reagiert?

Stecher: Positiv, denn jedem war klar, dass wir alle in einem Boot sitzen, das abtreibt, wenn wir nicht in dieselbe Richtung rudern. Stärker diskutiert wurde, als wir eine Kostenträgerrechnung auf Mandatsebene einführten. Dazu war es erforderlich, dass die Mitarbeiter ihre Zeiten erfassten. Das wollten manche Mitarbeiter zunächst nicht, da die Angst der lückenlosen Kontrolle und der damit verbundenen Überwachungsmöglichkeit durch den Arbeitgeber geschaffen wurde. Entschärft wurde die Brisanz, da gleichzeitig ein Mitarbeiterbeurteilungssystem etabliert wurde. Dieses ermöglicht es, Mitarbeiter gemäß ihren Stärken einzusetzen und intensiv zu fördern.

Also fordern und fördern.

Stecher: Natürlich, denn als mittelständisches Unternehmen mit knapp 600 Mitarbeitern müssen wir darauf achten, dass am Ende Leistung und Ertrag stimmen. Daher haben wir auch ein erfolgsabhängiges Vergütungssystems installiert, dem sowohl die jährliche Mitarbeiterbeurteilung als auch die Ergebnisentwicklung des Teams bzw. des Gesamtunternehmens zugrunde liegt. Unsere Mitarbeiter motiviert es ungemein, dass sie für erfolgreiche Arbeit zusätzlich honoriert werden.

Wie reagierte die Gewerkschaft darauf?


Stecher: Mit der Gewerkschaft haben wir schon einige Gespräche führen müssen, da sie solche leistungsbezogenen Komponenten nur dann gerne sieht, wenn sie zusätzlich obendrauf gewährt werden. Bei Umverteilungen zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Mitarbeitern ist sie hingegen restriktiv.  

Fördern die Erfolgsprämien nicht den internen Konkurrenzkampf?

Stecher: Nein, denn wir verstehen uns und arbeiten in festen Teams. Die Mitarbeiter werden auf diese Weise gleichmäßig ausgelastet. Rückstände können schneller aufgearbeitet werden. Auch die Mitarbeiterführung wird leichter. Letztlich verbessert sich die Qualität deutlich. Dazu trägt auch bei, dass sich die Teamleiter quartalsweise treffen und austauschen, wie Probleme gelöst und Vorgaben erreicht werden können. Zudem haben die Teamleiter Schulungen im Bereich Mitarbeiterführung erhalten. Schließlich hängen Erfolg bzw. Misserfolg eines Unternehmens wesentlich von der Qualität der Führung ab.

Was haben Sie getan, um neue Kunden zu bekommen?

Stecher: Dazu haben wir unsere Marketing-Aktivitäten verbessert und intensiviert. Als erstes haben wir ein neues Corporate Design entwickeln lassen, um uns zeitgerechter darzustellen. Auch eine neue Corporate Identity wurde aufgebaut, neue Werbemittel konzipiert. Die Neukundenakquisition erfolgt systematischer vorwiegend über Vorträge auf Veranstaltungen, Kongressen, Seminaren.  

Wo steht Ihr Unternehmen heute?

Stecher: Die Zahlen stimmen. Und auch eine kürzlich durchgeführte Mitarbeiterbefragung bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Belegschaft schätzt sehr, dass sich die interne Kommunikation verbessert hat, das moderne Vergütungssystem, die zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen, ein modernes Arbeitsumfeld, die konstruktive Teamarbeit sowie die zeitgerechte Organisation und Führung.

Was können mittelständische Unternehmen von der Ärztlichen Unternehmensgruppe Büdingen lernen?

Stecher: Ich bin überzeugt, dass es für jedes Unternehmen, das wie wir seit Jahrzehnten am Markt ist, wichtig ist, von Zeit zu Zeit die eigene Positionierung, Strukturen, Abläufe, Prozesse, Führungsprinzipien etc. auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen. Auch dem Controlling kommt meines Erachtens eine große Bedeutung zu, da die Zahlen verdeutlichen, welche Dinge gut laufen und was zu optimieren ist. Für den Erfolg eines Veränderungsprozesses ist es entscheidend, dass nicht nur Konzepte formuliert, sondern dass sie auch umgesetzt werden. Zur Kunst der Unternehmensführung gehört es deshalb, alle wichtigen Gremien und vor allem die Mitarbeiter aktiv in die Veränderungsprozesse einzubeziehen. Das ist eine zentrale Grundvoraussetzung für den Erfolg.

ZUM AUTOR
Über Armin Stecher
Ärztliche Verrechnungsstelle Büdingen GmbH
Armin Stecher ist Konzerngeschäftsführer der Ärztlichen VerrechnungsStelle Büdingen e.V.. Die vor 85 Jahren von Ärzten für Ärzte gegründet Unternehmensgruppe unterstützt heute mit knapp 600 Mitarbeitern in ...
Ärztliche Verrechnungsstelle Büdingen GmbH
Gymnasiumstr. 18-20
63654 Büdingen

+49-6042-882332
WEITERE INTERVIEWS
WEITERE BEITRÄGE AUS DIESEM RESSORT
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
EINTRÄGE
Anzeige
PRESSEPORTAL
Presseportal
Presseforum Mittelstand - das kostenlose Presseportal
Kostenfreier Pressedienst für Unternehmen und Agenturen mit digitalen Pressefächern für integrierte, professionelle Online-Pressearbeit zum Presseportal
PR-DIENSTLEISTERVERZEICHNIS
PR-Dienstleisterverzeichnis
Kostenlos als PR-Agentur/-Dienstleister eintragen
Kostenfreies Verzeichnis für PR-Agenturen und sonstige PR-Dienstleister mit umfangreichen Microsites (inkl. Kunden-Pressefächern). zum PR-Dienstleisterverzeichnis
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG